Ein echtes Zuhause für Asylbewerber in Meitingen

So gemütlich konnten die Wohnungen in der Meitinger Flüchtlingsunterkunft dank der vielen Sachspenden der Anwohner eingerichtet werden. Foto: Anna Wilhelm
 
Sven Berger, Birgit Berger, Anna Glushak, Christina Seidel und Josef Seidel vor einer Wohnung in der Asylbewerberunterkunft. Foto: Anna Wilhelm

Circa 50 Asylbewerber leben in Meitingen. Betreut werden sie von Freiwilligen, die mit viel Einsatz für die zum Teil traumatisierten Flüchtlinge da sind. Doch manchmal gibt es auch Vorurteile.

Ungefütterte Gummistiefel und fehlende Socken an einem kalten Wintertag: Dieser Anblick eines Flüchtlingskindes im Meitinger Kindergarten ist für Birgit Berger die Initialzündung. Im Januar dieses Jahres entscheidet sie sich zu helfen und sich um Flüchtlinge im Landkreis Augsburg zu kümmern.

Wie die "Drei Engel für Charlie" steigen Birgit Berger und ihre Mitstreiterinnen ein halbes Jahr später aus ihrem Auto aus und strahlen. Sofort ist erkennbar, wie viel Freude ihnen ihr Engagement bereitet. Birgit Berger, Anna Glushak und Christina Seidel, das sind drei Frauen aus Meitingen, die sich um die Asylbewerber am Pouzauges-Ring kümmern. Dort, in einem modernen Wohnviertel, leben derzeit circa 50 Asylbewerber in acht Wohnungen. Sie kommen hauptsächlich aus Nigeria, der Ukraine, Afghanistan, dem Kosovo und Serbien.

Bis spät in die Nacht helfen die drei Frauen an manchen Wochenenden in der Asylbewerberunterkunft aus - und wenn sie nicht im Heim helfen, transportieren sie Möbel oder Kleidung. Für die Familien sei aber mindestens genauso wichtig, erklärt Berger, dass man mit ihnen spricht, sich ihre Geschichten anhört und mit ihnen Zeit verbringt.

Bevor die Bürger aktiv wurden, seien die Wohnungen der Flüchtlinge lediglich mit Betten, einem Schrank und einem schlichten Sofa ausgestattet gewesen, erzählen die Drei. Aber für eine WG mit fast zehn Bewohnern sei das einfach zu wenig - und deswegen veranstalteten die Frauen in der Turnhalle des Meitinger Kindergartens einen Spendenflohmarkt. Die Asylbewerber aus dem Meitinger Heim durften sich dabei alles aussuchen, was sie wollten. Das was übrig blieb, ging an die Frauenhäuser in Augsburg und Donauwörth. Insgesamt gingen dabei so viele Sachspenden ein, dass Karin Gollinger aus Langenreichen sogar ihren Keller zur Verfügung stellte, um diese unterzubringen. Glushak betont, dass sie sich über jede Hilfe freut. Seidel bestätigt: "Die, die helfen, helfen 110 Prozent".

Mit Vorurteilen werden die Drei jedoch auch immer mal wieder konfrontiert. Mittlerweile würden sich aber die meisten Meitinger, die anfangs gegen die Unterkunft waren, eingestehen, sich in den Asylbewerbern getäuscht zu haben, erzählt Glushak. Andere blieben aber trotzdem stur mit ihrer Meinung gegen die Flüchtlinge. "Viele Leute spenden, wollen aber trotzdem nicht so viel damit zu tun haben, andere wollen am liebsten gar nichts davon hören", sagt Glushak.

Die Wohnungen sind - dank der vielen Spenden - inzwischen schön eingerichtet. Mit ihrem "Lebensgeld" von circa 280 Euro monatlich (für einen Erwachsenen) müssen die Asylbewerber Essen und Hygieneartikel kaufen, für Kleidung, Handys oder Fahrkarten gibt es ein Taschengeld von circa 140 Euro.

"Ich wurde sehr gut aufgenommen", übersetzt Glushak für den Vater einer Flüchtlingsfamilie aus der Ukraine. Die Meitinger seien sehr nett zu ihm, lobt er.

Von der Dankbarkeit der Flüchtlinge sind Birgit Berger, Anna Glushak und Christina Seidel besonders berührt - und von ihren Geschichten. Man müsse sich auch daran gewöhnen, dass manche Familien "mitten in der Nacht" gehen müssten. Auch das lange warten auf den Bescheid sei nicht einfach. Manche Familien haben sich bis dahin schon eingelebt und Freunde gefunden und müssen dann innerhalb von zwei Wochen das Land verlassen. Die, die das Glück haben, bleiben zu dürfen, haben dann Zeit sich Arbeit und eine neue Wohnung zu suchen, bevor sie aus dem Asylbewerberheim ausziehen müssen.

Für die Zukunft wünschen sich die Helfer vor allem mehr Transparenz, mehr Verständnis für die Flüchtlinge, eine bessere Zusammenarbeit und mehr Unterstützung von den Behörden. "Die Bürger sollten mit weniger Vorurteilen auf die Asylbewerber zugehen. Alle sind anders und man darf auf keinen Fall alle in einen Topf werfen."
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