Raubüberfall auf dem Gehweg

Zwei Heranwachsende haben einen Pizzabäcker überfallen. Foto: © tom_u / 123rf.de

„So etwas kenne ich vielleicht aus Berlin oder Frankfurt, aber dass ich in meinem Landkreis Angst haben muss, des Nachts von hinten überfallen zu werden, das ist schon krass.“ Richter Axel Hellriegel fand deutliche Worte für die beiden Angeklagten, die sich vor ihm und den beiden Schöffen wegen Raubes zu verantworten hatten. Er verurteilte die beiden 18 und 19 Jahre alten Männer wegen gemeinschaftlichen Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu Jugendstrafen, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Es geschah an einem Mittwoch im April, gegen 3 Uhr früh auf dem Gehweg entlang der B 2 bei Mering. Ein 52 Jahre alter Pizzabäcker stand vor einem Umzug nach Baden Württemberg und hatte mit Freunden Abschied gefeiert. Zuletzt wollte er sich in einer Spielothek noch ein wenig von seinen trüben Gedanken ablenken. Seine Frau rief ihn noch an, um zu fragen, ob sie ihn abholen solle. „Ich habe gesagt, das Wetter ist gut, die drei Kilometer nach Hause kann ich laufen.“ Hätte er nur ihr Angebot angenommen, ihm wäre viel erspart geblieben.

In der Spielothek hatten ihn die zwei jungen Männer beobachtet. Sie vermuteten, er könne eine höhere Geldsumme bei sich haben. „Ich habe mir dann einen Plan überlegt“, gab der ältere Angeklagte unumwunden zu. Und so warteten sie, bis der Pizzabäcker die Spielothek verließ, und verfolgten ihn dann etwa 500 Meter weit, bevor sie zuschlugen. Der eine rang ihn zu Boden, der andere drückte ihm die Augen zu, dann nahmen sie ihm Geldbeutel und Handy ab. „Ich wusste gar nicht, wie mir geschah. Plötzlich haben sie mich von hinten gepackt, ich wurde gewürgt. Ich habe gedacht, das sind Profis. Ich konnte mich überhaupt nicht wehren, obwohl ich Boxer bin“, schilderte der Überfallene. Er meint, er sei zeitweise bewusstlos gewesen.

Die Beute: Zehn Euro und ein billiges Handy


Zudem spuckte er Blut, litt monatelang unter den Folgen einer Lenden- und Brustwirbelsäulenprellung, hatte Schilddrüsenprobleme und kann heute noch nicht richtig schlucken. Außerdem leidet er unter Angstzuständen. Staatsanwalt Thomas Kolbe wertete es als besonders verwerflich, dass der 19-Jährige den am Boden liegenden Mann noch trat, nachdem er und sein Kumpan ihn bereits durchsucht und beraubt hatten. Warum versetzte er dem Pizzabäcker einen Fußtritt? „Ich weiß es nicht. So halt. Ich hatte Panik.“

Große Beute machten die jugendlichen Ganoven nicht. Im Geldbeutel ihres Opfers hatten sie fünf Euro gefunden. Nach dem Überfall ließen sie den verletzten Mann liegen und begaben sich mit dessen EC-Karten zur Bank. Dort hoben sie weitere fünf Euro ab. Die Geheimnummer hatte der Pizzabäcker auf der Rückseite der Geldkarte notiert. Das Handy war kaum 50 Euro wert. Das fand der ältere der nun Angeklagten offenbar unbefriedigend. Am nächsten Tag fragte er seinen Komplizen, ob man nicht noch einmal einen Überfall wagen sollte. Dieser aber lehnte ab.
Vor Gericht erklärte der 19-Jährige, er sei seit etwa einem Jahr spielsüchtig. Um an Geld zu gelangen, sei er auf die Idee mit dem Raub gekommen. Richter Hellriegel fand seine kriminelle Karriere bemerkenswert, da er bislang nur einmal wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis aufgefallen war. Der 18-Jährige hingegen ist der Polizei kein Unbekannter. Er hatte schon Verfahren wegen Diebstahls, Körperverletzung und Drogen.

Kolbe plädierte auf ein Jahr und drei Monate Haft mit Bewährung sowie 2000 Euro Geldstrafe für den jüngeren, zwei Jahre Haft ohne Bewährung für den Haupttäter. Dessen Verteidiger, Rechtsanwalt Reinhard Baade, betonte, sein Mandant sei voll geständig und habe schon begonnen, Wiedergutmachung zu leisten. Wenn man ihn kenne, könne man sich kaum vorstellen, dass er einen Raub begangen haben könnte. Er bat um Bewährung. Der Verteidiger des 18-Jährigen, Werner Ruisinger, fand die Strafforderung des Staatsanwalts gerechtfertigt. Das Schöffengericht kam überein, dem 19-Jährigen eine Bewährungschance zu geben. Zudem muss er 240 Stunden Hilfsdienste leisten und eine Suchttherapie machen. „Hätten Sie nicht schon bei der Polizei alles gestanden, Sie wären heute nicht mehr mit Bewährung davon gekommen“, sagte der Richter.

Monika Grunert-Glas
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