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Friedberg

Barrierefrei ohne Mauer


Das Provinzialat der Pallottiner in Friedberg wird grundlegend saniert

„Zukünftig soll keine Mauer mehr die Besucher empfangen“, erklärt Architekt Markus Weinkopf die Idee eines der grundlegenden Gestaltungselemente am Sitz der Pallottiner in Friedberg. Der Münchener Architekt koordiniert mit seinem Büro die Baumaßnahmen, die derzeit auf Hochtouren laufen.

  • Barrierefrei ohne Mauer Barrierefrei ohne Mauer
    So wird der neu gestaltete, gläserne Eingangsbereich aussehen, der spätestens ab 2013 die Gebäudeteile des Provinzialats barrierefrei miteinander verbindet.
    Foto: Fotomontage: Entwurf Lehneis Architekten/Visualisierung: Schätzler Architekten
Bild von

Die Gemeinschaft der Pallottiner geht auf eine Gründung des römischen Priesters Vinzenz Pallotti in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Die katholische Männergemeinschaft mit Hauptsitz in Rom ist weltweit tätig. 2007 haben sich die norddeutsche und die süddeutsche Provinz sowie die österreichische Regio zusammengeschlossen. Das Provinzialat der neu entstandenen Herz-Jesu-Provinz der Pallottiner ist in Friedberg beheimatet.

Die Neugestaltung der bestehenden Anlage in der Vinzenz-Pallotti-Straße ist auch Ausdruck dieses Zusammenschlusses. Gleichzeitig soll die Provinzverwaltung an der Friedberger Straße in Hochzoll zukünftig in die bestehende Friedberger Anlage integriert werden. Den Auftrag für die Realisierung erhielten die Münchner Lehneis Architekten. Sie planten und koordinieren die Baumaßnahmen, die spätestens Anfang 2013 komplett abgeschlossen sein sollen.

Seit Oktober vergangenen Jahres gleicht das Provinzialat einer großen Baustelle. An allen Ecken des mit den Jahren durch Anbauten immer verschachtelter gewordenen Gebäudekomplexes wird derzeit gearbeitet. Grundidee ist, den Eingangsbereich im Innenhof des Gebäudes komplett neu zu gestalten. Ein bestehender Graben von vier Metern Breite zwischen Gebäude und Tiefgarage dient dazu, einen gläsernen Verbindungsgang über die gesamte Hausbreite zu schaffen, der zukünftig mehrere Gebäudeteile miteinander verbinden soll. Zudem wird der gesamte Komplex barrierefrei gestaltet.

Für Weinkopf ist das ein klares Signal der Offenheit und unabdingbare Maßnahme in heutigen Bauwerken. Die Aufgabe jedoch schafft die meiste Arbeit überhaupt. Denn im gesamten Gebäude befinden sich Treppen, die bisher die unterschiedlichen Ebenen miteinander verbinden. Rampen und Angleichungen bei den Raumhöhen sollen zukünftig durchgehende Ebenen schaffen. Zudem werden zwei Aufzüge installiert.

Auch das Herzstück der Anlage – die Kirche – erhält ein komplett neues Gesicht. Die Bankreihen weichen zukünftig einem Stuhlkreis um den Altar. Dieser dient dazu, dass sich die Gläubigen um den Priester herum versammeln. Der renommierte österreichische Künstler Leo Zogmayer kümmert sich um die Innengestaltung der Kirche und schafft unter anderem neu gestaltete Fenster. Keine Bilder sollen mehr ablenken. Die Besinnung auf die Gemeinschaft untereinander und mit Christus soll mit der neuen Gestaltung in den Vordergrund rücken.

Die Anordnung der einzelnen Gebäudekomplexe soll klarer strukturiert werden. Kürzere Entscheidungswege und klare Abtrennungen zwischen den Wohnbereichen der Patres, der Arbeitsbereiche und der Kirche sollen Ordnung in das Haus bringen. Im Zufahrtsbereich, in dem die bisherige Mauer zugunsten einer einladenden Offenheit weichen soll, entstehen Parkplätze. Dafür sollen zukünftig im neu gestalteten Haupteingangsbereich mit einer repräsentativen Glasfront keine Autos mehr parken. Wo bislang purer Asphalt das Bild prägte, wird eine Auffahrt mit grüner Oase entstehen und auch im Nachbarhof wird der graue Beton einer begrünten Innenhoflandschaft weichen.

„Eine sehr gute, offene Zusammenarbeit erlebe ich hier“, berichtet Weinkopf über seine Arbeit bei und mit den Pallottinern. Sicherlich bringt der Architekt als ausgebildeter Mediator auch die notwendige Ausgeglichenheit mit auf die Baustelle, denn „gerade auf Baustellen, in der unterschiedlichste Strukturen aufeinandertreffen, ist diese ausgleichende Fähigkeit von großer Hilfe“, so der Architekt.

Aktuell sind wichtige Verwaltungsteile im Gästehaus untergebracht, doch schon in wenigen Wochen beziehen die ersten Mitarbeiter ihre neugestalteten Räume. Unterdessen wird Weinkopf und sein Team, das aus überwiegend regionalen Handwerksbetrieben besteht, mit Hochdruck daran arbeiten, alles fristgerecht fertigzustellen. Schließlich soll am 20. Januar 2013 die Kirche auf den Heiligen Vinzenz Pallotti geweiht werden. Pünktlich zum 50. Jahrestag der Heiligsprechung Pallottis bekommt die Kirche dann den Namen, den viele Bürger ihr bereits gegeben haben.

 

19.01.2012 | 10:33 Uhr - von Florian Winkler-Ohm

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