Drittes Meringer ZukunftsKino wieder ein Erfolg

Ludwig Asam informiert über seinen Hof (Foto: Peter Holthaus, Mering)
Mit fast 60 Besuchern war auch das dritte ZukunftsKino in der Meringer Bücherei wieder sehr gut besucht und das trotz des etwas sperrigen Themas „Futtermittel in der Landwirtschaft“. „Das liegt offensichtlich am nach wie vor großen Informationsbedarf der Bürger bei Themen, die sich ums Essen drehen“ freute sich Michael Dudella vom Meringer Bündnis für Nachhaltigkeit „wobei sich in der Diskussion gezeigt hat, dass nach wie vor große Unsicherheit zum Thema gentechnikfreie Nahrung besteht“.

Rudi Kaiserswerth leitete den Abend mit der Frage ein „Was gehen uns Normalbürger denn Futtermittel an? Ist das nicht alleine Sache der Landwirte?“. Laut Greenpeace haben Umfragen gezeigt, dass seit etwa 18 Jahren ziemlich konstant ca. 88 % der Bürger den Anbau von Gentechnik-Produkten in Deutschland ablehnen. Das ist auch der Grund, warum solche Produkte hier praktisch unverkäuflich sind. Den meisten ist aber nicht bekannt, dass ein Großteil der Futtermittel für unsere Tiere, und hier vor allem Soja, zu mehr als drei Vierteln von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) stammen. Über Fleisch, Eier und Milchprodukte konsumieren viele von uns Produkte, die so erzeugt wurden.

Der Hauptteil des Abends war dem Film „Der Landhändler“ von Bertram Verhaag gewidmet. Er zeigte am Beispiel des niederbayerischen Querdenkers Josef Feilmeier auf, dass es auch anders geht. Seit 1996 bietet dieser regional erzeugte gentechnikfreie Futtermittel an. Schon seine Lehrer hätten ihm attestiert, dass er den Dingen immer auf den Grund gehe und so hat er bald herausgefunden, dass mit den von den Agrarkonzernen gemachten Versprechungen zur Ertragssteigerung letztlich nur ihr eigener Ertrag gemeint ist. Zudem haben Landwirte weitere Nachteile z.B. weil die Tiere krankheitsanfälliger werden.

Auch bei uns gibt es solche Querdenker, die sich für eine gesunde, nachhaltige und regionale Landwirtschaft einsetzen. Im Anschluss an den Film stellte der Kissinger Biobauer Ludwig Asam seinen Hof und seinen auf regionales Soja spezialisierten Futtermittelbetrieb vor. Er erläuterte dabei auch, dass der ständig steigende Pestizideinsatz beim Anbau von gentechnisch verändertem Soja in Nord- und Südamerika inzwischen zu gravierenden und kaum mehr beherrschbaren Resistenzen bei Schädlingen und Unkräutern geführt habe. Er sieht die Zukunft seines seit sieben Generationen bestehenden Hofes ebenso wie Josef Feilmeier daher im Ausbau der regionalen und gentechnikfreien Futtermittelerzeugung, die schon sein Vater vorausschauend begonnen hat. Sorgen machen ihm die für Kleinbetriebe kaum mehr erfüllbaren gesetzlichen Vorschriften. Besonders gravierend und existenzbedrohend sei für seinen Betrieb der Bau der Osttangente, wodurch knapp ein Drittel seiner Agrarflächen durch eine mögliche Zwangsenteignung bedroht sind.

In der anschließenden Diskussion wurde die Frage gestellt, wie denn gentechnikfreie Produkte zweifelsfrei erkennbar sind. Wer biologische Produkte einkauft, liegt auf der sicheren Seite, denn dort ist Gentechnik generell nicht erlaubt. Bei Produkten der konventionellen Landwirtschaft bleibt derzeit nur, auf das freiwillige Siegel „Ohne Gentechnik“ zu achten. Hilfreich ist hier auch eine informative und über das Internet bestellbare Broschüre von Greenpeace, die gentechnikfreie Produkte der Discounter auflistet. Die Politik wäre gefordert, das Siegel verbindlich vorzuschreiben, was bisher durch den Druck der Agrarlobby verhindert wurde.

Heute werden leider erst ca. 1 Prozent des in Deutschland benötigten Sojas vor Ort erzeugt. Um die Importe aus Amerika zu ersetzen, bräuchte man ca. 20 % mehr Agrarfläche, was angesichts der herrschenden Flächenknappheit ziemlich aussichtslos sein dürfte. Wolfhard von Thienen wies darauf hin, dass eine freiwillige Einschränkung des Fleischkonsums viel bringen würde, da zur Produktion von einem Kilo Fleisch ca. 8 Kilo Pflanzen benötigt werden. Sein Motto ist „lieber weniger, dafür aber hochwertigeres Fleisch, das ohne Tierleid produziert wird“. Flächen könnten auch frei werden, indem Alternativen zum Anbau von Energiepflanzen wie Mais gefunden werden. Ein „weiter so“ über Importe verbietet sich, da bereits heute für den Sojaanbau Regenwald vernichtet wurde, der der Fläche von Spanien und Portugal entspricht. Das befördert den Klimawandel und das Artensterben.

Reinhold Reibl bedankte sich abschließend bei den Anwesenden für die angeregte und sachliche Diskussion und wies auf kommende Veranstaltungen des Bündnis für Nachhaltigkeit hin (mehr Information siehe www.mering.info). Ein kleines Geschenk ging an Ludwig Asam für den interessanten Vortrag und an Frau Waeber von der Meringer Bücherei für die Möglichkeit, in ansprechenden Räumlichkeiten das ZukunftsKino zu veranstalten.
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