18 Hektar pro Tag

Auf Einladung der Fraktionsvorsitzenden der Grünen in Mering Petra von Thienen (Zweite von links) und Doris Gerlach vom Bund Naturschutz (Dritte von links) referierten der Regionalreferent des Bund Naturschutz in Bayern Thomas Frey (rechts) und Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen im bayerischen Landtag (links), über die Probleme des Flächenverbrauchs. Foto: oh


Täglich verschwinden große Flächen, um Wohn- und Gewerbegebiete zu erschließen oder Straßen zu bauen. Darüber referierten Thomas Frey, Regionalreferent für Schwaben im Bund Naturschutz in Bayern, und Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen im bayerischen Landtag in der Meringer Schlossmühle. Die Meringer Grünen und die Ortsgruppe des Bundes Naturschutz hatten die beiden eingeladen, die auch die Fragen interessierter Bürger und Gemeinderäte beantworten.

In Bayern verschwinden pro Tag 18 Hektar Land unter Beton und Asphalt, so die Referenten. Mit diesem Ergebnis stehe der Freistaat an der Spitze der alten Bundesländer. Schon im Jahr 2002 habe die Bundesregierung das Nachhaltigkeitsziel formuliert, den Flächenverbrauch bis zum Jahr 2020 von 120 auf 30 Hektar im gesamten Bundesgebiet zu senken. Für Bayern würde das eine Reduzierung auf 4,5 Hektar bedeuten. Mit dem bayerischen Ansatz der Freiwilligkeit und der Verlagerung der Verantwortung auf die Kommunen sei dieser Weg aber gescheitert. Durch das System des Wettbewerbs um Gewerbe- und Einkommensteuer sowie Straßenbauzuschüsse seien die Kommunen mit der Aufgabe des Flächensparens überfordert.

Thomas Frey präsentierte Fotos, die zeigen, dass immer mehr landwirtschaftliche Flächen in Siedlungen umgewandelt werden. Eine Erhaltung der Freiflächen sei aber erforderlich, da Menschen Erholungsräume brauchen, Tiere und Pflanzen Lebensraum - und unverbaute Böden seien die Basis für sauberes Trinkwasser. Nicht nur als Anbaufläche für Lebens- und Futtermittel, zum Schutz vor Hochwasser und zur Verbesserung des lokalen und globalen Klimas, sondern vor allem als Zeichen der bayerischen Identität müssen die Landschaft erhalten bleiben, so Frey. Die Hälfte des Flächenverbrauchs gehe auf das Konto der Schaffung von Wohnfläche und Wohnerschließungsstraßen. Ein Problem sei auch, dass für Gewerbeflächen Ausnahmen vom Anbindegebot möglich seien. Das Anbindegebot regelt, dass Neubaugebiete immer an Orte anschließen müssen. Um den Flächenverbrauch zu reduzieren, müssten Alternativen zum Einfamilienhaus her: mehrstöckige Häuser mit Wohnungen für Singles und Senioren. Die Gemeinde Furth bei Landshut sei hierfür ein Beispiel, so Frey.

Ludwig Hartmann (Grüne), seit 2002 im Landsberger Stadtrat und seit 2008 auch im bayerischen Landtag, erklärte, wie der Flächenverbrauch zu senken sei. Laut Hartmann sind Gewerbeflächen oft zu günstig - und zu großzügig ausgewiesen. Er informierte, dass die Fraktion der Grünen beabsichtige, das Ziel von fünf Hektar Flächenverbrauch pro Tag in den Landtag einzubringen. Ein Lockerung des Anbindegebot soll es nicht mehr geben. (oh)
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