Mit Hartnäckigkeit und Fleiß zum Traumberuf

Nicht nur an ihrem Arbeitsplatz, dem Tierpark Hellabrunn, hat es Anna Hagemann mit vielen Tieren zu tun. Auch in ihrem Haus findet man viele Tiere, um die sie sich liebevoll kümmert wie hier ihre Katze Mausi.
Mering: Gemeinde | Für Anna Hagemann aus Mering wurde ein Kindheitstraum wahr. Jetzt ist sie für das Futter im Münchner Tierpark Hellabrunn zuständig

Die 21-jährige Anna Hagemann erholt sich im Garten nach einem anstrengenden Arbeitstag im Zoo, neben ihr auf der Bank sitzt ihre Katze Mausi. Das ist jedoch nicht ihr einziges Haustier: nicht weit entfernt liegt der rotbraune Kater Garfield und auf der Treppe der weiße Main-Coon-Kater Olli. Seit März haben sie auch einen Hund von der Insel Teneriffa, der nach seinem Herkunftsort Agua ( das spanische Wort für Wasser) benannt ist. In Teichen sind eine große Anzahl verschiedener Wasserschildkröten und Fischen und aus zwei Ställen blicken je zwei große Kaninchen ins Freie.

Als Anna noch sehr klein war, träumte sie davon, mit Freundinnen auf einem Bauernhof mit vielen Tieren zu leben. Später reifte dann der Wunsch, Tierpflegerin zu werden, den sie sich mit großem Fleiß, Hartnäckigkeit und der Bereitschaft, für ein Jahr in eine andere Stadt zu ziehen, erfüllte. Vielleicht liegt ihr auch die Liebe zu Tieren im Blut: ihr Vater Michael und ihre Mutter Helga sind ebenfalls beide Tierpfleger und kümmern sich liebevoll um die vielen Haustiere. Vor 27 Jahren entschlossen sie sich, den Zoo zu verlassen und künftig in der Forschung zu arbeiten.
Anna Hagemann machte im Alter von 15 und 16 Jahren zwei Schulpraktika im Münchner Tierpark Hellabrunn, weil sie in Augsburg keine Zusage erhalten hatte. Sie war dafür zuständig, die Ställe auszumisten, die Scheiben zu putzen und begleitete die Tierpfleger beim Füttern. Später legte sie ein Praktikum an der Universität ab und unterzog sich einem sogenannten Sichtungspraktikum im Zoo, das für eine Bewerbung unbedingt erforderlich war. Als sie zuerst einmal abgelehnt wurde, entschloss sie sich zu einem Einstiegsqualifikationsjahr im Hamburger Tiergarten, bei dem sie fast alle Bereiche durchlief. Sie bekam die Zusage zu einer Lehrstelle und entschloss sich, diese anzunehmen. Zur selben Zeit erhielt sie aber auch aus München eine positive Antwort und entschied sich über Nacht, in München zu beginnen. „Meine Mutter war entsetzt, dass ich in Hamburg bleiben wollte, um mit WG-Freunden auf einen Bauernhof zu ziehen“, sagt Anna. Jetzt ist sie froh darüber, denn sie leistete sich nach der Ausbildung von dem angesparten Geld ein eigenes Pferd.
Im Juni 2015 beendete die Meringerin ihre Ausbildung als Tierpflegerin und bewarb sich auf die extern und intern ausgeschriebene Stelle in der Futterwirtschaft. Pünktlich um 6 Uhr beginnt ihr Dienst in München: gemeinsam mit vier weiteren Mitarbeitern ist sie zuständig, das Futter für die Tiere einzukaufen, herzurichten, zu kochen und bis 9 Uhr vor Öffnung des Tierparks auszufahren. „Für ältere Tiere, wie unsere Tapirdame oder den Orang-Utan-Mann, oder für andere Tiere zur Abwechslung oder zur leichteren Verdauung kochen wir Gemüse, Hühnchen und sogar Milchreis“, erzählt sie. Um rechtzeitig in München zu sein, steht sie gemeinsam mit ihren Eltern schon um 4 Uhr auf, damit sie noch ihre Haustiere versorgen und 50 Minuten später in Fahrgemeinschaft aufbrechen kann. „Wenn wir das Futter ausgefahren haben, bereiten wir bis 15 Uhr das Essen für den nächsten Tag vor“, verrät Anna, der die Arbeit sehr viel Spaß macht. Etwa 100 Kilogramm Karotten verfüttern sie pro Tag, außerdem weitere Gemüse- und Obstsorten, Rinderkeulen, Kaninchen, Mäuse, Hühner, Küken, Fische und Innereien. Sie sagt, dass die Tiere 800 Kilo Futter täglich erhalten, dabei sei aber das Heu, Gras und Laub noch nicht mitgerechnet. Insgesamt arbeiten im Münchner Tierpark derzeit 200 Mitarbeiter, um die Wegereinigung kümmern sich behinderte Menschen von der Lebenshilfe. Da sie und ihre Kollegen oft von Hochregalen Futtersäcke holen müssen, legte Anna vor kurzem auch den Staplerführerschein ab.
Besonders aufregend war für sie die OP-Assistenz, als in Hamburg ein Strauß sich den Schnabel aufgebrochen hatte und für die Behandlung unter Narkose gesetzt werden musste. Seine Körpertemperatur wurde so hoch, dass sie sich mit der Behandlung beeilen mussten, um sein Leben nicht in Gefahr zu bringen. Sie erzählt, dass in München sehr darauf geachtet wird, die Tiere zu beschäftigen und sie durch regelmäßiges Training auf medizinische Untersuchungen und Behandlungen vorzubereiten. Die Löwen erhalten beim „Klickertraining“ verschiedene Kommandos und werden belohnt. „Wenn sie ihre Nase an den Ball am Stock bringen, kriegen sie Futter. Aber wenn sie nicht mehr wollen, muss man es auch gut sein lassen“, verrät sie. Großen Respekt hat sie vor den vier Elefantenkühen. Es sei ein ganz anderes Gefühl, direkt im Gehege neben ihnen zu stehen als sie beim Besuch von außen zu betrachten. Der Elefantenbulle ist gerade an den Hamburger Zoo ausgeliehen.
Während das Pferd von klein auf ihr absolutes Lieblingshaustier ist, kann sich Anna im Zoo für kein einzelnes Tier entscheiden. „Sie sind alle etwas ganz Besonderes“, sagt sie und streichelt ihrer gefleckten Katze Mausi über das Fell.
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Hermann Oehmig aus Gersthofen | 20.08.2016 | 21:45  
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