Jetzt fehlt nur der Heiligenschein

Vor dem Verfall haben Sabine Schrom und Simon Pschorr diese drei Holzfiguren bewahrt. Foto: Stöbich
Peter Stöbich
Merching. "Für den Jesus war es schon höchste Zeit", sagt Sabine Schrom, "der hätte es nicht mehr lang überlebt!" In mühevoller Handarbeit hat die Restauratorin und Kirchenmaler-Meisterin aus Merching nicht nur die hölzerne Jesus-Figur vor dem Verfall gerettet, sondern auch Maria und den Heiligen Antonius. Alle drei Statuen dämmerten, vom Zeit der Zahn bereits schwer angenagt, lange auf dem Dachboden des Marienheims vor sich hin, bis sich Simon Pschorr an sie erinnerte.
Er ist in Merching Mitglied in der Kirchenverwaltung und im Chor und wußte zwar von den fast vergessenen Figuren, aber niemand kümmerte sich wirklich um ihre Instandsetzung beziehungsweise die unbezahlbare Finanzierung. Die rettende Idee kam Pschorr, als die örtliche Pfarrbühne ihren Schwank "Der Himmel wartet nicht" in der Mehrzweckhalle aufführte. Denn auch bei dieser sechsten Inszenierung spendete das Theater-Team den Erlös aus den Eintrittsgeldern wie schon in den Vorjahren für einen guten Zweck in der Gemeinde. Schnell waren sich Spielleiterin Claudia Falk und ihre Darsteller einig: Die maroden Figuren bekommen eine kräftige Finanzspritze für ihre Verjüngungskur, um die sich Sabine Schrom zur Zeit mit viel Liebe zum Detail kümmert.
Die Fachfrau war unter anderem schon an Restaurierungsarbeiten in der Merchinger Anna-Kapelle und in der Meringerzeller Kirche beteiligt und ist weit unter ihrem üblichen Preis tätig, um Jesus, Maria und Antonius wieder in einen ansehnlichen Zustand zu versetzen. "Die Figuren aus der Mitte des 19. Jahrhunderts haben sehr unter Feuchtigkeit und starken Temperaturschwankungen gelitten", sagt Schrom. "Denn in heißen Sommern hatte es auf dem Dachboden schon mal 50 Grad, außerdem hat der Holzwurm ganze Arbeit geleistet."
So zerbröselten die Standsockel buchstäblich, als die eineinhalb Meter großen Statuen abtransportiert wurden. Dass das Trio jetzt wieder festen Stand hat, ist Josef Drexler und Martin Schramm zu verdanken, die sich auch um das notwendige Material kümmerten. Aber noch aufwendiger sind die einzelnen Arbeitsschritte für die Restauratorin: Sie muss die Figuren festigen, reinigen, alte Farbschichten teils entfernen, alles neu fassen und vergolden, sogar Marias Zehennägel einer gründlichen Pediküre unterziehen. Während der jetzt nur noch ihr Heiligenschein fehlt, muss der morsche Antonius erst noch generalüberholt werden; denn für die dritte Figur reicht das Geld nicht ganz und die Merchinger suchen einen großzügigen Sponsor, damit die Arbeiten beendet werden können.
Wann das der Fall sein wird, ist momentan ebenso unklar wie der Ursprung der Heiligen. "Vielleicht standen Informationen auf den Sockeln", sagt Simon Pschorr, "aber sonst haben wir keine Angaben über die Entstehung oder den Künstler." Weil die schweren Figuren aus massivem Holz stilistisch nicht zur Ausstattung der Merchinger Kirche passen, wird noch ein geeigneter Standort für sie gesucht.
Ganz gleich, wo immer man das Trio in Zukunft auch bewundern kann: Es soll dann auf jeden Fall mit den Mitgliedern der Pfarrbühne in feierlichem Rahmen gesegnet werden - als Zeichen für den großen Gemeinsinn in der kleinen Gemeinde, ohne den diese Aktion nicht möglich wäre.
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