Mit richtiger Pflege der Straßenränder die Artenvielfalt erhöhen

 

Mulch-Wahn und Ordnungsliebe zerstören die Natur

"Mulchen", so wird es genannt, wenn an Straßenrändern gemäht wird und das Schnittgut liegenbleibt und verrotet. Das mag im Gemüsegarten Sinn machen, um den Boden mit Nährstoffen anzureichern. Beim Mulchen auf Freiflächen und an Weg- und Ackerrändern dagegen wird dabei alles frikassiert, was nicht fliehen kann und was die „Ordnung“ stört.
Unzählige Kleintiere, Eidechsen, Vogelnester, Junghasen, Blumen in voller Blüte, Gebüsch mit Vogelnestern, junge Bäume. Auch weggeworfene Plastiktüten, Dosen, Flaschen, ja selbst Grenzsteine und Betonröhren werden kleingehäckselt und verbleiben trotzdem als Störstoffe in der Natur, werden von den nicht zu Schaden gekommenen Insekten, Vögeln und Kleinsäugern aufgenommen, die unter Umständen dadurch qualvoll zu Grunde gehen. Auf diese problematische Situation machte kürzlich Ernst Haile, der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz Aichach/Friedberg aufmerksam.

Bauhöfe handeln aus Unkenntnis über Naturzusammenhänge

"Finanziert wird dieser großangesetzte Angriff auf die Artenvielfalt in unserer direkten Umwelt mit öffentlichem Geld. Nahezu sämtliche Bauhöfe der Landkreise und Kommunen haben sich mit technischen Mulch-Geräten ausgestattet. Diese teuren und aus Sicht des Naturschutzes unsinnigen Maßnahmen werden aus Unkenntnis über die ökologischen Zusammenhänge ergriffen", kritisiert der Kreisvorsitzende. "Es werden nicht nur viele Lebewesen beim Mähen getötet, durch das Liegenlassen des Mähgutes wird der Boden permanent mit Nähstoffen angereichert. Dabei besagt eine einfache Regel, dass nähstoffarme Böden wesentlich artenreicher und vielfältiger sind als nähstoffreiche Böden."

Es wäre daher aus Sicht des Bund Naturschutz viel sinnvoller, die Straßenränder mit einem schonenden Balkenmäher zu mähen und das Grüngut wirtschaftlich als Rohstoff für Biogasanlagen oder Kompostieranlagen weiterzuverwenden und damit Geld zu verdienen. Allein Autobahnen, Bundes-, Land- und Kreisstraßen sind 230.000 km lang. Auch Gemeindestraßen, Feldwege und sogar Waldwege werden gemulcht. Da Straßen und Wege zwei Ränder haben, addiert sich die Länge aller Straßen- und Wegränder in Deutschland auf mindesten einen Million Kilometer. Die angrenzenden Flächen dazugerechnet ist dies ein Streifen von ca. 600 Kilometer Länge und 50 Kilometer breite durch ganz Deutschland. Man kann sich ausrechnen, wie hoch hier das wirtschaftliche Potential ist und wieviel man gleichzeitig für den Artenschutz erreichen kann.

Bürgerinnen und Bürger zeigen, wie es geht

An manchen Stellen, greifen daher umweltbewusste Mitbürger bereits zur Selbsthilfe und zum Heurechen, um die Blütenpracht einer Sommerwiese und das sirrende Zirpen der Heuschrecken und Grillen zu erhalten oder wieder zurückzugewinnen. So geschehen in den letzten Tagen am kleinen Müllberg in Friedberg, der sich in den zurückliegenden Jahren durch Zutun der Stadt zu einer Biotopinsel entwickelt. Weithin sichtbar setzten Friedberger Bürger mit dem in den gemulchten Hang hineingerechten Schriftzug "MULCHEN ZERSTÖRT" ein deutliches Zeichen ihres Unmutes.

Würden wir Bürger gefragt, dann würden wir in blühende Vielfalt anstatt in Maschinen für „ordentliche“ Mulch Flächen investieren. Auf der neu entstandenen Blühfläche zwischen Pöttmes und Grimolzhausen bleiben seit kurzem Radfahrerinnen und Radfahrer, Autofahrerinnen und Autofahrer einfach stehen und machen mit ihren Handycams Fotos des weißroten Blumenteppichs, der sich ohne viel zutun am Ranken des heuer neu gebauten Radwegs entwickelt hat. Wer will diese schöne Blütenpracht zerstören?
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