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Mering

Gemeindearchiv in Mering weiter im Aufbau


Oft ist für die Zuordnung einzelner Dokumente echte Detektivarbeit nötig. Hildegard Kolbeck und Helmut Rischert sind in Mering dafür zuständig.

Ihr 100-jähriges Bestehen feiert die Marktgemeinde mit einem großen Fest, doch ein Archiv über diese Zeitspanne oder die Jahre davor gibt es in Mering bisher nicht. Mit seinem Aufbau nach dem sogenannten Einheitsaktenplan sind Hildegard Kolbeck und Helmut Rischert schon seit 2006 beschäftigt.

  • Arbeiten am Meringer Gemeindearchiv Arbeiten am Meringer Gemeindearchiv
    Alte Archivunterlagen sortieren Hildegard Kolbeck und Helmut Rischert im Dachgeschoss des Meringer Rathauses.
    Foto: Heinz Hollwang
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Woche für Woche sichten und sortieren sie unzählige Belege, Rechnungen, Protokolle und andere Dokumente, die für die Nachwelt von Interesse sein könnten. „Sie glauben gar nicht, was wir schon alles gefunden haben“, sagt der Kreisarchivpfleger und deutet auf einen imposanten Aktenordner mit alten Unterlagen. Im eigens dafür hergerichteten Dachgeschoss des Bauhofs schlucken die beiden immer wieder Staub und leisten „Detektivarbeit“, wie sich Rischert ausdrückt. Denn oft gebe es Hinweise auf weiteres Material und Anlagen, die aber liegen nicht mit dabei. Oder sie finden sich erst später oder in einem anderen Akt.

Das umfangreiche Material war jahrzehntelang im Keller des Rathauses gelegen, worunter die Papiere erheblich litten. 95 große und 50 kleine Umzugskartons füllte es 2006, heute liegt das Material in Regalreihen, die nach dem Einheitsaktenplan in zehn Hauptgruppen nummeriert sind: von der allgemeinen Verwaltung und dem Personenstandswesen über kirchliche und soziale Angelegenheiten bis zu Fischerei, Forst und Finanzwesen.

Rischert und Kolbeck ärgern sich immer wieder darüber, wie die Akten zusammengestellt wurden: „Wir müssen praktisch jedes Blatt in die Hand nehmen, lesen und neu zuordnen.“ Deshalb dauere die Arbeit auch so lange. Unterlagen, die nicht komplett sind, sind an der Tagesordnung. Die ältesten Dokumente stammen aus dem Jahr 1833 und reichen in ihren Angaben noch drei Jahre zurück. Die ältesten Unterlagen über das Vereinswesen datieren ins Jahr 1849.

Brisantes Material gibt es laut Rischert auch – und er empfiehlt der Gemeinde dringend, künftige Forschungen nur unter Aufsicht zuzulassen. Hier ist an erster Stelle natürlich die Zeit des Nationalsozialismus anzuführen. Wobei Rischert Bürgermeister Benno Wagner in ein besseres Licht rückt, als dies bisher bekannt war. „Er musste damals die konfessionell gebundenen Kindergärten auflösen. In den Unterlagen fanden wir einen sehr netten Dankesbrief, den er den Klosterschwestern geschrieben hat.“ Der Brief fand sich unter „Ehrungen“ – und da gehörte er laut Rischert nun wirklich nicht hin.

Er räumt auch mit dem „Märchen“ auf, die Amerikaner hätten damals Akten vernichtet. „In Schmiechen haben wir einen Schrieb im eigenen Schularchiv von Oberlehrer Fischer gefunden von den Nazis selber. Auf diesem stand der Befehl, sämtliche Akten einschließlich dieses Schriebs zu vernichten. Es waren also die Nazis selber.“ Wobei es unterschiedlich ist, wie gründlich diese Vernichtungsaktion war. In Mering ist aus den Jahren 1993 bis ‘45 etliches an Unterlagen vorhanden.

Quasi als Nebenprodukt des jahrelangen Sortierens fiel eine verblüffende Erkenntnis ab. Zwei Meringer Vereine haben im Jahresabstand nacheinander Jubiläum gefeiert, beide fühlen sich 100 Jahre alt: der Turn- und Stemmclub 1907 und der Turnverein 1908. In einem unscheinbaren Hefter aber fand sich eine ganz andere, bislang unbekannte Angabe. In einer Auflistung aller Ende des 19. Jahrhunderts bereits existierenden Vereine (mit Hinweis auf den Vorsitzenden, Statuten und so weiter) steht an 4. Stelle: „Turnverein Mering, gegründet am 14. März 1885“. Unklar blieb allen Beteiligten, ob dieser Vorgängerverein „Urvater“ für beide heutigen Gruppierungen ist oder nur für eine. Die wäre dann wesentlich älter als bisher gedacht. Denn beim TVM mischte auch ein „Athletenclub Bavaria“ bei der Gründung mit. Rischert fand in dem unscheinbaren Hefter noch ein Blatt, das diesen Bezug dokumentiert. Er empfahl den Vereinen, erst einmal alle Unterlagen genau zu sichten.

Wieweit das Archiv auch in hundert Jahren noch existieren wird, ist fraglich: Denn PC-Ausdrucke und das säurehaltige Kopierpapier wird es dann wohl ebenso wenig geben wie CDs und die Lesegeräte dafür.

12.07.2012 | 17:17 Uhr - von Heinz Hollwang


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