Wildfleisch auf Strahlen prüfen

Jäger und Messstationbetreiber Stefan Müller demonstriert Hegegemeinschaftsleiter Christoph Wenger, Hans Fürst, Vorsitzender der Jägervereinigung Augsburg, und dem Meitinger Bürgermeister Michael Higl (von links) die Handhabung des neuen Cäsium-Messgerätes. Foto: Peter Heider


Die Präsentation eines Radiocäsium-Messgerätes zur Bestimmung radioaktiver Belastungen für Wildfleisch fand vor wenigen Tagen im Meitinger Jagdausstattungsgeschäft der Firma Müller statt. Örtliche Jäger können mit diesem Gerät künftig ihre erlegten Tiere auf radioaktive Strahlungen (Cäsium) überprüfen lassen. "Zur Bestimmung der Werte", so Jäger Stefan Müller, der Betreuung des Messgerätes ausübt, "sind lediglich 500 Gramm Muskelfleisch des erlegten Wildes, vor allem von Schwarzwild, nötig". Derzeit, so Müller, ist der Belastungsgrad bei Schwarzwild im Bereich Meitingen gleich Null, jedoch in den umliegenden Jagdrevieren teilweise deutlich zu hoch.

"Besonders betroffen von Belastungen sind in Bayern die westlichen Wälder", sagt dazu Wolfgang Kuhlmann, Leiter der unteren Jagdbehörde im Landratsamt Augsburg. Dagegen musste im Bereich seines Heimatortes Kühlenthal noch nie Schwarzwild deshalb entsorgt werden, meint dazu Hegegemeinschaftsleiter Christoph Wenger. Der Grenzwert für den Verzehr des Fleisches liegt bei 500 Becquerel pro 500 Gramm. "Es wurden jedoch im vergangenen Jahr Messwerte bis zu 1800 Becquerel erreicht", schildert Müller. Dieses Fleisch darf dann nicht in Verkehr gebracht, sondern muss vernichtet werden. Besonders Wildschweine, die zu viel kontaminierte Hirschtrüffel gefressen haben, landen in der Verbrennungsanlage. Die befindet sich in Kraftisried im Ostallgäu.

"Echtes Wildbret", betont Hans Fürst, Vorsitzender der Jägervereinigung Augsburg, "ist das Fleisch von wirklich wild und selbstbestimmend in Freiheit lebenden Tieren und kann nur durch waidmanngerechte Jagd gewonnen werden". Derzeit muss im Landkreis Augsburg leider jedes zweite Wildschwein wegen Überlastung entsorgt werden. Rehe und Hasen sind von der Cäsiumbelastung nicht betroffen. Für den Nachweis einer durchgeführten positiven Cäsiummessung und der anschließenden Entsorgung werden Jäger vom Freistaat Bayern entschädigt.

"Zurückzuführen sind die Belastungen auf den Reaktorunfall, der sich am 26. April 1986 im ukrainischen Tschernobyl ereignete", meint Müller. Starker Regen hat das bei der Atomspaltung entstehende radioaktive Cäsium, das vor zweieinhalb Jahrzehnten mit der Luft von Tschernobyl bis nach Süddeutschland gelangte, in den Boden gewaschen. Das Cäsium hat sich mittlerweile 20 bis 30 Zentimeter unter der Bodenoberfläche am Gestein abgesetzt. Wildschweine wühlen den Boden auf der Suche nach Hirschtrüffeln, Maden und Engerlingen und dringen bis in die verstrahlten Schichten vor. Radioaktives Cäsium (Ca 137) hat eine Halbwertszeit von 30 Jahren. Müller ist auch der Meinung, dass man sich beim mehrmaligen Schwarzwildverzehr in kurzen Abständen Strahlenbelastungen aussetze, die durch das radioaktive Cäsium gesundheitliche Schäden nach sich ziehen können. Deshalb kommt nur unbelastetes Wild in den Handel. Dafür hat nun die Jägervereinigung Augsburg für den nördlichen Landkreis diese neue Messstelle eingerichtet.

"So ein Messgerät gehört einfach in eine Marktgemeinde die mit dem Slogan Wirtschaftsraum mit Lebensqualität wirbt, weil es für den Verzehr von einwandfreien Wildgerichten, der zur Lebensqualität gehört, sorgt", erklärt der Waidmann. (Peter Heider )
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