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Aichach

„Rechte Szene in Mering ist tot“


„Jetzt ist Ruhe“, bestätigte ein in der rechten Szene in Mering ermittelnder Beamter vor dem Aichacher Schöffengericht. Einer der ehemaligen Rädelsführer der Autonomen Nationalisten Mering bezeichnete die rechte Szene in Mering als tot und auch Jugendrichter Dieter Gockel teilt diese Einschätzung. Dennoch mussten sich gestern drei junge Männer vor dem Aichacher Schöffengericht verantworten. Der Vorwurf: Volksverhetzung und das Sprühen von Graffiti mit rechten Parolen.

Die Taten liegen bereits fast zwei Jahre zurück. Alle drei Angeklagten bekräftigten, nichts mehr mit der Szene zu tun zu haben. Nachdem seine Beziehung in die Brüche gegangen war, habe er in Mering wieder Anschluss gesucht, erklärte der 22 Jahre alte Angeklagte. „Anfangs bin ich mit auf Demos gefahren – es gefiel mir auch ganz gut“, so der junge Mann. Mittlerweile bedauert er aber seine Beteiligung. Mitgemacht hat er nach eigenen Angaben auch bei einer Art spontanen Demonstration in Mering im Januar 2010. Parolen wie „Israel internationale Völkermordzentrale“ sind damals laut Anklage gefallen.

„Stockbesoffen mitgelaufen“ nach Angaben seines Verteidigers Stefan Kasparek ist auch der 20 Jahre alte Mitangeklagte. Skandiert habe er allerdings nichts. Die Anklage gegen einen Dritten, der sich offenbar im Umkreis der „Demonstration“ aufgehalten habe, wurde gegen eine Geldauflage von 400 Euro eingestellt. „Von meiner Seite aus waren solche Parolen an der Tagesordnung. Wir sind oft in der Kneipe gewesen, besoffen heimgelaufen und haben umeinandergegrölt“, erzählte ein 23 Jahre alter Zeuge. Er war vor gut einem Jahr wegen eines Angriffs auf einen Polizisten zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden und galt als einer der Rädelsführer der Autonomen Nationalisten Mering. Den Angeklagten, gegen den das Verfahren eingestellt worden war, bezeichnete er als bestes Beispiel dafür, wie schnell man reinrutschen kann.

Aufgekommen war die spontane Demonstration, als bei einem Prozess in Augsburg ein Handy beschlagnahmt wurde, weil damit im Gerichtsgebäude gefilmt worden war. Bei der Untersuchung der Daten tauchten Bilder von eben dieser Demo und einigen Sachbeschädigungen in Mering auf. Die für diese rechten Schmierereien verwendeten Spraydosen hatten der 20-jährige und der 22-jährige Angeklagte zusammen mit zwei anderen gekauft. Laut dem 23-jährigen Zeugen eigentlich mit dem Ziel, Banner zu besprühen. Doch vorwiegend er selbst habe die Sachen zweckentfremdet und unter anderem eine Lärmschutzwand in Mering großflächig besprüht. Auch die Schmierereien auf Stromkästen und das Anbringen von Aufklebern von den Nationalisten Mering gingen auf sein Konto, beteuerte der 23-Jährige. Wer wann dabei gewesen sei, könne er nicht mehr sagen.

Dennoch sahen sowohl Staatsanwältin Kerstin Koch als auch das Schöffengericht eine Beteiligung der beiden verbliebenen Angeklagten, die die Sachbeschädigungen teilweise auch einräumten. Beide wurden wegen gemeinschaftlicher Volksverhetzung, gemeinschaftlicher Sachbeschädigung und Beihilfe zu einer Woche Dauerarrest, 80 Sozialstunden und 400 Euro Geldauflage für den Verein „Tür an Tür“ verurteilt.

Wichtig war den Schöffen dabei die soziale Komponente – die Angeklagten sollen mit Migranten zusammenarbeiten. Dass sie von der rechten Szene Abstand genommen haben, schien dem Gericht glaubwürdig.

20.12.2011 | 12:32 Uhr - von Verena Golling

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