4. Bauabschnitt der Osttangente wird zeitlich zurückgestellt

Der 4. Bauabschnitt wird vorerst nicht gebaut.
Anfang Dezember verabschiedete der Deutsche Bundestag das Ausbaugesetz zum Bundesverkehrswegeplan 2030. Die darin enthaltene Osttangente, die von Derching (A8) bis Oberottmarshausen (B17) verlaufen soll, ist bundesweit als kritisches Straßenprojekt bekannt. Nur bei wenigen Projekten wurde aufgrund des großen Widerstandes in der Öffentlichkeit eine minimale Reduzierung erreicht, die Osttangente ist eines davon.

Die Bauabschnitte 1 bis 3 der Osttangente wurden als „vordringlicher Bedarf“ eingestuft, was zur Folge hat, dass sie bis zum Jahre 2030 fertiggestellt werden sollen. Der 4. Bauabschnitt zwischen Mering und der B17 bei Oberottmarshausen wurde zurückgestellt und als „weiterer Bedarf mit Planungsrecht“ eingestuft. Damit könnte zumindest schon mit den Planungen begonnen werden - mit einem Baubeginn ist allerdings nicht vor 2030 zu rechnen. Die Bundestagsabgeordneten Hansjörg Durz und Ulrich Lange (CSU) haben jedoch bereits angekündigt, dass selbst von diesem Planungsrecht kein Gebrauch gemacht werden soll.

Bürgermeister Franz Feigl aus Königsbrunn wird die weitere Entwicklung genau verfolgen. Zwar habe man in Berlin auf den großen Widerstand gegen eine vierspurige Verbindung von Mering zur B17 südlich von Königsbrunn reagiert, allerdings bleibe zu befürchten, dass sich der Ausbau der B2 von Derching nach Mering auf den Verkehr im Süden der Brunnenstadt auswirken werde. „Es geht ja hier nicht um eine regionale Erschließung, sondern um eine Verkehrsführung mit europäischen Dimensionen“, so Feigl.

Besonders enttäuscht zeigte sich der Sprecher des Aktionsbündnisses Keine Osttangente (A-KO) Wolfhard von Thienen: „Bürgerbeteiligung sieht nach Ansicht der von uns gewählten Vertreter offenbar so aus, dass sie sagen, was gebaut wird, und wir dürfen dann sagen, ob´s zehn Meter links oder rechts sein soll.“ Er befürchtet jetzt das Schlimmste für die Region. Das vom Deutschen Bundestag verabschiedete Gesetz sieht für die Abschnitte 1 und 2 zwischen der A8 und der B2 einen 4-spurigen Ausbau vor. Der Abschnitt 3 zwischen der B2 bei Kissing über Mering/St. Afra darf 4-spurig, optional auch 3-spurig gebaut werden. Laut Uwe Fritsch vom Staatlichen Bauamt hängt die Entscheidung über die Anzahl der Fahrspuren von den Verkehrsuntersuchungen ab, die in der näheren Zukunft stattfinden sollen. Die ersten drei Bauabschnitte werden laut Aussage des Straßenbauamtes ab Januar mit Hochdruck geplant und anschließend gebaut.

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) sieht in dem Projekt eine extreme Belastung für Umwelt und Natur, die mit einem sehr hohen Flächenverbrauch verbunden ist. „Diese autobahnähnliche Straße ist kein Beitrag zu einer zukunftsfähigen Verkehrspolitik und kein Beitrag zu effektivem Klimaschutz“. A-KO-Sprecher Wolfhard von Thienen erklärte: „Unser Widerstand geht jetzt erst richtig los“ - zumal die Gegner des Projekts bereits rechtliche Schritte angekündigt haben.

Obwohl die Aufnahme der Osttangente in den Bundesverkehrswegeplan nun beschlossen ist, starten die Gegner der Straße zufrieden ins neue Jahr: Gegen kein anderes Straßenprojekt wurden bundesweit im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung im Frühjahr 2016 so viele Einwände vorgebracht wie gegen den 4. Bauabschnitt der Osttangente. „Ohne den starken Widerstand der Bürger und den Rückhalt zahlreicher Politiker hätten wir eine Korrektur im BVWP nicht erreicht“, erklärte Andreas Nieß, Sprecher der BIKA (Bürgerinitiative Keine Autobahn Königsbrunn). Zwar hätte auch er sich mehr erhofft: „Allerdings haben wir einen unglaublichen Zuspruch und breite Unterstützung von den Einwohnern aus der Region erhalten, die uns tatkräftig und auch finanziell bei vielen Aktionen zur Seite standen. Nur durch diesen großen Widerstand haben wir in Berlin Gehör gefunden. Dafür wollen wir ‚Danke‘ sagen. Das bisher aufgebrachte Engagement zeigt, dass den Königsbrunnern ihre Region viel bedeutet und bereit sind dafür zu kämpfen.“

Für Andreas Nieß steht fest, dass Königsbrunn zwar einen Aufschub bekomme, allerdings vor dem Bau der Osttangente nicht sicher sei. Umso wichtiger ist es aus seiner Sicht weiterhin aktiv zu bleiben.
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