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Friedberg

Warmes Essen nach Ostern


Stadtrat bestätigt Mensalösung in der Kleinen Sporthalle für die Schüler der Grund- und Mittelschule Friedberg. Eine hitzige Diskussion führt letztendlich zum Mehrheitsbeschluss.

Die Mensa entsteht in der Kleinen Sporthalle. Das ist das Fazit einer nahezu zweistündigen Diskussion, in der sich vergangenen Donnerstag der Stadtrat über die Zukunft der Mittagsbetreuung für die Schüler der Grund- und Mittelschule Friedberg einigte.

  • Warmes Essen nach Ostern Warmes Essen nach Ostern
    Auch Schulleiterin Magdalena Singer kam zu Wort und bat um eine schnelle Lösung für die Mittagsbetreuung der Kinder.
    Foto: Florian Winkler-Ohm
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Restlos überfüllt war der Sitzungssaal im Friedberger Rathaus, denn auch Schulleiter und Eltern wollten „endlich eine Entscheidung in der Sache.“ Bereits im Vorfeld erklärten viele Eltern, sie seien „angekäst“ und stellten dem Stadtrat einen klaren Auftrag: „Entscheiden Sie was Sie für richtig halten, nur um Gottes Willen, entscheiden Sie endlich.“

Doch die Entscheidung machte sich der Stadtrat nicht gerade einfach. Obwohl das Thema bereits im vergangenen Jahr auf der Tagesordnung stand, entschied man sich für eine „Denkpause“ in der Sache. Mit 18 zu elf Stimmen wurde für die Lösung des Umbaus der kleinen Sporthalle abgestimmt.

„Never ending story“ titulierte auch Friedbergs Bürgermeister in seiner Rede die Angelegenheit und forderte eine Lösung für den „nur schwer ertragbaren Zustand für Schulkinder, Lehrkräfte und Eltern.“ Kinder seien zwischenzeitlich aus Platzgründen bereits gezwungen, an der Kante eines Pults im Physiksaal ihr Mittagessen einzunehmen. „Ich werde Ihnen heute keine Pläne zeigen“ stellte Baureferent Carlo Haupt klar. Auch wenn es sich um eine 1-B-Lösung handelt, forderte er entschieden auf, sich für die Lösung des Umbaus der kleinen Sporthalle zu entscheiden. Einem Vorschlag dem das Stadtrats-Ehepaar Martha und Franz Reißner gar nicht folgen wollten. Beide hatten die „Denkpause“ genutzt und sich in Augsburg-Göggingen den Neubau einer Mensa angesehen, der für 1,2 Millionen Euro in nur einem Jahr realisiert werden konnte. „Da sieht man, wie man es anders machen kann“, mahnte Reißner und sieht auch die vielen kleinen Veranstaltungen, die bisweilen in der Kleinen Sporthalle stattfinden in Gefahr. Elternabende, Theateraufführungen, Filmvorführungen, das Treffen des Alpenvereins, die städtische Bürgerversammlung und der Jugendclub wären nach Auffassung von Martha Reißner betroffen.

Wolfgang Rockelmann wollte nicht die Behauptung im Raum stehen lassen, dass von April 2011 bis jetzt nichts passiert sei und erklärte gleichzeitig „es kann nicht angehen, dass wir im Stadtrat die Aufgaben vom Schulamt und von der Regierung übernehmen.“ In seiner Fraktion herrschte aber keine Einigkeit über die Abstimmung.

„Völlig anderer Meinung“ in der Sache war der zweite Bürgermeister Roland Fuchs. Er favorisierte deutlich einen Neubau und rechnete dem Baureferenten vor, dass die Renovierung der Turnhalle mit fünf Euro pro Quadratmeter zu Buche schlage, während Neubauten bereits für drei Euro pro Quadratmeter zu haben seien, denn „völlig unökonomisch“ sei das Vorhaben. „Wenn das die Zukunft von Friedberg ist, sind wir auf einem anderen Stern beheimatet.“

Haupt, der daraufhin erklärte „vom anderen Stern zu kommen und nicht hexen zu können“ unterstellte Fuchs ein „Meisterstück der Rhetorik“ und erklärte, dass, „die Berechnung falsch ist und Augsburg, das sonst seine Schulen vernachlässigt, deswegen gar nicht erwähnenswert ist“. Überdies könne man darüber nachdenken, nach dem Umbau der Kleinen Sporthalle zur Mensa eine kostengünstige neue Sporthalle zu errichten, sofern Bedarf sei.

„Wir müssen den Kindern endlich gerecht werden“ mahnte Johannes Hatzold von den Freien Wählern und erklärte „mit geballter Faust in der Tasche“ dem Vorschlag der Verwaltung zuzustimmen. Nach einigen weiteren Beiträgen und dem Vorwuf Richard Scharolds „der Bürgermeister hat es verschlafen, uns Vorgaben zu machen“ wurde beantragt, die weitere Diskussion zu beenden. Die darauf folgende Abstimmung führt schließlich dazu, dass die Kleine Sporthalle nunmehr zur Mensa für die Schüler umgebaut werden kann. Das erste Essen soll bereits nach den Osterferien 2012 dort ausgegeben werden.


Florian Winkler-Ohm
KOMMENTAR
von Florian Winkler-Ohm


Friedberger Dschungelcamp

In der zukünftigen Friedberger Mensa geht es mit Wahrscheinlichkeit gesitteter zu als im Friedberg Stadtrat. Den Eindruck durfte man auf jeden Fall gewinnen, wenn man die letzte Debatte um die geplante Umnutzung der Kleinen Sporthalle verfolgte. Auch wenn manche Stadträte in ihren Beiträgen versuchten, die Kollegen zu bewegen, an die „Außenwirkung“ des Stadtrats zu denken, ließen sich die meisten Redner davon nicht beirren.
„Wie in einem großen Kindergarten“ sagte ein anwesendes Elternteil. „Das ist das Dschungelcamp von Friedberg“ kommentierte ein anderer Besucher. In der Tat hat sich der Friedberger Stadtrat hier einmal mehr von einer fragwürdigen Seite gezeigt. Nicht, dass man ihm die Schuld über die Debatte der Mensa und das lange Warten auf eine Lösung geben kann – hier haben sicherlich Verwaltung, Politik und alle Beteiligten seit geraumer Zeit gemeinsam versagt. Das ist nicht die Schuld des Stadtrats. Aber wie die Debatten qualitativ geführt werden, das schon. Wenn zudem ein leitender Verwaltungsangestellter wie Carlo Haupt dem zweiten Bürgermeister Roland Fuchs den „Verzicht auf öffentliche Zuschüsse“ vorwirft und aktiven Stadträten wie Familie Reißner unterstellt, den Sport über die Kinder zu stellen, wird über das Ziel hinausgeschossen. Wenn dann noch vorgeschlagen wird, dass nach dem Umbau der Sporthalle zu einer Mensa wieder eine Sporthalle gebaut wird, grenzt das schon an Ironie.
Fazit des Abends: Sowohl einige Angestellte der Verwaltung als auch einigen Stadtratsmitgliedern darf die baldige Fertigstellung der Mensa gewünscht werden – da werden sich in Sachen „respektvollem Umgang mit Gesprächspartnern“ einige Damen und Herren noch etwas von den Kindern abschauen können.

24.01.2012 | 13:13 Uhr - von Florian Winkler-Ohm

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