Gemüse und Gärten

  Unser kleiner Garten ist eigentlich viel zu voll. Jeder Experte würde die Hände über den Kopf zusammen schlagen. Das kommt davon, wenn einem viel zu viele Pflanzen gefallen und man sie unbedingt noch unterbringen muss. Die zuvor große Rasenfläche musste immer mehr Blumeninseln und Einbuchtungen weichen. Auf geradem Weg kommt man nicht mehr von A nach B. Jeder Quadratmeter weniger Rasenfläche bedeutet mehr Arbeit. Vor allem, weil zwischen Stauden Platz gelassen wird für kleine Blumenwiesen. Dort darf neben dem Gesäten alles, was interessant und unbekannt aussieht, erstmal wachsen. Zumindest bis es sein wahres Gesicht zeigt. Der absolute Horror also für Liebhaber Englischer Gärten. Aber so blühen eben auch viele Pflanzen, die von den Wiesen oder aus Nachbars Garten kommen: Hornveilchen, wilde Margeriten, Akelei, Beinwell (kann aufdringlich werden) Glockenblumen und Astern. Dies alles mit den „eigenen“ Pflanzen unter einem Hut zu bringen, ist eine Herausforderung.
Neben einem Moorbeet gibt es auch einen Gartenteich. Hier ist im Sommer immer was los: Wespenspinnen, Hummeln, Erdbienen und jede Menge unterschiedlicher Libellen. Selbst die Prachtlibelle schaut in manchen Jahren vorbei. Der grüne Grasfrosch, früher sehr häufig, in den letzten Jahren fehlend, ist nun wieder mit mindestens einem Exemplar vertreten. Einige Orchideenarten, irgendwann mal ganz woanders gepflanzt, haben sich in der Sumpfzone ausgebreitet. Im Frühling dominiert hier bereits das Knabenkraut. Es hat den Sprung in den übrigen Garten geschafft, besitzt Narrenfreiheit und darf überall wachsen. Es scheint jedoch zu wissen, wo es nicht stört.
Einen kleinen Nutzgarten gibt es auch. Er besteht vor allem aus einem dicht bepflanztem Hügelbeet, das jedes Jahr neu angelegt wird. Hierin verschwinden sämtliche biologischen Garten- und Hausabfälle eines Jahres. Auf die braune Bio-Tonne wird verzichtet. Auf diesem Beet gedeihen Paprika, Chili, Auberginen, Zucchini und Tomaten besonders gut. Die Erde wird von Jahr zu Jahr mehr und immer besser. Diese Jahr musste zum ersten Mal etwas an Nachbarn abgegeben werden.
Nacktschnecken sind ein Problem und werden radikal bekämpft. Sie lieben nun mal die gleichen Pflanzen wie wir. Insbesondere im ersten Halbjahr hilft da nur Schneckenkorn, zum Einsatz kommen ausschließlich die großen Familienpackungen. Das hilft.
Obstbäume gibt es auch, erfolgreiche Ernten sind jedoch selten. Schrotschusskrankheit an Kirschen und Maden im Obst lassen verzweifeln. In den Pheromonfallen zur Eindämmung der Maden finden sich zwar sehr viele wahrscheinlich schwer enttäuschte geflügelte Liebhaber, aber beim Blick auf das Obst überkommt einem das dumpfe Gefühl, dass ganz im Sinne der natürlichen Auslese die besten und cleversten doch ihr Ziel erreicht haben.
Trotzdem überwiegt die Freude an unserem Garten, die wir offensichtlich mit Vögeln. Schmetterlingen, Igel und Co teilen. Besonders stolz macht die erhebliche Zunahme der Pflanzen- und Tierwelt. Zum Beispiel Schwalbenschwanzraupen auf Fenchel und Möhrenblättern oder der erste Lurch im Teich. Selbst in der bereits vor Jahren installierten Fledermausbox gab es dieses Jahr zum allerersten Mal kleine Besucher. Leider waren sie nach ein paar Tagen wieder verschwunden.
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