Neues Industriegebiet in Mering – Einspruchsfrist läuft

Kiebitz, stark gefährdet (Foto: Quelle: Pixabay, G. Wietschorke)
Die Marktgemeinde Mering hofft mittels eines großen Logistikunternehmens aus dem süddeutschen Raum ihre Gewerbesteuereinnahmen zu erhöhen. Dafür soll ein rund 10 Hektar großes Industriegebiet im Westen von Mering beim Bahnhof St. Afra erschlossen werden. Der Name des Unternehmens ist geheim. Sicher weiß man nur so viel, dass das Unternehmen einen Standort in Augsburg hat, den es nach Mering verlagern möchte und dass es neben Lagerhaltung und Transport (Logistik) für große Industrieunternehmen auch eine Produktionslinie aufbauen möchte. Der vorliegende Bebauungsplan mit drei großen, 15 Meter hohen Hallen, ist genau auf das Unternehmen zugeschnitten. Weiterhin wurden Umweltgutachten erstellt und es laufen bereits archäologische Untersuchungen auf dem Gelände im Auftrag der Gemeinde, um Funde entlang der alten Römerstraße, die durch das Gelände verläuft, zu identifizieren.

Widerstand gegen das Industriegebiet regt sich

Nachdem das Projekt bisher wenig Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erhalten hat, ändert sich dies langsam. Besonders in St. Afra regt sich inzwischen erheblicher Widerstand gegen das Projekt. So ist es zunächst völlig unklar, wie bei den sehr hohen Investitionskosten in mehrstelliger Millionenhöhe, die Gemeinde die avisierten Gewerbesteuereinnahmen realisieren möchte. Zumindest liegt bisher keine klare Gewinn- und Verlustplanung vor. Auch widerspricht das Projekt den im Städtebauförderungskonzept vereinbarten Ziel, in Mering kein Großgewerbe anzusiedeln, sondern kleine bis mittelständische Unternehmen z.B. aus dem Bereich Handwerk und Informationstechnologie. Die Anlieger in St. Afra befürchten, dass sie mit zusätzlichen Emissionen belastet werden und das Ortsbild durch die drei großen Hallen mit einer Höhe von 15 Metern, verschandelt wird. Die erhebliche Zunahme von Lkw-Transporten wird die B2-Anlieger in St. Afra sowie die Anlieger an den Straßen Richtung Autobahnanschluss Odelzhausen zusätzlich belasten. Auch ist der bei Erholungssuchenden sehr beliebte Ausblick und Zugang zu den Feldern in Richtung Lech damit weitgehend versperrt. Besonders kritisch wird gesehen, dass die Gemeinde erklärt hat, das Gebiet nach Westen später erweitern zu wollen. Zusammen mit der Osttangente und dem bereits existierenden Tiermehl- und Blutplasmahersteller Sonac, wird dann die Fläche zwischen Mering und Lech ein großer Gewerbe- und Industriekomplex sein.

Bund Naturschutz sorgt sich um bedrohte Arten


Der Bund Naturschutz und andere Naturschützer sehen das Projekt ebenfalls kritisch. Laut Umweltgutachten handelt es sich in dem Gebiet um das letzte Vorkommen des Kiebitz im südlichen Landkreis. Die Kiebitzbestände haben europaweit in den letzten Jahren um 60% abgenommen und befinden sich „im Sinkflug“, wie es im Gutachten treffend formuliert ist. Der Kiebitz steht aus diesem Grunde auf der roten Liste gefährdeter Arten. Andere gefährdete Feldbrüter wie Feldlerche und Rebhuhn sind ebenfalls in dem Gebiet ansässig. Laut bayerischen, deutschen und EU-Naturschutzrecht müssen für diese besonders geschützten Arten bereits im Vorfeld entsprechende Maßnahmen getroffen werden, die garantieren, dass sich ihr Bestand nicht verschlechtert. Die Maßnahmen, die die Gemeinde hierfür vorsieht, sind dafür ungeeignet. So soll ein Teil des mit Rückständen belasteten Geländes bei der ehemaligen Tierkörperverwertung dafür bereitgestellt werden. Das Gelände ist für Kiebitze völlig ungeeignet, da es mit einem hohen Wall, Bäumen und Büschen umgeben ist und die Vögel derartige Strukturen meiden. Auch sind die Flächen viel zu klein. Nach EU-Recht müssen die Maßnahmen mindestens eine Fläche umfassen, die der überbauten Fläche entspricht.

Verkommt das Lechtal zu einem Industriegebiet ?

Zu diesem Vorhaben passt, dass das staatliche Bauamt im Januar mit den Planungen einer autobahnähnlichen Schnellstraße durch das Lechfeld begonnen hat (Osttangente) und ca. Ende 2018 mit dem Raumordnungsverfahren beginnen möchte. Das macht Standorte im Umfeld der neuen Straße attraktiv für Logistikunternehmen. Die zahlreichen Gegner dieser Schnellstraße haben schon lange davor gewarnt, dass es nicht bei der Straße allein bleiben wird, sondern dass sich neue Industrie- und Gewerbegebiete im Umfeld der Straße ansiedeln werden, was zu einer deutlichen Abnahme der jetzt noch vorhandenen Restbestände an Natur und Naherholung führen wird. Nach ihrer Ansicht wird sich mittelfristig der Charakter des Lechtal dadurch in eine Gewerbe- und Industrielandschaft verwandeln. In dieses Bild passt, dass die Gemeinde Friedberg ein Gewerbegebiet bei Derching ausweisen möchte, welches ebenfalls im Brutgebiet des Kiebitz liegt. Weiterhin planen die Gemeinden Graben und Kleinaitingen einen Zweckverband zur gemeinsamen Vermarktung von zunächst 24 Hektar Gewerbefläche und später zusätzlichen 90 Hektar an der B17, um weitere Logistikunternehmen anzulocken. Nach Ansicht von „Aktionsbündnis gegen die Osttangente“ (AKO) bestätigen diese Projekte die schlimmsten Befürchtungen, dass in nur wenigen Jahren die letzten Reste an Natur- und Erholungsflächen am Lech durch große, von einer Autobahn erschlossene Gewerbezentren ersetzt werden. Dabei sei Bayern bereits jetzt schon das Bundesland, dass den höchsten Flächenverbrauch hat und der Artenschwund habe auch in Bayern dramatische Dimensionen erreicht.

Einspruchsfrist bis 11.12.2017

Meringer Bürgerinnen und Bürger können bis zum 11.12.2017 Einsprüche gegen das Industriegebiet geltend machen. Die Unterlagen dazu sind auf der Web-Seite der Gemeinde abrufbar.
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