Verstärkung für das Lechfeldmuseum in Königsbrunn

Viele tausend Objekte im Lechfeldmuseum müssen katalogisiert werden. Foto: Peter Stöbich

Im zweiten Anlauf hat es jetzt geklappt: Der städtische Hauptausschuss hat zugestimmt, dass das Lechfeldmuseum in Königsbrunn personelle Verstärkung bekommt, um die zahllosen Exponate in den Räumen zu sichten und ordentlich zu archivieren. Einen Antrag für diese Stelle hatte die Stadtrats-Mehrheit vor der Sommerpause noch abgelehnt.

Nach einer kurzen Debatte folgten die Ausschuss-Mitglieder einhellig dem Wunsch von Kulturbüro-Chefin Ursula Off-Melcher, die auch für Stadtbücherei und Museen verantwortlich ist. Sie verwies auf eine im Frühjahr vorgestellte Machbarkeitsstudie und betonte: "Die Aufgabe in dem 600 Quadratmeter großen Museum, das in den 43 Jahren seines Bestehens noch keine Inventarisierung vorzuweisen hat, ist sehr umfangreich." Deshalb solle die Inventarisierung und Provenienzforschung nach den vor zwei Jahren neugestalteten Themenzimmern in einer festzulegenden Reihenfolge durchgeführt werden, damit auch nach eventuellen Unterbrechungen jederzeit angeknüpft werden kann.

Authentischer Blick in die Vergangenheit

Die Objekte des Museums an der Schwabenstraße haben hohen Erinnerungswert im Hinblick auf die lokale Siedlungsgeschichte. Die dortige Sammlung besteht hauptsächlich aus Exponaten, die den bäuerlichen Alltag der Gründungssiedler, die Wohnverhältnisse und die Kleidung der früheren Bewohner des Lechfeldes anschaulich machen. In einer original eingerichteten Wohn- und Schlafstube präsentiert sich das Museum so realistisch, als ob jeden Moment die Bäuerin aus dem 19. Jahrhunderts eintreten würde. Insgesamt gibt es ein Dutzend Themenräume.

Eine Übersicht der Sammlungsbestände ist laut Off-Melcher nicht verfügbar, eine geschätzte Zahl kann nicht verifiziert werden. Es gab seit der Einrichtung des Museums im Jahr 1974 schon verschiedene Ansätze der Inventarisierung; so finden sich in den Archivschränken handschriftliche Karteikarten sowie Objektlisten, die teilweise einen Kaufpreis und die Objektart ausweisen. Teilweise gibt es auch fotografische Abbildungen, aber bei Stichproben konnten die entsprechenden Objekte nicht gefunden werden. "Es gibt weder eine Dokumentation der Provenienz der Objekte noch über einen Kauf- oder Schenkungsvorgang", stellte die Leiterin des Kulturbüros fest.

Die Inventarisierung habe für die Stadt Königsbrunn mehrere positive Aspekte. Zum einen dient sie als Grundlage der Versicherungssumme, zum anderen könnten Exponate auch für längere Zeit ausgelagert werden oder kleinere Ausstellungen konzipiert werden.

Der neue Museums-Mitarbeiter soll vor allem eine wissenschaftliche Ausbildung und Berufserfahrung sowie Kenntnisse der gängigen Computerprogramme besitzen, die zur Erfassung eines Museumsbestandes nötig sind. In den Haushalt will man dafür über zwei Jahre 120 000 Euro einstellen.

Machbarkeitsstudie: Königsbrunner Museen sollen attraktiver werden

Attraktiver und zeitgemäßer möchte die Stadt Königsbrunn ihre Museen gestalten und dadurch langfristig die Besucherzahlen steigern. Deshalb hatte der Stadtrat eine sogenannte Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die auf 99 Seiten sowohl den aktuellen Stand als auch künftige Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigt. Das Hauptaugenmerk der Untersuchung liegt auf dem Archäologischen-, dem Lechfeld- und dem Naturmuseum. Seit rund vier Jahren ist Off-Melcher intensiv mit dem Marketing der Museen betraut, um sie stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und auch auswärtige Besucher anzulocken.

Neben den neuen Flyern und informativen Stelen sowie ehrenamtlichen Kulturvermittlern, die erweiterte Öffnungszeiten und Führungen ermöglichen, und Aktionen zum Internationalen Museumstag sind aber auch moderne Räumlichkeiten und inhaltliche Aufarbeitungen wichtig. Mit der bewilligten Stelle für das Lechfeldmuseums ist jetzt ein guter Anfang gemacht.

Es zeigt die Faszination des technischen Fortschritts und die damit verbundene Verbesserung der Lebensqualität im Lauf der Geschichte; es dokumentiert aber ebenso das Schwinden überlieferter Lebens- und Arbeitswelten. Ein Besuch lohnt sich: Von bäuerlicher Handwerkskunst über alte Fotos, Postkarten und Uhren bis zum Fernschreiber aus dem Jahr 1930 reichen die Objekte auf insgesamt 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche. (Peter Stöbich)
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