Bleibt der Nahverkehr auf der Strecke?

Der Neusässer Bürgermeister Richard Greiner ist für das "dritte Gleis". Foto: Jutta Kaiser-Wiatrek

Das Thema ist ein Dauerbrenner. Seit 20 Jahren wird bereits über einen Ausbau der Bahnstrecke Augsburg - Ulm diskutiert. Für die Kommunen entlang der Trasse ist eine Entscheidung für ein weiteres Gleis ein wichtiger Standortfaktor.

Sie hoffen deshalb auf neue Chancen durch die Aufnahme des "dritten Gleises" in den vordringlichen Bereich des Bundesverkehrswegeplans, auf dessen Grundlage der Bundestag wohl Ende 2015 neben anderen Projekten entscheiden wird, welche Bahntrassen verwirklicht werden.

In einem Fachgespräch zur Bahnstrecke, zu dem sich 40 schwäbische Bürgermeister, Landräte und Abgeordnete von Augsburg bis Neu-Ulm mit dem Staatssekretär des Bundesverkehrsministeriums, Michael Odenwald, trafen, wurde kürzlich über mögliche Trassen diskutiert. Ulrich Lange, Mitglied des Bundestags und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Verkehr und digitale Infrastruktur der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hatte dazu ins Rathaus nach Neusäß eingeladen. Es sei gerade jetzt besonders wichtig, dass von den Gemeinden ein deutliches Signal der Geschlossenheit pro Ausbau drittes Gleis erfolge, da inzwischen verlautete, dass die Bahn alternativ auch einen Neubau einer Schnellbahnstrecke parallel zur A8 zwischen Augsburg und Burgau ins Auge fassen würde. Die Kommunalpolitiker kritisieren: Diese Pläne würden nicht nur dringend notwendige Verbesserungen an den einzelnen Bahnhöfen und Haltestationen sondern auch die Planungen für die dringend erforderliche Umgehung der B 300 in Diedorf behindern.

Insbesondere die Stadt Neusäß wäre massiv betroffen, denn die Situation am Haltepunkt Neusäß ist seit langem hinsichtlich Barrierefreiheit, Lärmschutz sowie Sicherheit für die Fahrgäste unbefriedigend. Die Politiker machten deutlich, dass sie die günstigere und auch schneller umsetzbare Variante bevorzugten. Sie entschieden sich bei der Veranstaltung in Neusäß eindeutig für den Ausbau der bestehenden Strecke.

Auch der Bundestagsabgeordnete Hansjörg Durz (CSU) sprach sich eindeutig gegen eine Schnellbahntrasse aus. Für die Gemeinde Diedorf wäre die Entscheidung gegen ein drittes Gleis im Hinblick auf die geplante Umfahrung B 300 ebenfalls ein Problem. Das Straßenbauamt hat die Planungsarbeiten für die Umfahrung der Marktgemeinde, die entlang der Bahnlinie führen soll, bis zu einer endgültigen Entscheidung eingestellt, um Fehlplanungen zu vermeiden. Angst, dass der Nahverkehr auf der Strecke bleibt, äußerten die Bürgermeisterinnen aus Kutzenhausen, Silvia Kugelmann, und Gessertshausen, Claudia Schuster. Die zweigleisige Bahnstrecke nach Ulm reiche seit langem nicht mehr aus. Ohne drittes Gleis wäre der zunehmende Fernverkehr weiter zum langsamen Fahren gezwungen, der Nahverkehr würde verdrängt. Der Leiter der Abteilung Verkehr in der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, Hans-Peter Böhner, betonte, dass das Projekt drittes Gleis vom Freistaat Bayern ebenfalls angemeldet und unterstützt werde.

Das Projekt "drittes Gleis" konkurriere mit 400 Maßnahmen auf Schienen, teilweise mit sehr bedeutenden Projekten, die auf Staatsverträgen basieren, wies Odenwald auf mögliche Schwierigkeiten hin. Er habe aber noch nie erlebt, dass eine Region sich so geschlossen hinter ein Projekt stellt, sagte er am Ende der mehrstündigen Versammlung. Diesen Eindruck wolle er mit nach Berlin nehmen und weiter geben.

von Jutta Kaiser-Wiatrek
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