Vortrag im Königsbrunner Jugendzentrum: Terror mit dem Handy

Polizeioberkommissar Klaus Kratzer sprach im Königsbrunner "Matrix". Foto: Stöbich
 
Beim Chatten, Surfen und Skypen sind sich viele Jugendliche der Gefahren nicht bewußt. Foto: Stöbich
Königsbrunn : Königsbrunn |

"Unsere Kinder versäumen das Leben", sagte Polizeioberkommissar Klaus Kratzer bei einem spannenden Vortrag, zu dem Eltern, Lehrer und Schulleiter ins Königsbrunner Jugendzentrum gekommen waren. Jugendgewalt in den neuen Medien war das Thema dieses Abends, den das Kulturbüro als gemeinsames Projekt mit den Schulen der Stadt organisiert hatte. Kratzer ist bei der Kriminalpolizei in Augsburg tätig, Fachmann für das sogenannte Cybermobbing und nebenberuflich Trainer für Selbstbehauptung.

Die Begriffe Internet-Mobbing oder Cyber-Bullying bezeichnen verschiedene Formen der Diffamierung, Belästigung und Nötigung anderer Menschen mit Hilfe elektronischer Kommunikationsmittel. Was sich früher in einem sowohl räumlich wie auch zeitlich begrenzten Rahmen auf dem Schulhof abspielte, hat im virtuellen Raum eine Entgrenzung erfahren, welche die Opfer in bislang unbekannten Dimensionen trifft: Beleidigungen auf Facebook, entwürdigende Videos auf YouTube und nächtlicher Terror über das Handy haben weltweit bereits mehrere Teenager in den Selbstmord getrieben.
"In ein KInderzimmer gehört kein Bildschirm!", appellierte Kratzer eindringlich an seine Zuhörer und schilderte Fälle aus seinem Berufsalltag. Vielen Jugendlichen sei nicht bewußt, dass sie sich strafbar machen, wenn sie mit Hilfe ihres Smartphones jemanden verleumden oder pornografische Inhalte an ihre Chat-Gruppe verbreiten.
Das Problem dabei: "Es gibt keinen digitalen Radiergummi!" Jeder kann ein privates Bild herunterladen und in den sozialen Netzwerken neu einstellen. Sobald man bei Facebook auf „Upload“ drückt, ist das Bild nicht mehr in der eigenen Verfügungsgewalt. "Viele Täter verstehen ihre Angriffe als Spaß", sagte der Polizist. Nur konnte man früher, wenn man jemanden persönlich beleidigt hatte, sich beim Opfer entschuldigen und niemand bekam davon etwas mit - heute dagegen lesen Hunderte mit.
Häufig unterschätzen Eltern das Gefahrenpotential beim Chatten, Surfen, Skypen. Doch auf diese Weise können sich Pädophile, Rechtsradikale und sonstige Gestalten unbemerkt ins Kinderzimmer schleichen, warnte Kratzer. Besonders problematisch bei der virtuellen Form des Mobbings sei die pausenlose Verfügbarkeit - die Täter können rund um die Uhr aktiv sein und sich dabei eines großen Publikums bedienen, das weitere Unterstützung leistet. Die Opfer sind ununterbrochen erreichbar.
Statt Gegenmaßnahmen einleiten zu müssen, ist es besser, Vorsorge zu ergreifen. Entscheidend ist dabei ein Zusammenspiel verschieder Faktoren: elterliche Fürsorge und Aufmerksamkeit, Aufklärung durch Eltern und Schule gleichermaßen, die Medienkompetenz der Kinder sowie nicht zuletzt die Einrichtung von Institutionen, die eine möglichst frühzeitige Klärung der Probleme in der realen Welt ermöglichen.
Das Risiko, selbst Opfer von Mobbing-Attacken zu werden, lässt sich unter anderem dadurch senken, dass keine persönlichen Daten leichtfertig hinterlassen werden, um die Angriffsfläche nicht zu vergrößern - Handynummern, Post- oder E-Mail-Adressen gehören nicht in das persönliche Profil. Kratzer warnte in seinem engagierten Vortrag unter anderem vor Kettenbriefen, die über Whats App verbreitet werden, und zitierte eine Aussage von Joseph Weizenbaum: "Das Internet ist ein Misthaufen, in dem man hin und wieder eine Perle findet!"
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