Bis zu 300 Flüchtlinge für Königsbrunn

Die Stadt Königsbrunn stellt ein Heim in der Germanenstraße zur Verfügung. 60 Asyl suchende Menschen sollen dort auf zwei Etagen wohnen.

Drei Dutzend Asylbewerber leben bereits in Königsbrunn, doch bis zum Ende dieses Jahres müssen laut Bürgermeister Franz Feigl noch weitaus mehr untergebracht werden. Der ständige Strom von Flüchtlingen aus Serbien und Syrien, Afghanistan oder Albanien reißt nicht ab und so ist die größte Stadt im Landkreis in der Pflicht.

"Der Landrat hat uns das Messer auf die Brust gesetzt", schilderte Feigl bei einem Informationsabend den Druck, der ab Juli etwas gemildert werden soll: Auf dem Gelände des Kolping-Bildungswerks an der Germanenstraße, das die Stadt vor zwei Jahren erworben hat, entsteht eine Unterkunft für rund 60 Menschen. Dafür will die städtische Gesellschaft für Wohnungsbau und Gewerbeansiedlung (GWG) das Werkstattgebäude umbauen; dort wird es auf zwei Etagen Gemeinschafts-, Küchen-, Wohn- und Sanitärräume geben. Zur Betreuung der hilfesuchenden Menschen werden zeitweise ein Heimleiter sowie ein Hausmeister zur Verfügung stehen, nicht aber nachts oder am Wochenende.

Um schon im Vorfeld Ängste und Vorurteile abzubauen, hatte die Stadtverwaltung interessierte Bürger zu einem Info-Abend eingeladen, an dem auch Vertreter der Regierung von Schwaben, des Landratsamts sowie der Polizeiinspektion Bobingen teilnahmen. "Es ist eine schwierige Situation", räumte Feigl ein, denn bis Ende dieses Jahres müsse die Stadt insgesamt wohl an die 300 Menschen unterbringen.

Zu große Gemeinschaftsunterkünfte hätten aber keinen Sinn, sagte der Bürgermeister mit Blick auf frühere Pläne eines privater Investors; dieser wollte gleich mehrere hundert Menschen im Gebäude eines ehemaligen Möbelhauses unterbringen. Vor seinem Amtsantritt in Königsbrunn war Feigl bei der Regierung von Schwaben für Flüchtlingsbetreuung und Integration verantwortlich. Als Fachmann für dieses Thema warb er bei den Bürgern um Verständnis, denn einige von ihnen äußerten Bedenken bezüglich ihrer Sicherheit.

Polizeichef Max Wellner konnte die Königsbrunner aber beruhigen: "In der Kriminalitäts-Statistik spielen Asylbewerber keine Rolle - unsere Frauen können auch künftig im Dunkeln unbesorgt auf die Straße gehen!"

Die Frage eines Zuhörers, ob Familien mit Kindern, einzelne Männer und welche Nationalitäten kommen werden, konnte auch der Vertreter der Regierung nicht beantworten: "Das lässt sich bei einem solchen Massenandrang nicht steuern!" Vergangenes Jahre seien rund 300 000 Flüchtlinge nach Deutschland gekommen.

Zur Integration der vielen fremden Menschen sei die Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer unabdingbar, sagte Klaus Förster vom Ordnungsamt: "Auch um Sachspenden wie Geschirr, Kleidung oder Möbel sind wir froh!"

In rund 30 Unterkünften im Landkreis leben derzeit mehr als tausend Asylbewerber, einige sind privat untergebracht; in den kommenden Monaten könnte sich diese Zahl sogar mehr als verdoppeln. Deutschkurse und Patenschaften, auch Freizeit- und Ferienangebote für die Flüchtlingskinder organisieren die freiwilligen Helfer vor Ort. Sie begleiten die Asylbewerber zum Arzt oder in den Supermarkt, zeigen ihnen, wie der Ticketautomat am Bahnhof funktioniert oder helfen bei der Wohnungssuche.

Astrid Zimmermann vom Diakonischen Werk Augsburg kümmert sich um die rund 250 Menschen im Landkreis Augsburg, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren. Sie versteht sich als Bindeglied zwischen Diakonie, Caritas und der Ausländerbehörde des Landratsamtes, koordiniert die Helfergruppen, berät und klärt sie zum Beispiel über versicherungsrechtliche Fragen auf oder besorgt Unterrichtsmaterial für die Deutschkurse.
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