Demonstration in Mering - Bund Naturschutz legt Einspruch gegen Industriegebiet ein

Bürgerprotest gegen Industriegebiet in Mering (Foto: Anita Schneider)



Das geplante Industriegebiet in Mering schlägt hohe Wellen.

Auf Einladung von Bündnis 90/Die Grünen, ÖDP, Bund Naturschutz und der Aktionsgemeinschaft gegen die Osttangente (AKO) kamen mehr als 100 Menschen zusammen, um am Samstag den 2.Dezember gegen das geplante Industriegebiet westlich von Mering/St. Afra zu demonstrieren.

Bund Naturschutz äußert große Bedenken

Einen Tag zuvor hat Ernst Haile, der Vorsitzende des Kreisverbandes des Bund Naturschutz Aichach/Friedberg, offiziell den Einspruch des Naturschutzverbandes bei der Gemeinde eingereicht. Die Frist hierzu läuft noch bis zum 11.12. und Bürgerinnen und Bürger können bis dahin noch ihre Einwände bei der Gemeinde vorbringen. Damit steht fest, dass der Bund Naturschutz nach intensiver Prüfung der Unterlagen erhebliche Bedenken gegen das geplante Industriegebiet hat. So ist das Gebiet ein wichtiges Vorkommen für geschützte Feldbrüter wie Kiebitz, Feldlerche und Rebhuhn. Laut einschlägiger Gesetze muss die Gemeinde bereits im Vorfeld der Baumaßnahmen einen Bestandsschutz für diese vom Aussterben bedrohten Vogelarten gewährleisten. Dies geht über reine Ausgleichsmaßnahmen hinaus, da die europäische und deutsche Rechtsprechung in einem derartigen Fall sehr hohe Anforderungen an den Artenschutz stellt. Laut BN reichen die von der Gemeinde vorgenommenen Untersuchungen zum Zustand der Feldbrüter in dem Gebiet und die vorgesehenen Schutzmaßnahmen hierzu bei weitem nicht aus. Am 21.12. wird sich der Gemeinderat in einer öffentlichen Sitzung ab 19:30 mit den bis dahin vorliegenden Einwänden befassen und eine Entscheidung zum Industriegebiet treffen. Auch der Landesbund für Vogelschutz hat angekündigt Einsprüche einzureichen. Es ist völlig fraglich, ob die Gemeinde in dieser kurzen Zeit die sehr substantiellen Einwände der Naturschützer qualifiziert beantworten kann oder ob sie bei der bisherigen Linie bleibt, die Anforderungen des Naturschutzes rein formal und minimalistisch zu betrachten.

Grüne sehen Leitlinien verletzt

Bei der Demonstration wurde deutlich, dass neben den erheblichen naturschutzfachlichen Bedenken, eine ganze Reihe von weiteren Gründen gegen das Industriegebiet stehen. So betonte Petra von Thienen, Fraktionssprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, dass der Marktgemeinderat kürzlich einstimmig Leitlinien für eine Gewerbeentwicklung „mit Augenmaß“ beschlossen hatte, mit dem Ziel, Bestandsflächen zu nutzen, klein- und mittelständisches Gewerbe anzusiedeln, eine Gründerszene zu etablieren und Handwerksbetrieben am Ort Entwicklungschancen zu bieten. All dies sei mit einem Industriegebiet, das genau auf ein großes Logistikunternehmen zugeschnitten ist, nicht gegeben. Sie betonte dass Mering auf Grund der ländlichen Umgebung noch ein attraktiver Wohnort sei und man dieses wertvolle Gut zu verlieren drohe. Constanze von Tucher, Kreisvorsitzende der ÖDP machte deutlich, dass es mit Verkehrswachstum und Flächenversiegelung und der damit verbundenen Belastung von Mensch und Natur nicht mehr so weiter gehen kann und wir die Menschen vor den Profit stellen müssen.

AKO befürchtet Industrielisierung des Lechfeldes

Wolfhard von Thienen, Sprecher von AKO, wies darauf hin, dass im Zuge der Osttangente eine Entwicklung im Lechfeld in Gang gesetzt wird, die ganz gezielt darauf abzielt, Gewerbe- und Industriegebiete entlang dieser neuen Schnellstraße anzusiedeln und dass sich innerhalb weniger Jahre das Lechfeld in ein großes, zusammenhängendes Industrie- und Gewerbegebiet verwandeln wird, wie wir es von Graben, von Gersthofen oder aus dem Münchner Norden kennen. Mit Blick in Richtung der Tiermehl- und Blutplasmafabrik (Sonac) im Westen von Mering wies er darauf hin, dass die Gemeinde bereits offiziell bekanntgegeben hat, das Industriegebiet nach Westen erweitern zu wollen. Zusammen mit der Fa. Sonac, der Osttangente und entsprechender Zubringer und dem neuen Industriegebiet würde dann ein großer Industriekomplex im Westen von Mering entstehen.

Bürgermeister hofft auf Gewerbeeinnahmen

Bürgermeister Hans-Dieter Kandler war ebenfalls auf der Veranstaltung anwesend und verteidigte seinen Einsatz für das Gewerbegebiet, dessen Notwendigkeit er darin sieht, die Gewerbesteuereinnahmen der Gemeinde zu erhöhen. Diese Aussage stieß bei anwesenden Gemeinderäten auf erhebliche Kritik, da die Gemeinde bisher keine Kosten/Nutzen-Rechnung vorgelegt hat und es nach Ansicht von Gemeinderätin von Thienen in Anbetracht der hohen Investitionskosten und Risiken fraglich ist, ob überhaupt in den nächsten Jahren ein absehbarer Gewinn für die Gemeinde erzielt wird. Es wird bezweifelt, dass ein großes Logistikunternehmen mit vielen verteilten Standorten überhaupt langfristig positive Einnahmen in Mering steuerlich ausweisen wird.

Betroffene Anwohner sorgen sich um Wohnqualität

Besonders betroffen zeigten sich die zahlreichen aus Mering/St. Afra erschienenen Anwohner. Sie befürchten, dass es zu erheblichen Belastungen durch Lärm und zusätzlichen Lkw-Verkehr führen wird, dabei seien sie schon jetzt durch Bahn und B2 und in Zukunft auch durch die Osttangente erheblich betroffen. Deutlich wurde auch, dass es im Falle eines Industriegebietes keine Garantie dafür gibt, dass nicht jetzt oder zu einem späteren Zeitpunkt Betriebe mit hohen Emissionen angesiedelt werden. Bürgermeister Kandler berief sich dabei auf des Emissionsschutzgesetzt, wobei die prompte Erwiderung kam, dass man am aktuellen Dieselskandal sehen könne, wie effektiv dessen Schutz für die Menschen tatsächlich ist. Die Anwohner machten sich auch große Sorgen um ihre Naherholungsgebiete, die bisher direkt am Ortsrand lagen und einen einfachen Zugang und einen unverstellten Blick ins Lechfeld ermöglichten. Damit wird Mering, so befürchten die Anwohner, in Zukunft ein wichtiges Qualitätsmerkmal als attraktiver Wohnort verlieren.

Bürgermeister gibt Investor bekannt

Einige Anwesenden kritisierten, dass der Name des Unternehmens geheimgehalten wird und die Menschen damit im Unklaren gelassen werden, was vor ihrer Haustüre entstehen soll. Der Bürgermeister gab dann nach mehrfacher Nachfrage bekannt, dass es sich um die Firma Honold aus Neu-Ulm handelt, eines der größten Logistikunternehmen mit vielen Standorten in Süddeutschland.

Klage wahrscheinlich

Am Rande der Veranstaltung wurde bekannt, dass man sich gemeinsam auf eine Klage gegen das Industriegebiet vorbereitet und bereits ausreichend Geld beisammen sei, um die Klageschrift durch ein Anwaltsbüro erstellen zu lassen.
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