Osttangente: Widerstand auf breiter Basis

Zahlreiche Gegner der Osttangente informierten sich über die Einspruchsmöglichkeiten. Foto: Stöbich


Noch bis zum 2. Mai bleibt den Gegnern der Augsburger Osttangente Zeit, um ihren Einspruch gegen die geplante Schnellstraße zu formulieren. Diese Frist will das Aktionsbündnis nutzen und den breit aufgestellten Widerstand aus der Region den Verantwortlichen in Berlin deutlich machen. Zur Beteiligung der Öffentlichkeit am Bundesverkehrswegeplan gab es Einzelheiten bei einem gut besuchten Informationsabend in Mering.

Im Gegensatz zu Politikern wie dem Landtagsabgeordneten Peter Tomaschko kann die Friedberger Stadträtin Claudia Eser-Schuberth durch den Bau einer autobahnähnlichen Straße mit vier Spuren keine Verkehrsentlastung erkennen. "Man soll die Bürger nicht für dumm verkaufen!", sagte sie und wies darauf hin, dass die vom Ministerium angestellten Berechnungen keineswegs plausibel seien. Auch eine Kleingartenanlage an der B 2 im Friedberger Westen müsste der Osttangente weichen; eine tatsächliche Entlastung werde es höchstens für Augsburg geben.

Neben Sepp Metzger, Sprecher der Aktionsgemeinschaft "Lebensraum Lechleite", wiesen bei dem Treffen zahlreiche weitere Kommunalpolitiker darauf hin, dass unbegrenztes Wachstum und eine verfehlte Verkehrspolitik nicht unsere Lebensgrundlagen zerstören dürfen. Kreisrätin Katrin Müllegger-Steiger (Grüne) sprach von einem "Wahnsinn" und vermisste alternative Lösungen, die offensichtlich niemanden interessierten. Die Hauptargumente der Gegner: Das Kosten-/Nutzen-Verhältnis der Osttangente sei schöngerechnet worden; die Gemeinde Kissing werde komplett vom Lech und den Seen abgeschnitten und eine Fläche zerstört, die der Größe von 15 Bauernhöfen entspreche.

Die Gegner setzen sich für den Erhalt der Naherholungsgebiete ein und fürchten unter anderem um die Qualität des Trinkwassers, wenn das Millionenprojekt laut Bundesverkehrswegeplan umgesetzt wird. Auch Wirtschaftswachstum und die Erschließung weiterer Gewerbegebiete seien kein Grund, um riesige Flächen zuzubetonieren.

Wegen der überregionalen Funktion einer neuen Straße werden der Verkehr und damit Lärm und Abgase zunehmen, ist Wolfhard von Thienen, Sprecher des Aktionsbündnisses, überzeugt. Rund 300 000 Menschen in der Region sowie Tiere und Pflanzen entlang der Strecke würden erheblich beeinträchtigt, wertvolle Natur- und Wasserschutzgebiete seien ebenso in Gefahr wie die Landwirtschaft im Lechtal. "Wir müssen aus dem Teufelskreis mehr Straßen - mehr Verkehr - immer noch mehr Straßen aussteigen", forderte Thomas Frey vom Bund Naturschutz.

Wie die Bürger ihren Protest beim Bundesverkehrsministerium anmelden können, erläuterte Thienen: Per Post oder über die Internetseite des Ministeriums, aber nicht per E-Mail. "Denn es darf nicht der Eindruck entstehen, als ob die ganze Region für die Osttangente sei", so der Vorsitzende. In einem Faltblatt hat das Aktionsbündnis die wichtigsten Punkte zusammengefasst; Details finden sich auch auf der Internetseite www.keine-osttangente.de.

Der Kreistag des Landkreises Aichach-Friedberg hat sich mit 34:18 Stimmen für eine Realisierung der Osttangente ausgesprochen. Obwohl es sich nur um eine symbolische Unterstützung handelt, wurde kontrovers diskutiert. Die neue Straße soll eine Verbindung von der A 8 zur B 17 schaffen und dabei Umgehungen bringen, die vor allem Friedberg, Kissing und Mering entlasten. "Wenn man das überregional betrachtet, wird eine solche Straße bloß noch mehr Verkehr anziehen", sagte Sepp Bichler (Unabhängige). Man müsse sich nur die Ansiedlung von Großunternehmen wie Amazon und BMW an der B 17 ansehen. (Peter Stöbich )
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