Meringer Industriegebiet mit großen Fragezeichen

(Foto: Honold Logistik Gruppe)

Ist der Logistiker Honold das richtige Unternehmen für Mering?

Das geplante Industriegebiet in einer Größe von 10 Hektar im Lechfeld bei Mering erhitzt weiterhin die Gemüter. Nachdem die Grünen die vom Bürgermeister Kandler ins Spiel gebrachten 260 Tausend Euro Gewerbesteuereinnahmen angezweifelt hatten und eine nachvollziehbare Einnahmen/Ausgaben-Kalkulation für die Gemeinde forderten, ruderte dieser zurück und sagte der Friedberger Allgemeinen, dass er "blauäugig" gewesen sei und lediglich die Schätzungen des Investors wiedergegeben habe. Inzwischen ist bekannt, dass die Firma Honold der Investor ist, einer der größten Logistikdienstleister in Deutschland, .

Wer ist der Technologiekonzern im Hintergrund?

Nach allem, was bisher bekannt geworden ist, möchte Honold in Mering eine Vorproduktion inklusive Logistik als Zulieferer für einen großen Technologiekonzern aufbauen. In einer späteren Ausbauphase soll das Industriegebiet zusätzlich in Richtung Westen erweitert werden. Der Technologiekonzern ist bisher nicht bekannt. Er befindet sich in einem Auswahlprozess für seinen neuen Zulieferer und es ist keineswegs sicher, dass Honold den Zuschlag erhält. Auch dürfte der wachsende öffentliche Widerstand gegen das Vorhaben den Technologikonzern möglicherweise zum Umdenken bewegen und davon abhalten einen Teil seiner Vorproduktion in das hochsensible Lechfeld zu verlegen.

Viele Einsprüche gegen das Industriegebiet

Viele Meringer sehen das Vorhaben nicht nur wegen der unklaren Angaben zu den Gewerbesteuereinnahmen skeptisch. In einem aufwendigen Planungsprozess zum integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) hatte sich die Gemeinde nämlich unter großer Bürgerbeteiligung und allgemeiner Zustimmung ganz andere Ziele gesetzt. Wachstum solle danach "mit Augenmaß" erfolgen und man beabsichtigte „leistungsstarke Unternehmen im Bereich Forschung und Entwicklung anzusiedeln, die nur mit wenig Umweltbelastungen verbunden sind“ und man wollte eine Gründerscene etablieren. Gerade der Großraum um München hat viele Gemeinden, die genau dies tun und damit hohe Einnahmen generieren. Auch wollte man Mering als attraktiven Standort zum Wohnen und Leben erhalten und ausbauen and dafür insbesondere die naturnahen Räume und Naherholungsgebiete erhalten und fördern. Ein großes Industriegebiet und einer der größten deutschen Logistiker passt offensichtlich nur schlecht in dieses, vom Marktgemeinderat einstimmig beschlossene Entwicklungskonzept. Auch steht die gerade in Planung befindliche Osttangente im Raum. Viele Menschen sehen einen Zusammenhang und befürchten, dass das Lechfeld in den nächsten Jahren zu einem Industrie- und Gewerbepark entwickelt wird, ähnlich wie bei Graben und Derching und damit letzte Reste an Natur und Naherholung verschwinden. Daher stößt das Vorhaben auch auf großen Widerspruch und es liegen inzwischen über 30 ablehnende Stellungnahmen von  Privatleuten und Anliegern vor sowie vom Bund Naturschutz, dem Landesbund für Vogelschutz und dem Bauernverband. Die untere Naturschutzbehörde steht dem Vorhaben ebenfalls skeptisch gegenüber und hält die vorgesehenen Naturschutzmaßnahmen für ungeeignet. Gegner des Vorhabens haben angekündigt, dass Klagen vorbereitet werden und man direkt mit dem Technologiekonzern sprechen wolle, sobald dieser bekannt sei. Der Marktgemeinderat wird in seiner Sitzung am 21.12.2017 um 18:00 Uhr über den Bauantrag zum Industriegebiet beraten.        
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