Ein Lächeln als Dank in einer der ärmsten Regionen Südamerikas

Im September 2016 wird die Meringerin Silvia Braatz wieder nach Peru reisen, um ihre ehrenamtliche Tätigkeit für arme Frauen im Amazonasgebiet fortzusetzen.
Mering: Gemeinde | Die 32-jährige Akademikerin Silvia Braatz sitzt in ihrem Garten in Mering und plant ihre dreiwöchige Reise, die sie im September erneut nach Peru führen wird. Spielsachen für die Kinder hat sie diesmal im Gepäck. Während der letzten zwei Jahre half sie bereits ehrenamtlich und auf eigene Kosten, armen Frauen in abgelegenen Dörfern des Amazonasgebietes in der Region Loreto, die fünf Bootsstunden von der Stadt Iquitos im Bezirk Napo liegt, medizinische Versorgung sicherzustellen, und falls erforder-lich, diese nach Iquitos oder Lima zur Weiterbehandlung bringen zu lassen. Das Lächeln in den Augen dieser Frauen ist für sie genügend Ansporn, ihr Engagement fortzuführen. Derzeit ist sie die einzige Deutsche im Freiwilligenteam.

Silvia Braatz studierte internationale Wirtschaftswissenschaften und ein Auslandsjahr während des Studiums war verpflichtend. Sie entschied sich im Jahr 2008 für die peruanische Hauptstadt Lima und entdeckte dort die Liebe zu Südamerika. Im Jahr 2014 ergab sich die Möglichkeit, als Country Manager für ein deutsches DAX-Unternehmen im Bereich Bergbau in Peru arbeiten zu können. „Es ist ein Land, in dem es sehr reiche, aber auch sehr arme Menschen gibt. Während meiner vielen dienstlichen und privaten Reisen durch das Land sah ich teils eine sehr große Armut. Deshalb fasste ich den Entschluss, für diese armen Menschen selbst meinen Beitrag zu leisten“, erzählt die engagierte Frau, die seit Februar wieder in Mering lebt und in einem skandinavischen Unternehmen in München tätig ist.

In Peru lernte sie die Amerikanerin Diana Bowie kennen, die im Jahr 2003 als gelernte Krankenschwester in Peru eine NGO- bzw. Charity-Organisation gründete. Die Bezeichnung „NGO“ besagt, dass sie von der Regierung unabhängig ist. Hauptziel von „DB PERU“ mit vier festen Mitarbeitern vor Ort ist es, armen Frauen im abgelegenen Teil des Amazonas im gesundheitlichen Bereich Hilfe anzubieten. Die nächstgrößere Stadt mit medizinischer Infrastruktur ist Iquitos, welche nur mit dem Schiff erreichbar ist. Die Frauen können es sich aus eigenen finanziellen Mitteln nicht leisten, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Team aus ausländischen Ärzten, Krankenpflegern und freiwilligen Helfern vorwiegend aus Amerika, Australien und Großbritannien, bereist die einzelnen Dörfer und baut dort sein Camp auf. Die Mitglieder des Teams unterrichten die Frauen über gesunde Ernährung, Hygiene und Kindererziehung. Sexuelle Aufklärung und Verhütung zählen ebenfalls dazu, weil Frauen in diesem Teil Perus teilweise bis zu 12 Kinder bekommen. Trotz Schulpflicht gibt es in manchen Dörfern keinen Lehrer, weil die Bezahlung zu schlecht ist und die Region zu weit abgelegen liegt. Während die Frauen unterrichtet und untersucht werden, betreuen und beschäftigen einige Freiwillige ihre Kinder. „Genetisch bedingt gibt es dort einen hohen Anteil an Frauen, die an Gebärmutterhalskrebs erkranken und daran sterben, wenn es zu spät erkannt wird“, erklärt Silvia Braatz. Aus diesem Grund nahm die Organisation im Jahr 2011 die Vorsorge gegen die tödliche Krankheit in ihr Programm auf. Als erste Deutsche im Team arbeitete Silvia Braatz in ihrer Freizeit von 2014 bis Januar 2016 überwiegend im Büro in Lima, erfasste Patientendaten und organisierte Spendengelder. Sie beteiligte sich aber auch an drei Trips mit dem Medizinboot in die einzelnen Dörfer. Das Tagesprogramm der zehn bis zwanzig Frei-willigen umfasst Brustuntersuchungen und Abstriche und die Ausbildung von peruanischen Hebammen auf diesem Gebiet. Eine vorbeugende Impfung, wie sie in Deutsch-land ab einem Alter von 13 Jahren dringend empfohlen wird, wird derzeit von der peruanischen Regierung nicht gefördert. Alle 25 Dörfer der Region werden in regelmäßigem Abstand von DB PERU besucht, die Untersuchungsdaten werden festgehalten. Da die medizinische Versorgung in Peru nicht kostenlos und die Stadt Iquitos sehr weit entfernt ist, sind die Frauen auf Spendengelder von „DB PERU“ angewiesen, wenn bei ihnen eine Krebserkrankung festgestellt wurde und eine Chemotherapie erforderlich ist, welche wiederum nur in einem der Krankenhäuser in Lima - über 1000 Kilometer entfernt - möglich ist. Einmal jährlich veranstaltet eine Botschaft im Land - dieses Jahr die kanadische - eine große Gala, um neue Spenden einzunehmen. Ein Großteil der Gelder kommt aber aus den USA, dem Heimatland der Gründerin. Sie reichen trotzdem noch nicht aus, um umfassend Hilfe leisten zu können. „Anstatt einer großen Organisation Geld zu spenden, bei der ich nicht weiß, wo es landet, investiere ich lieber hier mein Geld und meine Zeit“, sagt Silvia Braatz. Für ihre dreiwöchige Reise nach Peru im September - zwei Wochen davon wird sie erneut ehrenamtlich tätig sein – bezahlt sie 2500 Euro für Flug, Unterkunft, Boottrips und Verpflegung. „Die Kosten bringe ich sehr gerne auf. Ich finde es einfach schön, in die strahlenden Augen der Frauen zu sehen, denen ich Hilfe und Schutz leisten konnte. Das spornt mich an, meine Arbeit im Amazonas gerne fortzusetzen“, verrät die Meringerin. Sie würde sich freuen, wenn sie von Lesern Zuschriften erhält, die auch spenden oder eventuell selbst als Freiwillige helfen möchten oder einfach nur mehr Informationen über die Hilfsorganisation „DB Peru“ wünschen.

Info: Die Internetseite der peruanischen Hilfsorganisation für Frauen in armen Regionen lautet www.dbperu.org. Silvia Braatz steht für weitere Anfragen gerne unter ihrer E-Mail-Adresse silvia.braatz@gmail.com zur Verfügung.
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