Ist die Lasertag-Arena in Königsbrunn eine Gefahr für Kinder?

Vor dem Königsbrunner Event-Park wird für die Lasertag-Arena geworben. Foto: Stöbich


Die Mitglieder des Königsbrunner Stadtrats sind sich einig: Auch wenn Menschen nur als Freizeitspaß aufeinander zielen und schießen, ist das für Jugendliche unter 16 Jahren keine Gaudi. Deshalb bat in der jüngsten Sitzung Alexander Leupolz (CSU) namens aller Ratsfraktionen die Verwaltung, beim Landratsamt prüfen zu lassen, ob die Lasertag-Arena im Gewerbegebiet Nord möglicherweise jugendgefährdend sei.

Eine Diskussion über dieses neuartige Spiel gibt es nicht nur in Königsbrunn, sondern bundesweit. Vor allem zehn- bis 14-jährige Jungen zieht das aus den USA stammende Phänomen magisch an. Die Teilnehmer bekommen spezielle Westen sowie mehr oder weniger waffenähnliche "Phaser". Die Aufgabe besteht darin, auf einem düsteren, oft vernebelten Spielfeld die Gegner am Oberkörper zu treffen - mit ungefährlichem Infrarotlicht. Leuchtpunkte an den Westen signalisieren, wohin zu zielen ist. Es fliegen also keine Projektile durch die Luft; Ziel des Spiel ist das Sammeln möglichst vieler Punkte.

Die Ratsmitglieder sind nicht begeistert von diesem Sport, der in Königsbrunn für 15 Minuten 7,50 Euro kostet. "Hier findet ihr mit über 1200 Quadratmetern die größte Lasertag-Arena Süddeutschlands", heißt es in der Werbung. Gespielt wird in abgedunkelten Räumen, die mit Hindernissen und Verstecken labyrinthartig aufgebaut sind. Sphärische Musik, fluoreszierende Bilder und Nebel sorgen für Action.

Bau- und gewerberechtlich werden diese Anlagen als Sportstätten gesehen. "Über mögliche Auswirkungen von Lasertag gibt es bislang keine gesicherten wissenschaftlichen Studien", sagt Simone Graßler vom Augsburger Landratsamt auf Anfrage unserer Zeitung. Auf der einen Seite werde durch die hohe emotionale Beteiligung bei den Spielszenen eine Desensibilisierung und sozialethische Desorientierung von Kindern und Jugendlichen vermutet. Aber es könne auch Stress abgebaut werden, Fair Play geübt und Teamgeist erlebt werden.

Graßler: "Die Anlage sollte realitätsfern gestaltet sein und keine kriegerischen Darstellungen enthalten. Weiter dürfen die Lasergeräte keine Ähnlichkeit mit realen Waffen haben und das Ganze muss erkennbaren Spielcharakter haben." Ziel des Amtes für Jugend und Familie sei es, im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten mögliche Risikofaktoren zu minimieren: "Dabei ist eine Differenzierung nach dem am jeweiligen Alter ausgerichteten Schutzbedürfnis der Kinder und Jugendlichen wichtig."

Während die Befürworter nur von einer modernen Variante des alten Räuber- und Gendarm-Spiels sprechen, verwies Leupolz im Königsbrunner Stadtrat auf eine Gerichtsentscheidung aus Würzburg. Dort hatte das Verwaltungsgericht aufgrund eines psychologischen Gutachtens entschieden, dass der Freizeitspaß in Rambo-Manier jugendgefährdend sei; bisher durften auch Kinder ab zwölf Jahren teilnehmen. Alexander Leupolz kritisiert, wesentliches Ziel sei das Abschießen menschlicher Gegner; er hält es deshalb für notwendig, das Spiel erst ab 16 Jahren zuzulassen.

Die Jugendämter, die für die Altersfreigabe zuständig sind, kommen in dieser Frage zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen. In manchen Bundesländern sind die Lasertags überwiegend erst ab 16 Jahren erlaubt, andernorts spielen bereits Achtjährige. Eine bundeseinheitliche Regelung gibt es nicht. Ähnlich wie Ballerspiele am Computer schätzen Pädagogen Lasertag höchst unterschiedlich ein.

Die Arbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendschutz (AJS) in Nordrhein-Westfalen hat Kriterien zur differenzierten Beurteilung entwickelt und macht in einem Merkblatt Jugendämtern Vorschläge zur Alterseinstufung. Demnach können als Fantasy- oder Science-Fiction-Welten gestaltete Anlagen ab zwölf Jahren freigeben werden, Spielstätten mit waffenähnlichen Spielgeräten jedoch erst ab 16 Jahren. (Peter Stöbich )
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