Auto mit Hundekot beschmiert: Jetzt spricht Kutzenhausens Bürgermeisterin über die Angriffe

Bedrohungen und Beleidigungen gehörten zuletzt für Silvia Kugelmann zum Arbeitsalltag. Sie ist Bürgermeisterin der Gemeinde Kutzenhausen im westlichen Landkreis Augsburg. Doch als nun auch die Familienmitglieder von Gemeinderäten zur Zielscheibe wurden, wandte sie sich an die Öffentlichkeit.

Seit eineinhalb Jahren erhält die Rathauschefin Briefe, in denen sie auf das Übelste beleidigt und bedroht wird: "Altes Miststück" und "Verrecken sollst du lieber heute als morgen" schrieben ihr die unbekannten Autoren. Am 24. Oktober eskalierte die Situation. Nach einer Gemeinderatssitzung fand Kugelmann ihr Auto vollgeschmiert mit Hundekot. Die Situation beschreibt die 50-jährige Bürgermeisterin als sehr bedrohlich. "Man weiß ja nicht, was als nächstes kommt", sagt sie.

Mit dieser Frage muss sie seitdem weiter machen, weiter arbeiten. Vorsichtiger sei sie geworden und überlege sich vorher, wo sie hingehe. "Es ist nicht mehr unbeschwert", erklärt Kugelmann. Aber sie wolle sich nicht einschränken lassen.

Eine Stütze war da das positive Echo, das sie nach ihrem Schritt an die Öffentlichkeit erfahren hat. Doch diesen Schritt hatte sie sich nicht leicht gemacht. Es sei ihr klar gewesen, dass es auch für die Gemeinde nicht ganz einfach würde, wenn sie in die Offensive geht. Doch es ging nicht mehr nur um sie allein. Zuletzt hatten auch Gemeinderatsmitglieder Drohungen erhalten. "Wenn der Gemeinderat nicht den Mund hält, dann passiert der Frau und den Kindern was", zitiert Kugelmann aus dem Gedächtnis. Da sei eine Grenze überschritten worden. "Das geht einfach gar nicht", empört sich die Rathauschefin. Die Konsequenz war, dass sie die Beleidigungen und Bedrohungen öffentlich machte. Nun rätselt die Gemeinde, wer hinter den Taten stecken könnte.

Mittlerweile ermittelt die Kriminalpolizei in dieser Sache. "Wir können aber noch keinen Tatverdächtigen präsentieren", erklärt Polizeisprecher Siegfried Hartmann. Über Zwischenergebnisse könne er aus ermittlungstaktischen Gründen keine Auskunft geben. Kugelmann selbst hat keinen Verdacht gegen jemanden bestimmten. Für sie stehe auch nicht fest, ob sich die Aktionen nur konkret gegen ihre Person richten, oder ob es mit ihrer gemeindlichen Arbeit zu tun hat. Die Drohungen gegen die anderen Gemeinderatsmitglieder sprechen aber für letztere Variante - was es letztlich nicht besser machen würde.

"Alle Entscheidungen im Gemeinderat sind Mehrheitsentscheidungen", betont Kugelmann. Sie könne als Bürgermeisterin nicht einfach irgendwas bestimmen. Wenn aber Bedarf besteht, Entscheidungen des Gremiums verständlicher zu machen, so wolle sie gerne Gespräche anbieten, sagt sie auch in Richtung unzufriedener Bürger.

Kugelmann war ursprünglich Mitglied der CSU, von dieser aber nicht als Bürgermeisterkandidatin aufgestellt worden. 2008 trat sie dann für die von ihr mit begründete Wählergruppe Unabhängige Gesamtgemeinde (UGG) als Kandidatin an und wurde prompt ins Rathaus der 2500 Einwohner zählenden Gemeinde gewählt und 2014 im Amt bestätigt.

Der CSU-Ortsverband Kutzenhausen hat die Angriffe in einer Stellungnahme scharf verurteilt. Bedrohungen und Beleidigungen sowie Sachbeschädigungen hätten in Kutzenhausen keinen Platz. Auch der Gemeinderat selbst hat sich in einer Erklärung geschlossen gegen die Angriffe gewandt und die Bürger Kutzenhausens gebeten, an der Aufklärung mitzuwirken.

Immerhin: Seit Kugelmann alles öffentlich gemacht hat, hat sie keine Drohungen mehr erhalten.
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