Ein selbstbewusstes und fröhliches Leben statt Depression und Suizid

Katharina Steiner aus Offingen beeindruckte die Zuhörerinnen mit ihrem Referat über ein Projekt, das Frauen in Afghanistan eine Berufsausbildung ermöglicht und ihr Selbstbewusstsein und ihre Lebensperspektive verbessert.
Mering: Johanneskirche | Katharina Steiner aus Offingen referierte beim Frauenfrühstück in Mering über ein erfolgreiches Hilfsprojekt für afghanische Frauen, das sie im süddeutschen Raum betreut.

Fröhlich und voller Stolz zeigten die Frauen nach ihrer Ausbildung zur Näherin ihre Urkunden. Auch ihre Kinder, die im Kindergarten der NAZO-Ausbildungsstätte untergebracht sind, freuten sich, mit anderen Kindern spielen und essen zu können. Katharina Steiner informierte im Gemeindehaus der St.-Johanneskirche Mering über das seit 2002 laufende Hilfsprojekt für Frauen in Afghanistan, das sie seit zwei Jahren betreut und zeigte auch einen Film über eines der vier Ausbildungszentren. Am Nachmittag besuchte sie Merching und hielt in der Schulaula ihren anschaulichen Vortrag.

Besser als Entwicklungshilfe in Form von Geld sei dieses Hilfsprojekt, das eine Berufsausbildung ermögliche, erklärte Katharina Steiner. Während eines Urlaubs auf der Insel Lesbos hatte sie mit ihrem Mann Hilfe für ankommende Asylsuchende geleistet und dabei gesehen, dass viele Frauen in den Ursprungsländern zurückge-lassen werden. So reifte in ihr der Wunsch, Fluchtursachen vor Ort zu bekämpfen, so dass ihre Hilfe auch den Ärmsten und insbesondere Frauen zu Gute kommt. Sie stieß bei ihrer Suche auf das deutsche NAZO-Projekt von Elke Jonigkeit, welches sich in Afghanistan für die Ausbildung von Frauen und damit der Verbesserung ihrer Lebensperspektive einsetzt. Inzwischen tourt Katharina Steiner für NAZO durch Süddeutschland, um das Projekt durch Vorträge besser bekannt zu machen und die afghanischen Frauen durch den Verkauf ihrer Waren zu unterstützen. Erstaunt waren die Teilnehmer, als sie von der hohen Analphabetenrate - 80 % bei Männern und 90 % bei Frauen - hörten. Auch die Müttersterblichkeit ist die zweit-höchste der Welt, weil Frauen nur in Begleitung von Männern zu einem Arzt gehen dürfen und Ärztinnen Mangelware sind.

Seit 2003 wurden in den vier Zentren ca. 600 Frauen als Näherin, Schmuck- oder Lederdesignerin ausgebildet. Sie erhalten zudem Alphabetisierungskurse, Gesundheits- und Rechtsberatung. Seitdem haben sie die Gelegenheit, mit anderen Frauen zusammenzukommen und entwickeln dadurch mehr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl, welches ihnen hilft, besser für ihre Rechte einzustehen.
Noch immer schränken traditionelle Riten die Frauen stark ein. So ist es ihnen nach wie vor, insbesondere in ländlichen Gebieten, nicht erlaubt, das Haus ohne männliche Begleitung zu verlassen. Auch die Zwangsverheiratung von Mädchen ist immer noch an der Tagesordnung. Ebenso zählt ein Junge mehr als ein Mädchen. Mädchen werden oft sogar zu Jungen erklärt und wachsen mit dieser Lüge auf, falls sich kein männlicher Nachfolger einstellt. All diese frauenfeindlichen Bedingungen führen zu einer hohen Selbstmordrate bei Frauen.

Im Anschluss an den Vortrag erwarben die Besucherinnen Edelstein-Schmuck aus den Werkstätten der Frauen in Afghanistan. Das Land hat ein reiches Vorkommen an Edelsteinen, wie z.B. Lapislazuli, Türkis und Serpentin. Auch bestickte Tücher, Taschen oder Rucksäcke fanden Abnehmer.

Info: Weitere Informationen über das Projekt auf www.nazo-support.org oder www.afghan-design.com . Gerne nimmt Katharina Steiner auch Anfragen für weitere Vorträge unter ihrer E-Mail-Adresse katharina.steiner@t-online.de entgegen.
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