Champion im Dressur-Viereck - wie Michaela Beer aus Babenhausen schwäbische Dressur-Meisterin mit einem Springpferd wurde

Mit drei überzeugenden Vorstellungen sicherte sich Michaela Beer (RFZV Babenhausen) auf Campione den schwäbischen Meistertitel im Dressurreiten im Reitclub Ulrichshof Königsbrunn. (Foto: Alexander Götzfried/Markus Heffele)
 
Martin Stechele vom RFV Bobingen und Aristos kamen in der Meisterschaft auf Platz drei. (Foto: Alexander Götzfried/Markus Heffele)
Der Name von Michaela Beers Pferd könnte nicht besser gewählt sein: Campione – italienisch für Champion – heißt der elfjährige Hannoveranerwallach, mit dem die Dressurreiterin aus Babenhausen einmal mehr die schwäbische Meisterschaft gewonnen hat. „Wie oft ich bereits schwäbische Meisterin geworden bin, weiß ich gar nicht. Aber es war diesmal ganz eng und ich musste zittern“, sagt Michaela Beer nach der feierlichen Siegerehrung im Reitclub Ulrichshof Königsbrunn.
Nur ganz knapp war Beer ihrer starken Verfolgerin, Christiane Schwärzler von der RFG Oberreute Ihlingshof, entkommen. Denn bis zur letzten der drei Meisterprüfungen hatte die Allgäuerin mit ihrem Pferd Lui Loui Lou in Führung gelegen. Im Finale riss bei dem Paar aber aus unerfindlichen Gründen der Faden. Ihnen unterliefen im abschließenden Intermedaire I ungewohnte Fehler wie das Angaloppieren im starken Trab oder eine verpatzte Galopp-Pirouette. So reichte es für Schwärzler und Lui Loui Lou am Ende nur zu Platz sieben in der Prüfung und zu Platz zwei in der Meisterschaft. Der Bronzeplatz ging an einen Reiter aus der Region – an Martin Stechele vom RFV Bobingen, der mit dem erst achtjährigen Aristos in allen drei Prüfungen vordere Plätze belegte.
Dass mit Campione allerdings ausgerechnet ein ausgebildetes Springpferd den Sieg in der Dressur-Meisterschaft davontrug, verwunderte selbst Reiterin Michaela Beer. Bis vor einem Jahr sei das Pferd in der Schweiz noch A- und L-Springen gegangen. Erst vor einem Jahr kam es in den Stall des Ehepaars Dr. Norbert und Michaela Beer. „Seitdem konnte ich ihn in der Dressur bis auf S-Niveau ausbilden. Wir haben uns schnell hochgearbeitet, obwohl er die fliegenden Galoppwechsel erst gar nicht richtig konnte“, erzählt die Reiterin von ihrem Überraschungspferd, das im Mai schließlich auch in ihren Besitz übergegangen ist. Im nächsten Jahr will sie dann ihren Titel im Ulrichshof verteidigen oder sogar – sollte sich Campione weiterhin so championatsverdächtig entwickeln – die Große Tour mitreiten.
Diese bestand in Königsbrunn aus dem Intermedaire II und einer Drei-Sterne-S-Prüfung mit Piaffe und Passage. Das Maß aller Dinge dort war Uwe Schwanz vom RV Waldhauser Hof. Der Sechstplatzierte der bayerischen Meisterschaften gewann auf dem zehnjährigen Westfalen-Wallach Dante beide hochklassigen Prüfungen. In der S-Dressur allerdings nur hauchdünn mit einem Vorsprung von eineinhalb Punkten auf Ludwig Zierer (Landgestüt Landshut) mit Lenny Kravitz.
Aber auch der gastgebende RC Ulrichshof Königsbrunn verbuchte mehrere Spitzenplätze an den drei Turniertagen, darunter Platz zwei und drei von Verena Maria Holbe auf Domenikus und Dundee in der Zwei-Sterne-M-Dressur. Eine weitere Treppchenplatzierung kam in der Zwei-Sterne-M-Kür für RCU-Reiterin Daniela Herzog hinzu. Sie ritt zur Musik von Star-Geiger David Garrett und Coldplay auf ihrem Schimmel White Pepper zu Platz zwei. Der Sieg ging hier an Alisa Miller (RFV Dietmannsried) auf Sullivan, die zudem noch den Meistertitel bei den Jungen Reitern gewann. Trotz des gelungenen Wochenendes war Dr. Max Stechele, Präsident des Schwäbischen Reit- und Fahrverbandes, aber nicht ganz glücklich. „Seit Jahren gehen die Teilnehmerzahlen an den Meisterschaften zurück. Eventuell werden wir im nächsten Jahr am Modus etwas ändern“, sagte er mit Blick auf die beispielsweise nur acht Meisterschaftskandidaten bei den Reitern.
Und während frisch gebackene Meister im Springreiten regelmäßig zu einer „Meistertaufe“ im Wassergraben landen, kommen Dressurreiter oft glimpflich davon. Nicht so Vizemeisterin Christiane Schwärzler, der im Rahmen einer Feierstunde am Ulrichshof das Goldene Reitabzeichen verliehen wurde.
Vor einem Jahr hatte Schwärzler diesen Sieg in Königsbrunn erritten und sich die Verleihung des Abzeichens ein Jahr später an gleicher Stelle gewünscht. Am Abend gab es dafür noch zahlreiche Gratulationen, am nächsten Morgen eine nasse Hose. Denn die Gastgeber packten nach der Meisterfeier noch einmal herzlich zu und erwiesen Dressurreiterin Schwärzler die „Ehre“ des traditionellen Wasserbads für herausragende sportliche Leistungen hoch zu Ross. (ab) Fotos: Alexander Götzfried/Markus Heffele
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.