Stadt Königsbrunn bittet ihre Bürger zur Kasse

Gut besucht war die Bürgerversammlung im Gemeindezentrum Sankt Johannes. Foto: Stöbich
Königsbrunn : Königsbrunn | Die schlechte Nachricht versuchte Bürgermeister Franz Feigl den Königsbrunnern möglichst schonend beizubringen: Sie werden in den kommenden Jahren mit ihren Beiträgen den Strassenausbau finanzieren müssen, kündigte er den zahlreichen Zuhörern bei der Bürgerversammlung an. Erst einen Tag vor der Veranstaltung hatte der Stadtrat die Erstellung eines Strassenkatasters beschlossen.
Es gibt mehrere Gründe, warum die Anwohner künftig zur Kasse gebeten werden sollen. Zum einen wird die ab 2018 geplante Neugestaltung des Zentrums viel Geld kosten, zum anderen sind die Königsbrunner Strassen vor Jahrzehnten "nicht immer sorgfältig gebaut worden", wie es Feigl vorsichtig formulierte. Und das Landratsamt als Rechtsaufsichtsbehörde verlangt, dass die Stadt ihre Möglichkeiten ausschöpft und die ungeliebte Straßenausbau-Beitragssatzung auch in der Praxis anwendet.
Wie die Änderung des Kommunalabgabengesetzes genau aussehen soll, steht noch nicht fest; der Königsbrunner Stadtrat will sich mit Einzelheiten erst im neuen Jahr befassen und die Bürger dann bei einer eigenen Veranstaltung ausführlich über die Modalitäten informieren. Man bemühe sich um eine "erträgliche Lösung", sagte der Bürgermeister und bat um Verständnis angesichts der "gewaltigen Vorhaben".
Zu diesen gehören die Schaffung einer "neuen Mitte", die Umgestaltung des Sport- und Freizeitparks West sowie der Rückbau der Bürgermeister Wohlfarth-Strasse zu einem "urbanen Boulevard", berichtete Bauamts-Leiter Werner Lohmann. Er erinnerte an die Wochenend-Workshops mit vier Planungsbüros und kündigte an, dass man sich kommendes Frühjahr auf ein Konzept zur Gestaltung eines attraktiveren Zentrums und die Finanierung festlegen wolle. Ab 2018 könnten dann die Arbeiten beginnen, um der Stadt eine "lokale Identität" zu stiften.
Bis Ende 2018 rechnet Feigl auch mit einem Planfeststellungsbeschluss, damit zwei Jahre später endlich die Strassenbahn von Augsburg bis nach Königsbrunn fahren kann. Dieser Zeitpunkt werde allerdings nur zu halten sein, falls niemand Klage einreiche. Nachdem die politischen Beschlüsse alle gefasst sind, geht es jetzt um die umfangreichen Planungen für Begleitwege, Haltestellen, Kreuzungen und viele andere wichtige Details.
Nicht mehr ruhig schlafen lassen das Stadtoberhaupt nach eigenen Worten die Pläne für eine Osttangente um Augsburg; an diesem Thema müsse man dranbleiben, sagte er. Außerdem wurden bei der Versammlung die Sanierung von Kindergärten und Schulen sowie der kostenlose Internet-Zugang an öffentlichen Plätzen angesprochen, ebenso der Wohnungsbau und die aktuelle finanzielle Lage der Stadt. Den Einnahmen von 16 Millionen Euro bei der Einkommensteuer-Beteiligung und 7,6 Millionen an Gewerbesteuer steht als größter Ausgabe-Posten die Kreisumlage von 13,2 Millionen gegenüber. Mehr als eine Million wende Königsbrunn für freiwillige Leistungen auf, berichtete Kämmerer Egon Köhler.
Knapp 3,7 Millionen Euro an Schulden wird die Stadt zum Jahresende haben – der niedrigste Stand seit Langem. Doch dabei wird es nicht bleiben. Um die großen Projekte der nächsten Jahre alle stemmen zu können, werden erhebliche Kredite nötig sein. Nach Köhlers Einschätzung des Finanzbedarfs könnte Königsbrunn 2020, wenn die aktuelle Amtszeit von Stadtrat und Bürgermeister ausläuft, mit fast 35 Millionen Euro in der Kreide stehen
Nach einer kontroversen Debatte hat der Stadtrat mehrheitlich beschlossen, das Projekt „Visioneum Energie+“, ein Musterhaus für Energieeffizienz, zu beenden. Die Stadt sollte rund 750.000 Euro des 1,3 Millionen-Projekts tragen, rund 500 000 Euro wären aus der Städtebauförderung gekommen, 200 000 Euro hätte die LEW als Mietvorschuss beigesteuert. Das Projekt war noch unter dem früheren Bürgermeister Ludwig Fröhlich entwickelt worden
Bei den mehr als 300 Asylbewerbern in verschiedenen Unterkünften gebe es keine neue Situation, so Feigl, aber auch keine gravierenden Probleme außer gelegentlichen Reibereien aufgrund der Enge in den Quartieren. Das bestätigte Maximilian Wellner, Leiter der auch für Königsbrunn zuständigen Polizeiinspektion Bobingen. Weil er kommendes Jahr in Pension gehen wird, war es das letzte Mal, dass er den Zuhörern die Kriminal- und Unfallstatistik erläuterte.
Sorgen macht ihm die gestiegene Zahl von Fahrrad-Unfällen in Königsbrunn mit vielen Verletzten. Dagegen sind die Straftaten mit 1,9 Prozent leicht rückläufig. "Trotz der Nähe zu Augsburg haben wir in Königsbrunn noch ein Stück heile Welt“, so Wellner, auch rechtsextreme Strukturen gebe es in der Stadt nicht. Die Aufklärungsquote bezifferte er mit 69 Prozent; sie hänge stark davon ab, ob es der Kripo Augsburg gelingt, Serientäter zu ermitteln - dann wird nämlich immer ein ganze Liste an Fällen auf einmal gelöst. Bei Betrügerein über das Internet habe die Polizei dagegen enorme Probleme, Täter im Ausland zu ermitteln.
In Königsbrunn sollten die Bürger auf verdächtige Fahrzeuge und fremde Personen in der Nachbarschaft achten, aber Vorsicht: „Sprechen Sie diese nicht an, sondern notieren Sie Kennzeichen und Aussehen und informieren Sie die Polizei.“ Bei angeblichen Amtspersonen sollte man sich den Ausweis zeigen lassen und die Dienststelle anrufen, sagte Wellner, bevor man Fremden Zutritt gewährt.
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