WEBCAM   | RSS   | ANZEIGEN   | GESCHÄFTSKUNDEN
 
StadtZeitung Logo

  
Twitter   
Facebook   

Mering

Asylbewerber hoffen auf ein normales Leben


In Mering erfahren Asylbewerber Hilfe von vielen Seiten. So ist der Afghane Aziz-Ahmad Farah oftmals als Dolmetscher unterwegs, um seinen Landsleuten beizustehen.

Abwarten und Geduld haben heißt es für die Flüchtlings-Familien, die seit 40 Tagen in der Pension Niedermaier leben. Abwarten, ob sie in Mering und überhaupt in Deutschland bleiben können, hoffen auf ihre Anerkennung als Asylanten und dann vielleicht auf Arbeit und ein ganz normales Leben ohne Angst.

  • Hoffen auf ein normales Leben Hoffen auf ein normales Leben
    Nicht nur als Dolmetscher ist Aziz-Ahmad Farah (2. von rechts) unentgeltlich für seine Landsleute tätig.
    Foto: Heinz Hollwang
Bild von

„Wir geben uns große Mühe zu helfen“, sagt Christian Auner vom Aichacher Landratsamt, der zweimal pro Woche ins Meringer Gesundheitszentrum an der Luitpoldstraße kommt. Dort steht er im Büro der Seniorenberatung als Ansprechpartner zur Verfügung, wenn die Asylbewerber Fragen oder Probleme haben. Doch selbst wenn die Verständigung auf Englisch einigermaßen klappt, kann Auner keine afghanischen Dokumente entziffern und ist deshalb froh um die Unterstützung von Aziz-Ahmad Farah.

Der Betreiber eines Gemüse- und Obstgeschäfts gegenüber des Rathauses kümmert sich in seiner Freizeit um seine Landsleute und ist stets zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht wird. Sogar als Geburtshelfer war er diesen Monat mit seiner Frau Gina im Einsatz: Die 16-jährige Mozuda Popalzai brachte im Friedberger Krankenhaus eine gesunde Tochter zur Welt und wurde von Familie Farah gefahren und betreut.

Ebenfalls unentgeltlich ist Ingrid Engstle im Einsatz, die in Mering mit ehrenamtlichen Helfern die Kleiderkammer und die Tafel für bedürftige Menschen organisiert. „Letzte Woche kamen zehn erwachsene Asylbewerber mit vier Kindern zur Essenausgabe“, berichtet sie. Normalerweise benötige man für die Tafel zwar einen Einkommensnachweis und eine Berechtigungskarte, „aber in diesem Sonderfall ist jede Bürokratie überflüssig“, sagt die seit Jahren engagierte Helferin. Schon vor 20 Jahren hatte sie sich um Asylbewerber in Mering gekümmert. Daraus entwickelte sich mit der Zeit ein Vollzeitjob, für den Engstle keinen Cent bekommt.

Nach der Ankunft der Flüchtlinge hatte Engstle im Dezember zwei Sondertermine in der Kleiderkammer ermöglicht, um die Familien mit warmer Winterkleidung zu versorgen. Während der regulären Öffnungszeit deckten sich Mozuda Popalzai und ihr Mann Omer mit Babywäsche für die kleine Marjan ein. Sie sind froh, dass ihnen in Mering auch jenseits von Behörden und Bürokratie geholfen wird. Denn die zahlreichen Gesetze und Vorschriften sind streng: Die Flüchtlinge dürfen den Landkreis nicht verlassen und ein Jahr lang nicht arbeiten. Sie haben bis zu ihrer Anerkennung nur eine sogenannte Aufenthaltsgestattung und bekommen laut Auner ein monatliches Taschengeld von 40 Euro, zweimal pro Woche gibt es von der Regierung von Schwaben bezahlte Essenspakete.

Das Warten in der Pension zehrt an den Nerven der jungen Männer, denn sie können kein Deutsch und bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nicht den ganzen Tag lang in Mering spazierengehen. „Wir bräuchten dringend jemanden, der uns die Sprache beibringt, damit wir in Zukunft auch ohne Dolmetscher zurechtkommen“, sagt der 30-jährige Aamid Elias auf Englisch. Und Omer Popalzai ergänzt: „Alles, was wir uns wünschen, ist eine eigene Bleibe und Arbeit in Deutschland.“

Viele der Flüchtlinge aus Afghanistan haben ein schweres Schicksal hinter sich: Einer der Männer wurde bei einem Bombenanschlag verletzt und von Aziz-Ahmad Farah zum Augenarzt in Mering begleitet. „Seit 40 Tagen bin ich ständig unterwegs, um zu helfen“, erzählt er. Auch sein 15-jähriger Sohn Baktasch steht den Flüchtlingskindern bei, welche die Grund- und Mittelschule besuchen.

Die Kinder unterliegen ganz normal der Schulpflicht und wurden gemäß dem Schulsprengel an die zuständigen Einrichtungen verteilt. Zwei hätten eigentlich an die Mittelschule gehen sollen, ein Kind wurde jedoch gleich zurückgestuft auf die Grundschule. „Einen Schüler haben wir jetzt in die siebente Klasse aufgenommen“, berichtet Rektorin Ingeborg Pfaffinger. Die Luitpoldgrundschule startete nach den Weihnachtsferien mit sechs neuen Schülern, die kein Wort Deutsch verstehen. Drei stammen aus Afghanistan – drei aus Serbien. An drei Vormittagen werden die Kinder für eine Stunde mit der Förderlehrerin aus den Klassen genommen – dafür hat das Schulamt Aichach-Friedberg zwei zusätzliche Förderstunden bewilligt.

Die herzliche Aufnahme der Asylbewerber in der Marktgemeinde, die Mitte Dezember von einem offiziellen Empfangskomitee begrüßt wurden, würdigt sogar Landrat Christian Knauer. Denn im nördlichen Landkreis regt sich Widerstand gegen ein Asylbewerberheim für bis zu 65 Bewohner im Aichacher Sisi-Hotel: Viele Unterwittelsbacher Bürger befürchten ein „Ghetto“ in ihrem Stadtteil, wenn die Pläne der Regierung von Schwaben Wirklichkeit würden. Deshalb hat eine Bürgerinitiative an Stadtoberhaupt Bürgermeister Klaus Habermann 374 Unterschriften gegen die Größe der Unterkunft übergeben.

Der Aufenthalt der Flüchtlinge in Mering ist längstens für drei Monate gedacht. „Wie es danach für uns weitergehen wird, wissen wir nicht“, sagt Aamid Elias. Falls sie anerkannt werden sollten, geht nach Engstles Erfahrung die Arbeit erst richtig los: „Dann müssen Möbel, Wohnungen und Arbeitsstellen besorgt werden!“ Aber dank der ehrenamtlichen Helfer dürfte auch das kein unüberwindliches Problem darstellen.

24.01.2012 | 15:07 Uhr - von Heinz Hollwang

Facebook     
drucken    dots   versenden  dots   Kontakt




zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Neuen Kommentar schreiben

Betreff / Kommentartitel:
Kommentartext:

Sie dürfen noch  Zeichen als Text schreiben

 
BITTE MELDEN SIE SICH AN, UM IHREN KOMMENTAR ZU SENDEN.
Für nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
E-Mail:
Anrede:
Frau Herr  
Vorname:
Nachname:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10-3?: 



 
Das könnte Sie auch interessieren
Friedberg fordert Verlängerung für Linie 6
Friedberg fordert Verlängerung für Linie 6
Für nicht mehr als ein müdes Schmunzeln bei Vertretern des Augsburger Verkehrsverbund (AVV) sorgte der Vorschlag von Peter Feile (SPD), der im Rahmen der Diskussionen um die Fortschreibung des Regionalen Nahverkehrsplans forderte, die Linie 6 bis ... » mehr

Lichtblicke für das Wittelsbacher Schloss
Lichtblicke für das Wittelsbacher Schloss
Für die Grünfläche rund um das Wittelsbacher Schloss stand der Friedberger Stadtrat vor drei Alternativen. Zur Debatte standen eine Komplettrodung, eine Teilrodung oder einzelne Lichtungen. » mehr

Sicherheit steht in Friedberg an erster Stelle
Public Viewing: Sicherheit in Friedberg steht an erster Stelle
Das sogenannte „Public Viewing“ hat in den vergangenen Jahren Einzug in die deutschen Städten gehalten. Der Jugendclub Friedberg wollte diesen Trend ebenfalls aufgreifen und beantragte in der vergangenen Stadtratssitzung das ... » mehr

Vorverkauf für "herzwärts" in Friedberg läuft
Vorverkauf für "herzwärts" in Friedberg läuft
Einen „kulturellen Leckerbissen“ verspricht Frank Büschel, verantwortlich für die Kultur bei der Stadt Friedberg. Die Open-Air-Reihe „herzwärts“ lädt wieder zu einem bunten Strauß an hochkarätigen Veranstaltungen. » mehr

Polizeikontrolle
Tödlicher Polizeieinsatz: "Weder ein Irrer noch ständig aggressiv"
Der von einem Polizisten am Sonntagabend in Aichach erschossene 47-Jährige sei ein "sehr verschlossener Mensch" gewesen, der zwar aufbrausend sein konnte, doch "vorher noch nie so ausgerastet ist". » mehr


TOPAKTUELLE NACHRICHTEN

StadtZeitung WebCam
StadtZeitung WebCam

Zur Großansicht der Webcam bitte auf das Bild klicken!





BILDER DER WOCHE
Deutsche Meisterschaft im Bodybuilding
Duanne Moeser präsentiert McPanther
M-net Firmenlauf
Eröffnung Theatertage 2012

AKTUELLES VIDEO
Das aktuelle Video:
Trailer - Lachsfischen im Jemen



TOP 5 ARTIKEL

FRAGE DER WOCHE

Lade TED
 
Ted wird geladen, bitte warten...
 


QUALITÄTSMANAGEMENT
Sollten Sie die StadtZeitung wider Erwarten nicht zuverlässig bekommen, wenden Sie sich bitte an unser Qualitätsmanagement:

STADTZEITUNG
Konrad-Adenauer-Allee 11
86150 Augsburg, Deutschland
Telefon: 08 21 / 50 71 - 703
e-Mail: QM-Vertrieb@stadtzeitung.de
Wir kümmern uns sofort darum!