Stadt ehrt verdiente Kommunalpolitiker

An die AWO-Gründerin Marie Juchacz will die Stadt Königsbrunn ebenso erinnern wie an ihre Bürgermeister Erna Dörle und Adam Metzner. Foto: Stöbich

Das Andenken an verdiente Persönlichkeiten will die Stadt Königsbrunn mit der Benennung von Wegen in Ehren halten. So beschloss der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung, dass die noch zu bauende „Planstraße A“ im Bereich des Zentrums auf den heutigen Rathauswiesen künftig Bürgermeister-Metzner-Straße heißen soll. Sie verläuft künftig von der Bürgermeister Wohlfarth-Straße auf Höhe des Kriegerdenkmals in Richtung Osten, bis sie auf Höhe des Rathauses in die Eichendorff-Straße einmündet, die ein Stück nach Westen verlagert wird.

Adam Metzner bestimmte über 30 Jahre die Geschicke seiner Heimatstadt sowohl als Gemeinde- und Stadtrat sowie als zweiter und in der Zeit von 1984 bis 1996 als erster Bürgermeister. Er war Gründungsvater der städtischen Wohnungsbaugesellschaft und der Gesellschaft für Industrieansiedlung und wirkte lange Zeit als deren Aufsichtsratsvorsitzender.

Der gebürtige Franke kam Anfang der 1950er-Jahre als Lehrer nach Königsbrunn und war bald in der Dorfgemeinschaft aktiv. Er war an mehreren Schulen im Ort tätig, ab 1979 leitete er die Grundschule Nord. 1966 wurde er erstmals in den Gemeinderat gewählt. Der damalige Bürgermeister Fritz Wohlfarth band ihn unter anderem ein, um weiterführende Schulen in die junge Stadt zu holen. Später wurde Metzner sein Stellvertreter, ab 1984 Nachfolger.

In den zwölf Jahren an der Stadtspitze war ihm die Stärkung der Wirtschaftskraft, verbunden mit einem Abbau der Verschuldung, ein wichtiges Anliegen. Metzner regte auch den Kulturpreis der Stadt an und stiftete in den Anfangsjahren die dazugehörige Statuette. Er war Mitinitiator der Städtepartnerschaft mit Rab in Kroatien; 1991 würdigte der Stadtrat seinen Einsatz für Königsbrunn mit der Verleihung des Goldenen Ehrenrings.

Ein Weg im Bereich um die Grundschule West wird der früheren zweiten Bürgermeisterin und Sozialreferentin des Stadtrats, Erna Dörle, gewidmet. Wie man das Gedenken an sie durch einen Gedächtnislauf aufrecht erhalten kann, darüber hatte sich die Hauptschule Süd bereits vor Jahren Gedanken gemacht. Erna Dörle war eine sehr beliebte und jederzeit sozial engagierte Kommunalpolitikerin und hatte den Kampf gegen den Krebs verloren.
Die dritte Benennung für den Geh-/Radweg von der Füssener Straße bis zum Seniorenheim in der Chiemseestraße schließt ganz bewusst Einrichtungen der Königsbrunner Arbeiterwohlfahrt mit ein: Der Marie-Juchacz-Weg erinnert an die deutsche Sozialreformerin, Frauenrechtlerin und SPD-Politikerin, die die Arbeiterwohlfahrt (AWO) gründete, ihre erste Vorsitzende war und als erste Frau 1919 eine Rede in einem deutschen Parlament (Weimarer Nationalversammlung) hielt.

In ärmlichen Verhältnissen und in einem stark ländlich geprägten Umfeld aufgewachsen, besuchte sie bis 1893 die Volksschule, um danach als Dienstmädchen in verschiedenen Haushalten und kurzzeitig in einer Fabrik zu arbeiten. In den Jahren 1896 bis 1898 war sie zwei Jahre als Wärterin in der Landespsychiatrie Landsberg tätig, bevor sie einen Schneiderkurs belegte und eine Anstellung fand. Angeregt durch ihren älteren Bruder Otto, begann sich die junge Frau für Politik und die Sozialdemokratie zu interessieren; bis 1933 war sie Vorsitzende der AWO.

Von Peter Stöbich
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