In Steinach fühlen sich die Schweine sauwohl

Sauwohl fühlen sich die Schweine im neuen "Schweinehotel Gelb" in Steinach.
 
Felix Esemann sah sich mit seiner Mutter Kathrin gleich die jungen Schweine im Außenbereich an.
Einige Schweine liegen im Außenbereich des Stalles und genießen die frische Brise, die durch die offene Seitenwand weht und die leichte, kühlende Dusche in regelmäßigen Abständen. An einem Futtertrog herrscht Streit um den besten Platz. Andere Ferkel ziehen sich in den kleineren Liegebereich zurück. Die vollständige Überdachung schützt die Tiere vor Nässe oder Sonnenbrand, im Winter wird zusätzlich ein Windschutznetz an der Seite angebracht. Vor zwei Wochen bezogen 700 Jungtiere ein Gebäude des ersten bayerischen Schweinehotels in Steinach, bald werden im zweiten nochmals 700 Tiere Platz finden. Am Tag der offenen Tür besichtigten Besucher, die aus ganz Bayern und sogar aus Baden-Württemberg anreisten, den "Pionierbetrieb“ im Landkreis Aichach-Friedberg.

Gertrud Lidl und die dreijährige Enkelin Antonia kaufen samstags in Merching bei Sophie Gelb Wurst und Fleisch und wollen sich den neuen Wohlfühlstall für Schweine ansehen. Auch Stefan Schnitzer aus Merching ist mit seiner Frau und den Töchtern Maria und Sarah hergekommen. "Unsere Nachbarn haben einen Bauernhof. Wir sind neugierig, wie die Schweine hier untergebracht sind", sagt er und möchte zum Mittagessen bleiben. Vier verschiedene Spezialitäten vom Schwein wie Rollbraten oder Zupfsausemmeln mit Krautsalat warten auf hungrige Besucher. Felix Esemann ist mit seiner Mutter Kathrin beim Stall und beobachtet interessiert die Schweinchen. "Mein Vater hat den Fortgang der Bauarbeiten bei seiner Laufrunde verfolgen können und mich auf dem Laufenden gehalten. Ich bin außerdem bereits Kundin der Familie Gelb", verrät die junge Frau. Albert Erhard aus Hausen wird sich vermutlich für das Fleisch des Hofes entscheiden. Bisher sei er immer nach Hochzoll gefahren, um sich Bioware zu besorgen, Fleisch aus Supermärkten kaufe er nur ungern, sagt er. Aus Gosheim im Landkreis Donau-Ries kommt Simone Naß mit ihrem Mann und Tochter Sophia. Sie betreiben eine Schweinemast mit 1000 Tieren auf konventionelle Weise und planen, wie Familie Gelb neue Wege einzuschlagen.

"Im Fernsehen wurden die Landwirte in letzter Zeit sehr negativ als Tierquäler oder Umweltverschmutzer dargestellt und deshalb sah ich mich nach einem neuen, nicht zu teuren Konzept um", erzählt Josef Gelb bei der Begrüßung. Er entschied sich für die Firma Schauer Agrotronic GmbH aus Prambachkirchen in Österreich, die in Steinach den allerersten bayerischen Wellnesshof für Schweine errichtete. In Österreich gibt es bereits drei solcher Höfe. Er bedankte sich mit Geschenken bei seinem Sohn und den Töchtern Katharina und Elisabeth, aber vor allem bei Ehefrau Sophie, die seine Idee mittrugen und ihn tatkräftig unterstützten. "Ich bin zwar schon 33 Jahre verheiratet, aber ich möchte dich fragen, ob du mich auch heute nochmal heiraten würdest?" wandte er sich mit einem Blumenstrauß an seine Gattin. Er freute sich, dass nicht nur wichtige Persönlichkeiten aus der Politik gekommen waren, sondern auch die Vertreter der Unternehmen, die dafür sorgten, dass zwischen Planung und Fertigstellung gerade einmal sechs Monate lagen. Josef Gelb ist überzeugt, dass seine Tiere jetzt gesünder und robuster sind und die Verbraucher dies auch wünschen. Einen Metzger, der die Vermarktung übernimmt, habe er noch nicht gefunden, hofft aber auf entsprechende Anfragen.

Landtagsabgeordneter Peter Tomaschko begrüßte die Entscheidung für gesunde Lebensmittel und betonte die Bedeutung der Landwirtschaft im Wittelsbacher Land. Johann Häusler sah den Tag der offenen Tür als richtigen Weg, einer breiten Öffentlichkeit das neue Konzept vorzustellen und freute sich, dass ein Familienbetrieb ein so großes finanzielles Risiko gewagt hatte. Peter Feile wies darauf hin, dass die Meinung "Billig ist gut" heutzutage nicht mehr richtig sei.
Im Alter von drei Monaten und bei einem Gewicht von 30 Kilogramm siedeln die jungen Schweine in die neuen Gebäude mit Stroh um, erklärte Tochter Elisabeth, die wie ihre Schwester in ihrer Freizeit hilft. Am Hof arbeiten ihre Eltern und drei feste Arbeitskräfte, darunter zwei neue Lehrlinge. Je nach Alter erhalten die Tiere im Außenbereich Futter aus Soja, Mais, Weizen und Gerste aus eigenem Anbau, das mit Wasser angereichert wird, in Spot-Mix-Fütterung, d. h. ein Sensor füllt immer wieder Futter in kleinen Portionen in die Tröge. Außerdem bekommen sie Mineralfutter und Stroh. Auf diese Weise wachsen die Tiere gesund und langsam heran. Da sich die Toiletten am Rand befinden und die Gülle alle zwei Stunden ab-fließt, entsteht kaum Geruch im Stall.
Die Besucher überzeugten sich von der großen Zufriedenheit der Schweine im neuen Hof. Interessierte Bauern ließen sich von den anwesenden Fachfirmen bezüglich einer Umstellung ihrer Landwirtschaft beraten.
Info: Josef Gelb bittet Metzgerei-betriebe, die an der Vermarktung seiner Tiere interessiert sind, sich mit ihm unter Tel. 08202/8161 in Verbindung zu setzen.
1
Einem Autor gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.