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Gersthofen

CSU Gersthofen nimmt Abstand zu Schantin


Nach umstrittenem Interview keine Rückendeckung mehr: Die Ortsverbands-Spitze empfiehlt Rathauschef, 2014 nicht mehr zu kandidieren.

Für Gersthofens Bürgermeister Jürgen Schantin wird es immer enger. Nachdem bereits die Stadtratsfraktion auf Distanz gegangen ist, nimmt auch die eigene Partei Abstand. Nach einer Vorstandssitzung des CSU-Ortsverbands teilt dieser in einer Presseerklärung mit, dass er mit großer Mehrheit Jürgen Schantin empfohlen habe, 2014 nicht mehr zu kandidieren.

  • Jürgen Schantin Jürgen Schantin
    Die eigene Partei hat ihm nun die Rückendeckung versagt. Bürgermeister Jürgen Schantin (CSU) blickt in eine ungewisse Zukunft entgegen.
    Foto: Siegfried P. Rupprecht
Bild von

Dieser Entscheidung sei eine intensive Diskussion mit dem Stadtoberhaupt voraus gegangen, so CSU-Ortsvorsitzender Matthias Götz. Dabei habe der Vorstand die Gesamtumstände ausführlich mit einfließen lassen und gewürdigt.

Wie bereits die CSU-Stadtratsfraktion distanziert sich damit auch der Ortsverband vom Interview des Bürgermeisters in der Juni-Ausgabe des „Augsburg Journal“. „Die dortigen Aussagen von Jürgen Schantin sind für die CSU nicht akzeptabel“, heißt es in der Pressemitteilung. Es sei aus Sicht des Ortsverbands allerdings ein Gebot der Fairness gewesen, Schantin Gelegenheit zu geben, die Umstände des Interviews persönlich in einer Sitzung unter Anwesenheit der Vorstandsmitglieder zu erläutern.

Auslöser der Reaktion des CSU-Ortsverbands war – wie mehrfach berichtet – ein Interview, in dem der amtierende Bürgermeister mit Nachdruck Kritik am Verhalten seines Amtsvorgängers und Widersachers Siegfried Deffner übt. Darin spekulierte Schantin auch über die psychische Gesundheit Deffners. Weiter sprach er eine ehemalige Affäre mit der heutigen Frau von Siegfried Deffner an und berichtete freimütig über die Intensität dieser Beziehung. Auch Einzelheiten aus seiner ersten Ehe gab er preis.

Kritik äußerte Schantin auch am Rechnungsprüfungsausschuss. Die Arbeitsweise des parteiübergreifenden Organs sei „kleinkariert“ und er sei „Schnüffeleien“ ausgesetzt.

Auf das Interview wurde in Gersthofen entsetzt reagiert. Jürgen Schantin habe damit die Regeln des Anstands weit überschritten, hieß in Teilen der Bevölkerung. Auch die Opposition im Stadtrat sprach von einer groben Verletzung des Anstands und einer Herabwürdigung des Bürgermeisteramts. Wie groß der Druck auf die CSU-Spitze war, zeigt der Hinweis von CSU-Chef Matthias Götz: „Die Öffentlichkeit erwartet zu Recht eine Antwort darauf, wie der Ortsvorstand damit umgeht.“ Die Empfehlung der Christsozialen an den Bürgermeister, nicht mehr zu kandidieren, kam jetzt drei Wochen nach dem umstrittenen Interview.

Für Jürgen Schantin heißt das, dass er bei der CSU keine Chance mehr auf eine erneute Bürgermeisterkandidatur erhält und ihm somit spätestens am Ende seiner Amtszeit in zwei Jahren das Aus droht. Vor dem nunmehrigen Beschluss des Ortsverbands hatte Schantin noch verkündet, 2014 für eine erneute Legislaturperiode anzutreten. Nun habe er sich Bedenkzeit erbeten, teilt Ortsvorsitzender Matthias Götz mit.

25.06.2012 | 11:43 Uhr - von Siegfried P. Rupprecht


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