Klemens Off - Mädchen für alles!

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Marion Buk-Kluger, Bilder privat

Ein Mann und sein Leben in und für Meitingen!

Er ist ein Meitinger Urgestein, war Jahrzehnte in der Gemeinde aktiv und war auch aus dem Vereins- und Gesellschaftsleben in Meitingen nicht wegzudenken: Klemens Off blickt auf über neunzig Jahre Leben in der Marktgemeinde zurück und ist beim Besuch der Meitinger Geschichten trotz seiner Beeinträchtigung, ihm musste vor einiger Zeit ein Bein amputiert werden, fit. Mit einer unglaublichen Energie und wohl auch mit einem besonderen Schutzengel gesegnet, erzählt der 91-Jährige aus seinem Leben.

Lebenslauf

Und das begann im November 1925 in Erlingen auf der kleinen Landwirtschaft seiner Eltern, Klemens und Maria Off, als er dort als eines von sechs Kindern geboren wurde. Als er vier Jahre alt ist, stirbt sein Vater. Die Mutter heiratet neu und es kommen noch zwei Stiefgeschwister, Hans und Marie (die aber mit sechs starb) hinzu. Heute leben noch seine Geschwister Anni (93), Josef (90) und Adolf (89), der älteste Meinrad blieb im Krieg verschollen.

Die Schulzeit erlebte er in Herbertshofen. Beim Onkel in Kriegshaber erlernt er den Beruf des Bäckers und Konditors. Doch schon ein Jahr nach der Ausbildung, „ich konnte noch meine Gesellenprüfung machen“, wurde er als 18-Jähriger im Januar 1943 als Soldat im Zweiten Weltkrieg eingezogen.

Von Augsburg kam er zur ersten Panzerdivision, die in Weimar stationiert war. Von dort ging es gen Osten. Nach der ersten Verletzung kam er bis nach Trier ins Lazarett und später wieder nach Weimar. Hier wurde er bei einem Fliegerangriff erneut verwundet. „Mein Glück!“ wie sich im Nachhinein herausstellen sollte. Denn Off machte sich auf eigene Faust auf den Weg nach Hause nach Erlingen, denn eigentlich wurde damals niemand mehr verlegt. Doch er schaffte es und erlebte zuhause, sein zugeordnetes Lazarett war nun das Dillinger Krankenhaus, das Kriegsende. Nach seiner Genesung arbeitete er zuerst zwar wieder als Bäcker von 1946 bis 1948 in der Bäckerei des Onkels in Augsburg/Kriegshaber. Wegen seiner Kriegsverletzungen konnte er aber ab 1949 seinen Beruf nicht mehr ausüben und fand in der Augsburger Wertachspinnerei, in der auch seine Frau arbeitete, eine neue berufliche Herausforderung (1948 bis 1956).

Offs Ehefrau Anna (geb. Hügl) war nach der Vertreibung aus Mirschikan im Sudetenland nach Langenreichen gekommen. Off lernte sie auf dem Egerländerball in Herbertshofen kennen: „Amor schoss seine Pfeile ab und einer davon traf eben auch mich und meine spätere Frau“, erklärte Klemens Off einst in einem Interview. Und der junge Mann ließ „seine Anna“ nicht mehr aus den Augen und so läuteten am 28. Mai 1949 die Hochzeitsglocken in der Meitinger St. Wolfgangkirche. Im Laufe der Ehejahre kamen zwei Töchter, Waltraud (im Juli 1950 geboren, lebt heute in der Schweiz) und Lydia (geb. 1963), zur Welt. Letztere schenkte ihrem Vater den lang ersehnten männlichen Nachkommen, Enkelsohn Markus (geb. 1982), der wiederum zwei Töchter hat. 1973 baute sich die Familie ein Haus im Stettinger Ring, in dem Klemens Off mit seiner Anna, die im Januar 2014 starb, lebte und sogar das seltene Fest der Diamantenen Hochzeit (2009) feiern konnte.

„Unverkäufliches Inventar“...

... so und als treuesten Mitarbeiter der Gemeinde Meitingen bezeichnete ihn Meitingens Bürgermeister Michael Higl anlässlich seines 90. Geburtstages.
Mit seiner Anstellung durch Bürgermeister Koch 1957 – in seinen 91 Lebensjahren war Off für vier Meitinger Bürgermeister tätig und „ich pflegte mit allen ein gutes Verhältnis“ – begann nämlich eine lange Karriere im Dienste der Gemeinde als Amtsbote, Kanalisations- und Kläranlagen- und Bauhofbetreuer, Botengänger, einfach eine wichtige Institution im Dienste des Allgemeinwohles, auch die Straßen und Außenlagen zählten zu seinen Aufgabengebieten. Bis zum Ruhestand bekleidete Off diesen Posten und erledigte seine Aufgaben alle mit dem Fahrrad.
„Ich habe fast immer 4000 Kilometer im Jahr zusammengebracht, machte alles, auch Versteigerungen von nicht abgeholten Fundgegenständen. Oft hieß es, wenn etwas gemacht werden musste: das macht der Off!“ Auch ein Leichentransport von Kufstein nach Meitingen zählte dazu! Schon 1956 quittierte auch seine Frau Anna ihre Arbeit in der Spinnerei, denn der Familie wurde die Hausmeisterstelle in der Gemeindehalle angeboten. „22 Jahre waren wir gemeinsam dort tätig“, so Klemens Off. Aber auch nach Ende der insgesamt 32-jährigen Dienstzeit für Meitingen war der Jubilar noch lange ständig in Sachen Marktgemeinde im Einsatz, war noch viele Jahre als Wahlvorbereiter tätig.

Vereinsleben

Heute ist Klemens Off Ehrenmitglied vieler Ortsvereine – bei der Feuerwehr (bei der er mehrere Jahrzehnte als aktiver Brandschützer mitwirkte und auch Kommandant war), im Obst- und Gartenbauverein, bei der Soldatenkameradschaft 1872 Meitingen. Im TSV Meitingen spielte er viele Jahre Fußball als Verteidiger (von 1946–1972).
Auch im Gasthof Neue Post war der Jubilar, der die Geselligkeit überaus liebt, über 50 Jahre hinweg „Mädchen für alles“, da die Offs mit den Gastwirten befreundet waren und gerne halfen.

Vor zwei Jahren musste man Klemens Off allerdings ein Bein amputieren, das schränkt den aktiven Meitinger etwas ein, sonst würde er wahrscheinlich heute noch für sein Meitingen unterwegs sein! Fit ist er dennoch und bewegt sich entweder mit Rollstuhl oder seiner Prothese fort.

Überhaupt hatte Klemens Off sein Leben lang einen guten Schutzengel. 1995, zwei Wochen vor seinem 70. Geburtstag, stürzte er vom Dach des Eigenheims. Das Ganze ging jedoch glimpflich aus. Und auch im Beruf hatte er einst einen schweren Unfall in der Kläranlage mit einem fünffachen Kieferbruch. Wenn Klemens Off aus seinem Leben erzählt, dann hört man aber immer die Dankbarkeit heraus für ein langes und erfülltes Leben, das er auch weiterhin im Eigenheim, in dem auch seine Tochter Lydia mit Partner, Hund und Katze lebt, verbringt.
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