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Friedberg

Türkische Gemeinde in Friedberg fühlt sich verletzt


Provokation in der Kunst


Eine Grafik der Ausstellung „Stadt.Geschichte.Zukunft“ im Friedberger Stadtarchiv sorgt für Ärger. Die türkisch-islamische Gemeinde fühlt sich von der Darstellung angegriffen. Der Künstler änderte nun den Schriftzug auf dem Pullover des Jungen ab.

  • Verletzende Kunst Diese Grafik, die im Rahmen der Ausstellung „Stadt.Geschichte.Zukunft“ im Stadtarchiv Friedberg ausgestellt wurde, ist der Stein des Anstoßes.
    Foto: Hubert Brobst
Bild von

Dass Provokation ein Mittel der Kunst ist, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Was in der Ausstellung "Stadt.Geschichte.Zukunft" im Friedberger Stadtarchiv gezeigt wurde, ging einigen aber doch zu weit. Auf einem der Bilder ist eine muslimische Familie zu sehen, die eine Schwarz-Weiß-Fotografie betrachtet. Der Junge der Familie trägt einen roten Pullover mit der Aufschrift "Osama".

Das geht der türkisch-islamischen Gemeinde Friedberg und dem türkischen Bildungs-, Integrations- und Kulturverein aus Friedberg entschieden zu weit. In einem Schreiben an die Veranstalter machte Ibrahim Mestanlaroglu im Namen der beiden Verbände auf das provozierende Bild aufmerksam. „Natürlich ist das Darstellen von Extremen ein Mittel der Kunst, gegen das freilich nichts einzuwenden ist, und daher wenden wir auch nichts gegen ihre Wahl dieses Bildes einer muslimischen Familie ein“, teilt Mestanlaroglu mit. „Jedoch ist es inakzeptabel, diesem Kind auf dem Bild den Schriftzug ,Osama‘ auf seinem Pullover hinzuzufügen, welches doch wohl ein klarer Bezug zu dem Terroristen Osama bin Laden ist“, erklärt er seine Empörung.

Der Schriftzug auf der Brust des Kindes stellt Mestanlaroglus Meinung nach eine direkte Verbindung zwischen dem Islam und Osama bin Laden her, wodurch suggeriert werde, dass jeder Muslim ein Sympathisant dieses Terroristen sei. Die beiden Vereine sind überzeugt, dass das ihrer jahrelangen Integrationsarbeit in Friedberg schadet.

Der Kulturverein und die türkisch-islamische Gemeinde in Friedberg fordern deshalb eine Stellungnahme des Künstlers und eine Erklärung, warum gerade dieses Bild in der Ausstellung zu sehen ist. Mestanlaroglu weist im Namen der beiden Vereine aber auch darauf hin, dass er von der Ausstellung „sehr angetan“ war und sie sehr interessant fand.

Die Stadt Friedberg hat in der Zwischenzeit Kontakt zur Kuratorin Carla Brobst aufgenommen. Frank Büschel, Pressesprecher der Stadt, sagte, dass sie gebeten wurde, die Grafik entweder abzuhängen oder so abzuändern, dass die Aussage des Bildes unzweifelhaft rüberkommt. Für Büschel ist es „nachvollziehbar, dass die Darstellung als provokant und verletzend wahrgenommen wird“.

Die Kuratorin und ihr Vater Hubert Brobst haben in der Zwischenzeit in der Angelegenheit Stellung bezogen und sich entschuldigt. „Die Absicht lag darin, kritisch die häufig vorkommende westliche Ansicht zum Islam darzustellen. Eigentlich sollte es eine Kritik an unserer Gesellschaft sein und auch an der Angst der Überfremdung“, erklärt Hubert Brobst die Grafik. Dass er die Gefühle der türkisch-islamischen Gemeinde nicht in Betracht gezogen habe, sei sein Fehler. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte er, dass er nie gedacht habe, dass diese Darstellung verletzend sein könnte. Carla Brobst erklärt den Schriftzug folgendermaßen: „Der Name Osama ist klischeehaft, aber eben nur genau das: Ein Klischee. (...) Der Betrachter verbindet im ersten Gedanken diesen Namen höchstwahrscheinlich mit dem typischen Klischee, doch genau das sollte ihn sich selbst bei diesem falschen Gedankengang ertappen lassen und zum Nachdenken bringen. Ich denke das geht auch auf, da dieser „kleine Osama“ eben ein Kind ist, und kein Kind ist böse. Im Kind versteckt sich kein Osama bin Laden.“

Der Schriftzug "Osama" wurde von Hubert Brobst nun abgeändert in "Obama".

20.06.2012 | 13:46 Uhr - von Clarissa Pfänder
Foto: Hubert Brobst


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