Zu Besuch auf dem Königsbrunner Gnadenhof

Einen tierischen Ferientag verbrachten Kinder auf dem Königsbrunner Gnadenhof. Foto: Stöbich

Der Königsbrunner Gnadenhof soll ein Kompetenzzentrum mit Museum werden. Und auch Schafe, Tauben und Ponys werden demnächst auf Gut Morhard leben.

Einen erlebnisreichen Tag auf Gut Morhard konnten Kinder nun verbringen. Auf dem Königsbrunner Gnadenhof versuchten sich die Mädchen und Buben als Tierpfleger und lernten dabei eine Menge über Bedürfnisse und Haltung von Hühnern, Kaninchen oder Ziegen.

Seit der Eröffnung des Gnadenhofs im Oktober 2013 geht es auf Gut Morhard rund: Kindergärten, Schulen, Senioren, Familien mit Kindern besuchen die Einrichtung des Tierschutzvereins Augsburg, auch Kindergeburtstage und andere Feste werden im Süden von Königsbrunn gefeiert. Ins Leben kam dieses mehrere Hektar umfassende Projekt durch die ehemalige Eigentümerin des Grundstücks, Hedwig Morhard. Sie hatte mit ihrem Collie in dem Haus gewohnt, das nun mit Küche, Veranstaltungsraum und Wohnungen für Mitarbeiter dem Gnadenhof zur Verfügung steht.

Als die Tierliebhaberin 2011 starb, erbte der Tierschutzverein das Grundstück sowie eine weitere Summe, die die Finanzierung des ersten Bauabschnitts ermöglichte. In der Anfangsphase bis 2014 begegneten sich Menschen und platzbedingt einige wenige Tiere; ehrenamtliches Engagement macht bis heute vieles möglich.

Noch heuer sollen auch Schafe, Tauben und Ponys aufgenommen werden, die Ziegen werden auf eine größere Fläche umziehen und demnächst wird auch ein Taubenhaus eröffnet. Geplant ist außerdem der Umzug der Dr. Heinz-Fischer-Sammlungen des Naturmuseums Königsbrunn. Die Krönung des Ganzen soll ein neu gebautes Kompetenzzentrum für Natur- und Tierschutz mit integriertem Museum sein, das interessante, abwechslungsreiche und spannende Ausstellungen, Vorträge und Mitmachaktionen für Groß und Klein bietet.

Wichtig ist dem Vorsitzenden des Tierschutzvereins, Heinz Paula und seinem Team, die Beziehung zwischen Mensch und Tier zu fördern und zu vermitteln. Paula denkt aber auch an einen "Archehof" für selten gewordene und vom Aussterben bedrohte Tierrassen wie etwa das "Augsburger Huhn" oder bestimmte Schafe und Ziegen. Die könnten künftig auf Grünflächen in Augsburg als lebende Rasenmäher eingesetzt werden, plant der Verein bereits das nächste Projekt zusammen mit dem Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg.

"Unsere guten Erfahrungen münden in feste Projekte", sagt Paula, etwa die enge Kooperation mit der Tierschutz AG der Mittelschule Großaitingen. Auch engagierte Gartenfreunde und handwerkliche Talente helfen bei der Gestaltung des Geländes. Landtagsabgeordneter Herbert Woerlein unterstützt den Verein beim Ruf nach mehr staatlicher Unterstützung für Tierheime: "Denn nicht überall ist die Lage so gut wie auf Gut Morhard!" Um auf die prekäre finanzielle Situation der bayerischen Tierheime aufmerksam zu machen, stattete der tierschutzpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion unter Leitung von Paula dem Gnadenhof einen Besuch ab.

Laut Deutschem Tierschutzbund steht jedes zweite Tierheim in Bayern vor der Insolvenz. Die Heime sollen deshalb eine jährliche Förderung von einer Million Euro erhalten, lautet die SPD-Forderung. Der Tierschutzbund verdeutlicht: "Zahlreiche Heime in ganz Bayern stehen inzwischen vor schier unlösbaren Aufgaben. Veraltete Gebäude müssen renoviert werden, dabei schaffen es die Träger kaum, die laufenden Kosten zu schultern."

Die Urlaubssaison verschärft das Problem zusätzlich, mahnt Woerlein: "Immer mehr ausgesetzte, alte und hilflose Hunde und Katzen werden vor allem auch in der Urlaubszeit ins Tierheim gebracht und sie bleiben dort länger als bisher." Ohne Spenden von Tierliebhabern und den Einsatz zahlreicher ehrenamtlicher Helfer müssten praktisch alle Tierheime in Bayern zusperren, so Paula.
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