"Man muss von der eigenen Arbeit leben können" - Martin Mayr, der neue Kreisobmann des Bauernverbands, erklärt das "Bauer sein"

Martin Mayr sieht das "Bauer sein" realistisch: "Man muss von der eigenen Arbeit leben können." (Foto: Alexander Möckl)

Mit 56 von 60 Stimmen fiel die Wahl eindeutig auf Martin Mayr aus Kutzenhausen. Er ist seit März der neue Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands. Mayr will sich nun - wie es seine Art ist, bescheiden aber mit Tatkraft - seiner neuen Aufgabe stellen.

Seit mehr als 200 Jahren betreibt die Familie Mayr Land- und Viehwirtschaft in Kutzenhausen. Vor 57 Jahren wurde Martin Mayr in diesen Familienbetrieb hineingeboren. Für ihn bestand nie ein Zweifel daran, den elterlichen Hof einmal zu übernehmen.

Hauptberuf: Bauer

Heute ist der gelernte Landwirt Herr über 60 Milchkühe und 60 Hektar Nutzfläche. Sein profundes Wissen um die Landwirtschaft gibt er gerne weiter. So ist er in zahlreichen Organisationen ehrenamtlich tätig, wie zum Beispiel als Vorsitzender des Maschinenrings Augsburg und als stellvertretender Vorsitzender der MEG Augsburg-West.

Seit 25 Jahren ist Mayr bereits Ortsobmann des Bayerischen Bauernverbands und zehn Jahre davon als Vize - und das alles neben seinem Hauptberuf: Bauer.

Kreisobmann Mayr möchte Verband für jeden Bauern

Im März 2017 stand die Neuwahl des Kreisobmanns an. Gerhard Ringler stellte sich nach zehn Jahren an der Spitze des Vereins nicht mehr zur Wahl - Martin Mayer übernahm die Funktion.

"Wir haben hier im Landkreis 70 Ortsverbände mit den unterschiedlichsten Arten von Land-und Viehwirtschaft. Große und kleine Höfe, moderne und traditionelle - alle mit ihren eigenen Vorstellungen und Nöten. Jeder einzelne davon möchte sich gut vertreten sehen in seinem Verband. Diese Vielfalt an Meinungen unter einen Hut zu bekommen, das ist die größte Herausforderung für mich. Und das ist nur die eine Seite der Münze und unglaublich schwierig. Denn auf der anderen Seite sollen wir am Ende als Verband das Sprachrohr hin zur Politik sein", und so sieht sich Mayer als Mittler zwischen den Fronten.

Aufgabe des Verbandes: gesetzliche Verordnungen "übersetzen"

Im Alltag sehe das so aus, dass seitens der Politik neue Richtlinien erstellt werden zur Düngeverordnung oder zum Tierwohl. Diese Bestimmungen müssen dann ab einem bestimmten Tag von allen gleichermaßen umgesetzt werden. "Die Politiker scheren da alle über einen Kamm und berücksichtigen selten die individuellen Situationen. Da ist der Ärger vorprogrammiert", erklärt Mayr.

"Wir als Verband sehen es als unsere Pflicht an, dem etwas entgegen zu halten und verfassen Empfehlungen und Einschätzungen. Nach einigem hin und her haben wir dann einen Gesetzesentwurf auf dem Tisch, der 300 Seiten umfasst. Was soll der Bauer dann damit machen? Wie soll er den so schnell verstehen?", beschreibt er seine Aufgabe. "Wir arbeiten also im Verband dieses Gesetzeswerk durch und bringen den Inhalt für alle verständlich auf zwei Seiten zusammen. Und so geht das in einer Tour. Hat man sich gerade mit einer neuen Verordnung abgefunden, kommt schon die nächste Änderung."

Erfolg bei Milchpreisen

Eine schwierige Zeit für Bauern, die leider auch dazu führe, dass der Nachwuchs ausbleibt. "Wer will sich das denn heute noch antun?", frägt Mayr.

Der Bayerische Bauernverband hat aber neben diesen formalen Angelegenheiten auch eine hohe soziale Verantwortung für seine Mitglieder, wie Martin Mayr weiter erklärt: "Nehmen wir mal die letzte Milchpreis-Diskussion. Viele Bauern hier in der Region waren kurz vor dem Aus, so niedrig war der Preis pro Liter, den wir letztlich noch von der Milchindustrie erhalten haben. Das hat sich jetzt zwar wieder etwas gebessert, aber ohne unsere Aktionen hätte der Verbraucher doch davon gar nichts mitbekommen. Erst durch unseren öffentlichen Protest wurde dem Konsumenten klar, was da passiert, wenn der Liter Milch beim Discounter nur noch 0,55 Euro oder weniger kostet. Das damit kein Bauer mehr von seiner Arbeit leben kann, muss doch jedem klar sein", und blickt dabei auf seine Milchkühe, "und warum hat ein Bauer nicht das gleiche Recht von seiner Arbeit seine Familie zu ernähren, so wie jeder andere auch? Und das bei unglaublichem Zeitaufwand."

Aufgabe: Bauern stärken - und die Verbraucher in die Pflicht nehmen

Denn Bauer sein sei kein Sieben-Stunden-Arbeitstag mit freiem Wochenende und Urlaubsanspruch. Ein Bauer muss immer dafür sorgen, dass die Tiere und das Land versorgt sind.

Auch diese Gefühle und Ängste müsse und wolle der Verband auffangen, so Mayr.

Damit sich die Situation für die Bauern auch in Zukunft besser gestalte, appelliert der überzeugte Landwirt Mayr ganz klar an den Verbraucher: "Unsere Bauern in der Region produzieren das ganze Jahr über so viele gute Lebensmittel, die nur dafür da sind, von den Kunden gekauft zu werden. In Hofläden oder auf kleinen Dorfmärkten sind sie zu finden. Alle in einer hervorragenden Qualität, erntefrisch und gesund. Sie müssen nur zugreifen, es lohnt sich."
(Alexander Möckl)
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