Stadtrat lehnt Thermen-Kauf ab

Der Stadtrat lehnte das Kaufangebot des Badbesitzers ab. Würde Königsbrunn die Königstherme kaufen, gebe es kein Geld für Schulsanierungen oder den Ausbau der Straßenbahnlinie 3. Foto: Stöbich

Was sich im Vorfeld bereits angedeutet hatte, hat der Königsbrunner Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung hinter verschlossenen Türen einstimmig entschieden: Am Kaufangebot von Uwe Deyle für die in die Jahre gekommene Königstherme besteht kein Interesse. Am Mittwoch stellte Deyle beim Augsburger Amtsgericht einen Insolvenz-Antrag.

Sehr viele interessierte Zuhörer waren zur öffentlichen Sitzung gekommen, in der Bürgermeister Franz Feigl ohne Diskussion ausführlich die Haltung der Stadt verdeutlichte.

Die Königstherme ist Eigentum der Königstherme Bau- und Betriebs GmbH, vertreten durch Uwe Deyle als geschäftsführenden Gesellschafter; sie wird im Rahmen der Starwaters-Deyle-Gruppe betrieben. Feigl sagte: "Ein privater Betreiber trägt das Betriebsrisiko seines Unternehmens und hat rechtzeitig seine Unternehmensstrategie so auszurichten, dass Anlagenteile rechtzeitig erneuert, hierfür ausreichend Rücklagen gebildet und notwendige strategische Maßnahmen eingeleitet werden."

Als Eigentümer des Erbpachtgrundstücks habe sich die Stadt im Interesse der Bürger von Königsbrunn in den vergangenen Jahren durch angemessene Investitionskostenzuschüsse an Attraktivierungen beteiligt, da die Therme zusätzlich zum Hallenbad im Gymnasium eine weiteres Angebot im Rahmen der Daseinsvorsorge darstellt. Betriebskostenzuschüsse für die Therme wurden nicht geleistet.

Deyle war an die Stadt mit folgenden Forderungen herangetreten: Zahlung von jährlichen Betriebskostenzuschüssen in Höhe von einer halben Million Euro; Wegfall der Erbbaupachtzahlungen an die Stadt; Übernahme der vollständigen Sanierungs- und Attraktivierungskosten von mindestens 14 Millionen im Endausbau ohne finanzielle Eigenbeteiligung und 1,75 Millionen Kaufpreis einschließlich Übernahme der Verbindlichkeiten.

Diese Bedingungen waren für den Stadtrat unannehmbar, so dass die Ablehnung einstimmig erfolgte. "Belastbare Zahlen lagen erst seit Juni vor", stellte der Bürgermeister fest. Mit der Prüfung dieser Zahlen wurde ein Gutachter beauftragt; daraus hätten sich weitere Unklarkeiten ergeben. Zudem kämen bei einem möglichen Erwerb Risiken auf die Stadt zu, die aus heutiger Sicht noch nicht ausreichend beziffert werden können.

Diese basieren unter anderem auf der 30 Jahre alten Bausubstanz, der alten Bad- und Gebäudetechnik sowie der stark veränderten Marktsituation. Feigl: "Wir haben weder für einen Erwerb noch für eine Sanierung noch für Attraktivierungen Finanzen in Millionenhöhe im Haushaltsplan vorgesehen." Die Stadt stehe in den kommenden Jahren selbst vor großen Herausforderungen wie der Entwicklung des Stadtzentrums oder der Weiterführung der Straßenbahnlinie 3 sowie der Generalsanierung von Schulgebäuden und der Sanierung von Ortsstraßen. Das alles diene einer deutlichen Verbesserung der Infrastruktur und der urbanen Weiterentwicklung von Königsbrunn.

In den drei Jahrzehnten seit der Eröffnung hat Uwe Deyle nur sporadisch in das Bad investiert; sein Vater hatte den Komplex aus Bad und Eishalle mit einem Zuschuss der Stadt auf städtischem Grund für 60 Jahre in Erbpacht gebaut. Erneuert und erweitert wurde die Saunenwelt, 2006 entstand noch ein Solebad. Der Saunen- und Wellnessbereich lockte einen Großteil der zuletzt etwa 160 000 Besucher pro Jahr an. Dagegen kann man in der Therme die Spuren der Zeit deutlich erkennen; daran konnte auch ein Neubau von Duschen und Toiletten vor fünf Jahren wenig ändern.

Am Mittwoch hat Deyle einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Augsburg gestellt. Medienberichten zufolge bestimmte das Gericht den Rechtsanwalt Christian Plail als vorläufigen Insolvenzverwalter
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