Neue Orgel erfüllt die schönsten Barockkirchen Süddeutschlands mit ihrem Klang

Ein Blickfang für die Kirchenbesucher der Wiesentheider St. Mauritius Barockkirche ist die neue Orgel aus der Westendorfer Orgel Meister Werkstatt von Georg Weishaupt. (Foto: Foto: Rösner)
 
Das Team der Meisterwerkstätte für Orgelbau mit Benjamin Lindenmayr, Andreas Kiss, Georg Weishaupt, Azubi Simon Herzog und Wolfgang Koch (von links)

Westendorfer Meisterwerkstätte für Orgelbau Weishaupt baut ein neues Königsinstrument für die Wiesentheider St. Mauritius Kirche



Westendorf- Wiesentheid. Wo in Deutschland liegt der Ort Wiesentheid? Die meisten Au-tofahrer kennen die Gemeinde nahe Würzburg nur aus den Staumeldungen im Radio bei Antenne Bayern. Dass dort eine der schönsten Barockkirchen Süddeutschlands steht, ist den meisten Menschen nicht bekannt. Diese wertvolle Kirche wurde in den Jahren 1727 bis 1732 nach den Plänen des bekannten Baumeisters Balthasar Neumann errichtet. Vor allem die wertvollen Illusionsmalereien des italienschen Deckenmalers Giovanni Frances-co Marchini (1771-1745) zieren die Wiesentheider St. Mauritius Kirche. Die letzte Reno-vierung der Kirche wurde vor 120 Jahren durchgeführt. Dementsprechend präsentierte sich dieses Gotteshaus zuletzt als dunkle staubige Halle und wartete sehnsüchtig auf eine Renovierung. Jetzt, nach viereinhalbjähriger Sanierung, kommt vor allem die illusioni-stische Deckenmalerei wieder voll zur Geltung. Auch das vorhandene, historische Orgel-gehäuse mit barocken Profilen und geschnitzten Dekoren ist ein weiterer Glanzpunkt in diesem besonderen sakralen Raum. Mit dem Auftrag, in dieses erwürdige Orgelgehäuse wieder ein neues Instrument einzubauen, wurde die Meisterwerkstätte für Orgelbau, Ge-org Weishaupt aus Westendorf beauftragt. Die Orgelherstellung samt Restaurierung belief sich auf etwa eine halbe Million Euro. Bereits im Jahre April 2014 wurde die Vorgänger Orgel aus den 70er Jahren ausgebaut und die wieder verwendbaren historischen Pfeifen eingelagert. Nach Besprechungen mit dem Amt für Denkmalpflege und der Bauleitung wurde beschlossen, dass das wertvolle Orgelgehäuse nicht abgebaut werden darf. Somit mussten alle Arbeiten am und im Gehäuse im Kirchenraum ausgeführt werden was für Orgelbauer Georg Weishaupt und seinen Mitarbeitern erhebliche Mehrarbeiten einbrach-te. „Das Instrument“, so Georg Weishaupt, „konnte nicht, wie sonst normal üblich, in der Waltershofener Werkstätte der Orgelbaufirma komplett vormontiert werden, es mussten viele Arbeiten vor Ort ausgeführt werden.
„Eine weitere Schwierigkeit, die mir einige schlaflose Nächte bereitete, war die bis dato statische Befestigung und Aussteifung des historischen Orgelgehäuses“, blickt der Orgel-baumeister zurück. Die Zug – und Schublasten wurden bisher mittels einer wuchtigen Stahlkonstruktion abgefangen doch da die neue Orgel mit Ihren 34 Registern und zwei Manualen den verfügbaren Platz dringend benötigte musste die Stahlkonstruktion ausge-baut und durch eine integrierte Holzkonstruktion ersetzt werden. Dabei bestand die Ge-fahr, dass zwischen Ausbau der alten und Einbau der neuen Konstruktion das alte Ge-häuse nach vorne abkippt und in die Kirche stürzt was durch eine spezielle Gerüstkon-struktion und umsichtiges Arbeiten verhindert werden konnte. Die Konzeption der neuen Orgel wurde in zwei Ebenen ausgeführt. Im alten, vorhandenen Gehäuse wurde das Hauptwerk (I. Manual) eingebaut. Im hinteren Teil befindet sich das Pedalwerk (unten) und das Schwellwerk (II Manual) im oberen Bereich. Die Windversorgung mit einem großen Schleudergebläse und zwei Blasbälgen wurden in einem separaten Raum hinter der Orgel montiert. Die Spieltrakturen (Verbindungen zwischen Taste und Ventil) wurden mecha-nisch in Holzbauweise angefertigt. Die Registertraktur (Verbindung zwischen Registerzug und Windlade), dem geringen Platzangebot geschuldet, mit Elektromagneten ausgeführt. Um das Instrument auch für Orgelkonzerte zu präsentieren erhielt die Orgel eine elektro-nische Setzeranlage mit bis zu 4.000 Kombinationen. Diese Einrichtung erlaubt dem Or-ganisten einen schnelles wechseln der Register und Klangfarben.
Der neue Spieltisch im Unterbau des historischen Gehäuses wurde in Nussbaumholz ausgeführt und dem alten Gehäuse stilistisch angepasst. Rund 2000 Pfeifen wurden in die Orgel eingebaut und geben diesem Instrument Ihren wunderbaren Klang. „Die größte Pfeife der Orgel“, erklärt Weishaupt, „ist 4,80 Meter, die kleinste acht Millimeter lang. Sie werden alle, was ihre Lautstärke und den exakten Ton betrifft, einzeln getestet und einge-stellt und dazu brauchen die Orgelbauer möglichst Ruhe. Intonieren ist viel mehr als nur Stimmen. Das ist der Klang der Orgel. Für diese Arbeiten musste im September für fünf Wochen in der Kirche Ruhe herrschen. Kaum ein anderer Handwerker als die zwei Intonateure der Firma Weishaupt durfte in dieser Zeit dort Arbeiten. Dies war für den Architekten problematisch, da der Fertigstellungstermin der Gesamtrestauration kurz davor stand“, schildert der Westendorfer Orgelbaumeister. Letztlich konnten jedoch alle Arbeiten durch gemeinsame und gute Zusammenarbeit planmäßig ausgeführt werden, berichtet Georg Weishaupt. Dieses Instrument ist bis dato unser „Opus Maximus“, die größte Orgel aus der Orgelbauwerkstätte Weishaupt. Die neue „Weishaupt-Orgel“ hatte am Tag der Wiedereröffnung der Kirche, am 21. Oktober, ihre Bewährungsprobe und begeisterte bei ihrer Präsentation mit ihrer Klangvielfalt und Raumfülle alle Anwesenden.









   
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