Asyl-Unterkunft in Mering

Etwa 60 Asylbewerber leben bereits in Mering, demnächst sollen es wesentlich mehr werden. Foto: Stöbich

In der Marktgemeinde könnte demnächst die größte Flüchtlingsunterkunft im Landkreis Aichach-Friedberg entstehen: Für fast 300 Menschen sollen mehrere Gebäude am Ortsrand in Richtung Ried umgebaut werden; sie stehen im Meringer Gewerbegebiet in direkter Nachbarschaft zur Wohnbebauung.

Vor einer ungewohnt großen Zuhörerkulisse gab es in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses eine emotional aufgeladene Debatte über zwei Vorbescheidsanträge von Unternehmern, die an der Geßwein- und Hörmannsberger Straße 94 beziehungsweise 187 Personen unterbringen wollen; mehrere Dutzend leben jetzt schon in Mering.

Obwohl der Ausschuss nur nach baurechtlichen Aspekten zu entscheiden hatte, gingen zahlreiche Redner auf die erheblichen Nachfolgelasten ein, die eine so große Zahl von Flüchtlingen mit sich bringt: Es fehlen Krippen-, Hort- und Schulplätze sowie ehrenamtliche Helfer, die zum Beispiel Deutschunterricht geben und sich um die Anliegen und Probleme der oft traumatisierten Asylbewerber kümmern.

"Der Freistaat macht es sich leicht", sagte Bürgermeister Hans-Dieter Kandler in der lebhaften Diskussion. "Auf seine Initiative hin wurde das Gesetz geändert und so können die Leute jetzt im Gewerbegebiet untergebracht werden." Wäre diese Änderung nicht gekommen, hätte es in Mering wohl kaum eine so große Unterkunft gegeben. Kandler: "Aber den Letzten beißen die Hunde, und das sind wir!"

Eine Veränderungssperre über das Gebiet an der Geßwein- und Hörmannsberger Straße zu verhängen, ist nach Ansicht der Verwaltung schwierig und nicht sehr aussichtsreich. "Wir werden durch die Vorhaben der beiden Immobilienbesitzer vor vollendete Tatsachen gestellt", meinte Götz Brinkmann (SPD/parteifrei). Starke Bedenken äußerte auch Georg Resch (CSU), der einen "sozialen Brennpunkt" befürchtete und fragte, wie auf einen Schlag die Integration sovieler fremder Menschen möglich sein solle.

Irmgard Singer-Prochazka von der SPD wandte sich gegen eine kasernenartige Unterbringung, sprach sich aber für die Aufnahme von Asylanten aus. Auch Kandler meinte: "Eine Blockadehaltung bringt nichts!" Er wolle keine 08/15-Lösung. Klaus Becker von den Grünen schlug schließlich vor, den Antrag zu vertagen und zunächst mit dem Bauherren zu sprechen.

Nach einstündiger Debatte wurde mehrheitlich die Voranfrage für eine Gemeinschaftsunterkunft für 187 Personen an der Hörmannsberger Straße befürwortet. Den zweiten Antrag für die Geßweinstraße lehnte der Ausschuss mit dem Argument ab, dass es keine vollständige Erschließung gebe. Der Bürgermeister deutete jedoch an, dass das Landratsamt jederzeit das fehlende gemeindliche Einvernehmen ersetzen könne. "Und die Kommune wird mit den Problemen alleingelassen!"

In Bayern treffen pro Woche bis zu 6000 Asylbewerber ein. Deshalb muss auch die Regierung von Schwaben ihre Kapazitäten für Unterkünfte deutlich aufstocken.

1500 Asylbewerber leben in Augsburger Unterkünften, jede Woche kommen 25 hinzu, zum Jahresende werden es über 2000 sein. Kommendes Jahr soll die große Erstaufnahme für Neuankömmlinge an der Berliner Allee eröffnen.
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Wilhelm Remark aus Mering | 11.02.2016 | 11:53  
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