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Kissing

Feuriger Freizeitspaß


Das Schmieden von Messern und Ringen fasziniert Roland Walter.

Feuer und Hitze, Kohle und Kraft braucht Roland Walter für sein traditionsreiches Hobby: In der alten Kissinger Dorfschmiede fertigt er in seiner Freizeit spezielle Messer und Ringe. Er bringt Interessenten in Tageskursen die Grundlagen dieses Handwerks bei.

  • Feuriger Freizeitspaß Feuriger Freizeitspaß
    Der Lufthammer erleichtert Roland Walter die Arbeit
    Foto: Heinz Hollwang
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„Meine Begeisterung für diese Arbeit wurde geweckt, als ich einem Schmied über die Schulter schaute, der bei einem Dorffest einen Nagel schmiedete“, erzählt der gelernte Großhandelskaufmann. „Weil ich nie zufrieden war mit der Schneidleistung meiner teils teuren Industriemesser, habe ich mich intensiv mit diesem Thema beschäftigt.“ Es folgten ein Messer- und ein Werkzeugschmiedekurs sowie die Gewerbeanmeldung als Schneidwerkzeugmechaniker. „Fast jeden Tag beschäftige ich mich mit dieser Technik“ sagt er, „denn es gibt immer etwas Neues zu entdecken und auszuprobieren.“ Der 33-Jährige schmiedet spezielle Damastmesser und in Zusammenarbeit mit der Meringer Goldschmiedemeisterin Ulrike Petrak-Schmid auch Ringe in aufwendiger Mokume-Gane-Technik. Diese Bezeichnung aus dem Japanischen charakterisiert das typische Aussehen der Schmiedeteile: Mokume bedeutet „Holzmaserung“ und Kane „Metall“.

Das Ausgangsmaterial für Mokume Gane, auch als Schichtblock bezeichnet, entsteht aus dünnen Edelmetallplatten, die durch Diffusionsschweissen miteinander verbunden werden. Ein so genannter Lufthammer gehört zu den wenigen modernen Geräten, die Walter verwendet, ansonsten arbeitet er wie vor 150 Jahren an Amboss und Esse und stellt seine Werkzeuge selbst her. „Bei Mokume-Gane werden bevorzugt Metalle und Metalllegierungen kombiniert, die anschließend ein möglichst kontrastreiches Muster ergeben“, schildert er. Damaszener-Stahl, der auch diese Struktur aufweist, wird im Feuer geschweisst und mit Hammerschlägen am Amboss verbunden.

Nicht nur die Jäger in Kissing freuen sich über Produkte aus Walters Werkstatt, auch wenn diese teurer sind als herkömmliche Industrieware. Die aufwendige Handarbeit kann bis zu 40 Stunden für ein Messer bertragen. „Es ist immer wieder faszinierend, wie aus einem Stück Stahl mit einfachsten Mitteln ein Kunstwerk entsteht“, sagt er. Die ersten Ideenskizzen für ein neues Messer, der Umgang mit dem glühenden Material, die Freude über ein gelungenes Werkstück – das alles begeistert den Kissinger seit vielen Jahren. Die Griffe werden aus Holzklötzen geschnitzt oder gefeilt, die Klingen geschmiedet, geschliffen und gehärtet, die Scheiden aus einem Stück Leder geschnitten und genäht, den auch diese stellt der Schmied selbst her.

02.02.2012 | 19:55 Uhr - von Heinz Hollwang

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