Verein aus Langerringen hilft Chemopatienten mit Haarspenden

Manuel (21) spendet seine Haare
 

Langerringen -

Sara Eisenbarth aus Langerringen hat einen Verein für Haarspenden gegründet. Dadurch möchte sie Chemopatienten ein Stück ihrer Lebensqualität zurückgeben.

Der Rasierer summt während er über den Kopf des jungen Mannes fährt: „Ich habe jetzt doch ein wenig Herzklopfen, aber der Gedanke, dass es jemandem zugutekommt, der es dringender braucht, macht mich froh“, sagt Manuel. Der 21-Jährige hat sich seine Haare schon seit zwei Jahren wachsen lassen und merkt nun, es hat sich gelohnt. Denn er lässt sich heute seine Haare auf vier Millimeter abrasieren, um sie für den Hamburger Verein „Königinnen“ zu spenden, der aus Echt- oder Kunsthaarspenden Perücken für Chemopatienten anfertigt.

Am Rasierer steht Sara Eisenbarth, Gründerin der Initiative „echt-haarig“. Sie sammelt Echthaar, Kunsthaar und Geldspenden. „Haare sind nicht nur Haare, sie sind auch Persönlichkeit und Geschichte der Person und wenn besonders Frauen ihre Haare verlieren, ist dies ein einschneidendes Erlebnis“, betont Eisenbarth.
Dass sie weiß, wovon sie spricht, merkt man daran, dass sie selbst eine Glatze hat und damit natürlich auffällt. In ihrem Falle hängt der kahle Kopf nicht mit einer Krankheit zusammen. Sie spendete ihre eigenen Haare für ihre Initiative. Mit Glatze, so sagt sie, treten ihr die Menschen freundlicher gegenüber und sie kann ihr Mitgefühl gegenüber den Chemopatienten ausdrücken.

Auf die Idee gebracht haben sie Tochter Lilith (11) und deren Freundin Norah (12). Norah wollte ihre Haare auch komplett spenden, aber ihre Eltern erlaubten letztendlich nur ein paar ihrer Strähnen.
Doch „echt-haarig“ ist für Sara Eisenbarth mehr als nur eine Initiative für Haarspenden. Seit der Gründung hat sich ihr Leben verändert, da sie sowohl traurige als auch schöne Geschichten hautnah miterlebt. „So wie man Organe spenden kann, so kann man auch sein Haar spenden. Wir gesunden Menschen brauchen es ohnehin nicht wirklich“.

Alle Menschen mit mindestens etwa 20 Zentimeter langen Haaren können diese spenden, aber auch ihre Geschichten mit Sara Eisenbarth teilen. Seit der Gründung ihrer Initiative stehe ihr Telefon nicht mehr still. Stolz und sichtlich bewegt zeigt sie, am Tag, an dem Manuel sein Haar lässt, den anwesenden Reportern und Kamerateams eines ihrer Schatzkästchen. In diesem Karton bewahrt sie ihre derzeitigen Haarspenden auf, um diese dann nach Hamburg zu schicken.

Und tatsächlich, hinter jedem Haarstrang scheint eine ganz eigene Geschichte zu stecken. Eisenbarth hat beispielsweise Haarspenden von einer 70-jährigen Nonne erhalten. Der längste Zopf ihrer Sammlung ist 60 Jahre alt und wurde von dessen Besitzerin so lange als Erinnerungsstück aufbewahrt, bis sie sich entschied, ihn für den guten Zweck zu spenden – wie auch Manuel. Beim Blick in den Spiegel ist es für ihn zunächst ungewohnt, doch er nimmt es locker: „Aber mir schadet es ja nicht, mich von meinem Haar zu trennen.“


Wer Haare für die Initiative spenden möchte, kann sich unter der Telefonnummer 08232/958480 oder unter der E-Mail-Adresse kleinezirkusschule@web.de mit Sara Eisenbarth in Verbindung setzen.
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