„Ausgrenzung ist der falsche Weg“

Etwa Hundert Asylbewerber leben zur Zeit in Mering, vier Mal so viel könnten es noch werden. Foto: Stöbich

Etwa Hundert Asylbewerber sind derzeit auf verschiedene Unterkünfte in Mering aufgeteilt, doch in absehbarer Zeit könnten es mehr als vier Mal so viel werden. Das kündigte Gemeindeoberhaupt Hans-Dieter Kandler bei einer emotional aufgeladenen Bürgerversammlung im überfüllten Papst Johannes-Haus an.

Falls das Landratsamt zustimmt, dass künftig auch im Gewerbegebiet an der Hörmannsberger Straße Flüchtlinge leben können, so soll die Zahl dort aber 150 nicht überschreiten. Insgesamt geht es um fast 440 Menschen, die in Mering untergebracht werden müssen.

„Ausgrenzung ist der falsche Weg, so entstehen Parallelwelten, die wir nicht wollen“, sagte Kandler zur Stimmung, die nach zwei Straftaten in der Marktgemeinde herrscht. Ein 16-jähriges Mädchen war von einem unbekannten Täter angegriffen und vergewaltigt worden. Wenig später kam es zu einem weiteren sexuellen Übergriff auf eine 17-Jährige.

„Die Täter haben die Angst nach Mering gebracht“, so der Bürgermeister. „Ich habe mich bemüht, dass Mering ein lebenswerter Ort ist und diese Dreckskerle machen alles kaputt!“ Trotzdem werde die Gemeinde jetzt nicht jeden Busch und jeden Baum entfernen; Vertreter der Polizei mahnten die Zuhörerinnen, sie sollten bei Dunkelheit nicht allein auf unbeleuchteten Wegen unterwegs sein.
Auch Landrat Klaus Metzger ging auf die aktuelle Situation ein. Der Landkreis müsse jede Woche etwa 40 Menschen unterbringen und könne bald an seine Grenzen stoßen, was dezentrale Quartiere anbelangt. Derzeit sind f 1200 Asylbewerber auf 86 Unterkünfte im Kreisgebiet aufgeteilt. Metzger forderte die verantwortlichen Politiker auf, den Zustrom wieder in geregelte Bahnen zu lenken.

In der Diskussion meldeten sich zahlreiche Bürger zu Wort, wobei auch viele Befürchtungen, Kritik und Vorurteile zum Ausdruck kamen. So wollte eine Zuhörerin wissen, wer für ihr Auto bezahle, falls es von Flüchtlingen beschädigt werde.

Landrat Metzger versuchte zu beruhigen: „Wir haben nach einem Kirchweihfest mehr Schlägereien als in einer Asylunterkunft!“
Die großen Probleme werden erst noch auf die Kommunalpolitiker zukommen, so Metzger, wenn über Jahre Familien nachziehen, zusätzliche Plätze in Kindergärten und Schulen sowie bezahlbare Wohnungen gebraucht werden.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.