Wenn die Küchenwaage piept und blinkt

Königsbrunn: Fritz-Felsenstein-Haus | Was tun, wenn der eigene Körper den Handlungsspielraum einschränkt, der Wunsch nach Selbständigkeit aber verständlicher Weise groß ist? Mechatronik-Studenten der Hochschule Augsburg haben sich darüber intensiv Gedanken gemacht und Geräte gebaut, die auch von Menschen mit starken Einschränkungen bedient werden können.

Alltagshilfen für Menschen mit Behinderung

In der Aula des Fritz-Felsenstein-Hauses präsentierten sie sieben Konstruktionen, die den Alltag von körperbehinderten Menschen einfacher machen. Da ist zum Beispiel die Küchenwaage für Autisten. „Ihnen fällt es schwer, die für das Rezept erforderliche Menge an Zutaten im Hinterkopf zu behalten, während sie mit dem Wiegevorgang beschäftigt sind,“ erklärt Christine Brenner. Die Studenten haben als Basis ihrer Konstruktion eine robuste Küchenwaage gewählt und sie so ausgestattet, dass über zusätzliche optische Signale erkennbar ist, ob die Menge passt oder ob sich zu wenig oder zu viel in der Waagschale befindet. Ein akustisches Signal gibt zusätzlich an, wann die exakte Menge an Butter oder Mehl erreicht ist. „Das Prinzip ist einfach, aber solche speziellen Geräte gibt es schlichtweg nicht zu kaufen, deshalb sind wir sehr dankbar für solche angepassten Konstruktionen“, sagt Christine Brenner. Gemeinsam mit Ihrem Kollegen Roland Salvamoser berät und begleitet sie im Fritz-Felsenstein-Haus als Expertin des Beratungsteams INTERAKTIV Menschen mit einer Körperbehinderung bei der Auswahl und Anpassung von Hilfsgeräten und computergesteuerter Assistenztechnik. Als Ansprechpartner und Berater sind sie die wichtigste Anlaufstelle der Studenten, wenn es um die speziellen Anforderungen der Klienten geht.

Die Leistung der Studierenden liegt in ihrer Innovationskraft und ihrem Willen, funktionierende Geräte zu bauen, die tatsächlich genutzt werden können. Dazu müssen sie sich erst intensiv mit den Bedürfnissen ihrer Zielgruppe auseinandersetzen, Ideen entwickeln und sich in unzähligen Stunden der Programmierung und technischen Umsetzung widmen. Dafür haben sie ein Semester lang Zeit, oft genug werden die Nächte vor der Abgabe durchgearbeitet. Unterstützt werden Sie von Ihren Professoren Franz Raps und Martin Beyer (beide am Lehrstuhl für Elektrotechnik) sowie von Alexander von Bodisco, Professor für Informatik. Neben der Küchenwaage sind in diesem Jahr wieder zahlreiche Geräte für den Freizeitbereich zu sehen, wie zum Beispiel ein Dart-Spiel oder eine Carrera-Bahn, die auch per Taster oder Joystick gesteuert werden können.

Ausgezeichnetes Projekt

Die Kooperation, die seit 6 Jahren äußerst erfolgreich besteht, ist für beide Seiten zu einer festen Institution geworden: „Das Projekt bringt Motivation in die Hochschule und ist für die Studierenden eine sehr wertvolle Plattform zum Lernen und Experimentieren“, so Professor Martin Bayer. Vor zwei Jahren wurde das Mechatronik-Projekt vom Kultusministerium mit dem Bayerischen Hochschulpreis für herausragende Lehre ausgezeichnet. FFH-Vorstand Gregor Beck bedankte sich für die enorme Arbeitsleistung und das Engagement von Studierenden und Professoren.
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