Musiker-Nachwuchs siegt im Bundesfinale

Spielerisch führt Stefan Schmidt seine vierjährige Tochter Emma an das Instrument heran. Foto: Stöbich
Peter Stöbich
Friedberg. "Ehrgeizig war ich schon immer", sagt der Friedberger Gitarrist Stefan Schmidt. Um sich als Jüngster von insgesamt sechs Geschwistern durchsetzen zu können, brauchte er diesen Ehrgeiz wohl auch. "Ich wollte besser als mein älterer Bruder Gitarre spielen und obwohl ich erst mit zwölf Jahren angefangen habe, ist mir das auch bald gelungen."
Heute zählt der 51-jährige zu den erfolgreichsten privaten Gitarrenlehrern in Deutschland: Seine Schüler räumen seit vielen Jahren hochrangige Wettbewerbspreise gleich im Dutzend ab, sowohl auf internationaler Ebene als auch beim jüngsten Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" in Kassel. Um das Talent der jungen Musiker optimal zu fördern, arbeitet Schmidt mit psychologischem Feingefühl statt mit hartem Drill. "Denn ein Schüler wird nur dann wirklich gut, wenn er sich ohne Druck von außen dazu entscheidet!"
So hat er unter anderem eine Unterrichtsmethode des "unterstützten Lernens" entwickelt, mit der er das Lerntempo in hohem Maß beeinflussen kann und die auch seiner vierjährigen Tochter Emma ihre Anfänge auf der Gitarre erleichtert. Durch Mitdirigieren, -singen und andere nonverbale Techniken lernen die Nachwuchstalente schnell, ein Lied fehlerfrei zu spielen. Auch die enge Zusammenarbeit mit den Eltern führt auf den Erfolgsweg, den mehr als 50 Preise auf Bundes- und internationaler Ebene säumen.
"Auf einer Stufe wie Stefan Schmidt gibt es kaum Leute in Deutschland“, sagt Stephan Werner, Dozent an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Schon mit 15 Jahren hat der Friedberger an der Volkshochschule Unterricht gegeben, später auch an der städtischen Musikschule. "Nach meinem Abitur habe ich auch ein Jahr lang im Bundeswehr-Musikkorps E-Gitarre gespielt."
Am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg ist er seit fünf Jahren Dozent für Didaktik und Methodik für Gitarre, außerdem Juror bei Wettbewerben im In- und Ausland sowie ein gefragter Dozent für Fortbildungen zwischen Hamburg und Linz. Kein Wunder also, dass manche seiner Schüler weite Anreisen bis aus Regensburg oder Österreich in Kauf nehmen, um von Schmidts Können und Wissen zu profitieren.
Fast die Hälfte seiner Schützlinge ist hochbegabt, etliche sind heute bereits selbst virtuose Profis. "Aber auch ältere Menschen sollten noch ein Instrument lernen", empfiehlt er, "denn Musizieren bereichert den Alltag und schult das Konzentrationsvermögen." Ein wichtiger Aspekt dabei ist das gemeinsame Spielen im Duo oder in der Gruppe. "Weil ich selbst bei meiner Ausbildung an der Frankfurter Musikhochschule einen Schwerpunkt Gitarrenduo mit Johannes Stickroth hatte, ist mir das kammermusikalische Musizieren meiner Schüler ein großes Anliegen."
Auf der akustischen klassischen Gitarre spielt man mit Nylonsaiten im Gegensatz zu den mit Stahlsaiten bespannten Western- und E-Gitarren. Dabei werden nicht nur Werke aus von der Renaissance bis zur Moderne interpretiert, sondern durchaus auch südamerikanische und spanische Gitarrenmusik oder solche aus dem populären Bereich und dem Jazz. Schmidt spielt genauso gern Bach wie Beatles - allerdings nicht auf einer 08/15-Gitarre aus dem Laden. Könner seines Kalibers lassen ihr Arbeitsgerät von Instrumentenbauern produzieren und das kostet dann schon mal eine fünfstellige Summe.
Dass seine engagierte Nachwuchsförderung und die Kunst an sich auch die öffentliche Anerkennung seiner Heimatstadt finden, freut den 51-jährigen besonders: Von Bürgermeister Roland Eichmann bekam er vergangenes Jahr den "Friedberger Flügel" für herausragende Leistungen überreicht.
Beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" in Kassel trafen sich im Mai die ersten Preisträger der 16 Landeswettbewerbe, um sich auf deutscher Ebene miteinander zu messen. Aus dem südlichen Landkreis Aichach-Friedberg hatten sich ausschließlich Gitarristen für das Bundesfinale qualifiziert. Die Friedberger Nina Bernert (12), Hannah Kast (13), Paul Feige (13) und Cedric Penn (13) gewannen in ihrer Kategorie einen ersten Preis und wurden damit als bestes deutsches Gitarrenquartett der Altersgruppe III (Jahrgang 2002 /2003) ausgezeichnet.
Paul und Cedric hatten sich zudem als Gitarrenduo für den Bundesentscheid qualifiziert und schafften das Kunststück, auch in dieser Kategorie einen ersten Preis zu holen. Der 15-jährige Kissinger Gitarrist Niklas Junker komplettierte den Erfolg im Duo mit Leonora Spangenberger (13) aus Germering. Beide gewannen in der Altersstufe IV (Jahrgang 2000/2001) ebenfalls einen ersten Preis. Damit war Schmidts Gitarrenklasse beim diesjährigen Wettbewerb die erfolgreichste in ganz Deutschland.
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