Straßenbahnlinie 3: Eine Vision rückt in greifbare Nähe

Zum Greifen nah scheint jetzt, was bei der Bürgerversammlung vor einem Jahr noch als Vision für Königsbrunn im Raum stand: Die geplante Verlängerung der Linie 3 von Augsburg-Haunstetten nach Süden sorgte in der jüngsten Stadtratssitzung für eine rege Debatte. Sprecher aller Fraktionen dankten den Verantwortlichen, dass sie sich nach jahrzehntelangen Überlegungen endlich „zusammengerauft“ hätten, wie es Bürgermeister Franz Feigl formulierte.

„Es war kein einfaches Ringen!“, sagte er sichtlich erfreut darüber, dass eine beschlussreife Übereinkunft über Planung, Finanzierung, Bau und Betrieb in Aussicht stehe. Die Stadt hatte sich von einer Anwaltskanzlei beraten lassen. Vor dem Sitzungssaal informierten Schautafeln die Bürger über Einzelheiten. Die Baukosten liegen bei 34 Millionen Euro, wobei diese Zahl mit Vorsicht zu betrachten ist. Sie beruhe nur auf einer groben Planung und keiner fundierten Kostenschätzung, so Geschäftsführer Walter Casazza von den Augsburger Stadtwerken.

Nach aktuellem Stand würde die Haltestelle Königsbrunn-Zentrum von den frühen Morgenstunden bis nach Mitternacht im 15-Minuten-Takt angebunden. Insgesamt sechs neue Haltepunkte sind vorgesehen.

Helmut Schuler von den Freien Wählern hielt es in der Diskussion für wichtig, alle Bürger ans Verkehrsnetz anzubinden und sie mit entscheiden zu lassen; wie das genau aussehen soll, sagte er allerdings nicht. Außerdem wollte er nähere Informationen darüber, welche zusätzlichen Kosten auf Königsbrunn zukämen, zum Beispiel wegen der notwendigen Grundstücke. Mit den betroffenen Eigentümern soll zeitnah ein erster Informationstermin stattfinden; Augsburg und Königsbrunn haben die Trasse für die Straßenbahn freigehalten, wo es möglich war.

Entlang der 4,6 Kilometer langen Strecke (davon 1,9 Kilometer auf Augsburger Flur, 2,7 auf Königsbrunner) gehen die Stadtwerke von einem direkten Fahrgastpotenzial (500-Meter-Umkreis um Haltestellen) von insgesamt 23 000 Einwohnern aus. Mit Buszubringern wären in Haunstetten-Süd und Königsbrunn insgesamt 47 000 Menschen erreichbar. Das Vorhaben soll möglichst bis 2019 umgesetzt werden, damit die Fördergelder von Bund und Land noch in vollem Umfang beantragt und in Anspruch genommen werden können. Die im Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) geregelten Zuschüsse für kommunale Vorhaben im ÖPNV gewährt der Bund nur noch bis Ende 2019. Dass es nun endlich vorangeht, liegt laut Feigl auch daran, „dass man den Blickwinkel geändert hat“.

Bisher war das Projekt an der Finanzierung gescheitert. Es ging um die Betriebskosten. Jetzt ist ein tragfähiger Kompromiss gefunden: Danach beteiligen sich die Stadt Königsbrunn und der Landkreis Augsburg ab Baubeginn mit 950 000 Euro im Jahr, wobei die Stadt ein Drittel und der Kreis zwei Drittel übernimmt. Insgesamt schätzt Walter Casazza die Betriebskosten auf 2,5 Millionen Euro. Er ist überzeugt, dass mit den Einnahmen aus dem Fahrgeld und dem Zuschussbeitrag die Strecke kostendeckend betrieben werden könnte. Noch viele Gespräche sind notwendig, unter anderem mit der Regierung von Schwaben als Genehmigungsbehörde, die das erforderliche Planfeststellungsverfahren durchführen wird.

Schon seit langem war das Vorhaben kontrovers diskutiert worden. Vor fünf Jahren sah es dann so aus, als könnten die Wünsche Wirklichkeit werden. Doch als die Stadtwerke 2012 als Ergebnis ihrer Kalkulationen ein jährliches Betriebskostendefizit von 2,1 Millionen Euro nannten, das Königsbrunn und der Landkreis tragen sollten, schreckten die Verantwortlichen zurück.
Ende 2014 einigte man sich auf eine neue Kostenberechnung mit einigen neuen Grundsätzen wie einen 15-Minuten-Takt, der nur zwei zusätzliche Straßenbahnzüge nötig macht.
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