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Königsbrunn

Die Rendite steht im Wind


Zwei Verfechter der Windenergie berichteten über die Chancen dieser Form der erneuerbaren Energie und deren Gefahren. Grundlage für eine Standortentscheidung muss ein Windgutachten sein.

Wird in der Region um Königsbrunn bald ein erstes Windkraftwerk entstehen? Der Informationsbedarf ist parteiübergreifend groß. Letztlich geht es auch um die Frage, ob der Landkreis den Kommunen die besten Standorte für eigenes Engagement nutzt.

  • Die Rendite steht im Wind Die Rendite steht im Wind
    Für sie hat die Windenergiegewinnung eine gute Zukunft: Eduard Belotti, Franz Reiter und Alwin Jung (Bündnis 90/Die Grünen) (von links). Als Bürgerprojekt realisiert könnten Bürger mehrfach von wohnortnaher Windenergiegewinnung profitieren, auch finanziell, meinen sie.
    Foto: Lutz Neumann
Bild von

Bündnis 90/Die Grünen hatten zu einem Informationsabend eingeladen, dem auch etliche Stadträte folgten. Autofahrer auf dem Weg nach Kempten kennen sie, die neun Windkraftwerke auf dem Höhenzug neben der Bundesstraße 16 bei Kraftisried/Wilpoldsried. Von dort berichtete der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes Windenergie und mehrfache Geschäftsführer von Anlagenbetreibergesellschaften Franz Reiter. Der Windpark wurde an der Grenze zwischen den Landkreisen Oberallgäu und Ostallgäu errichtet und gilt heute als Aushängeschild für die Nutzung von Windenergie in Schwaben. Auch eine Gruppe von Bürgermeistern und Interessierten war im vergangenen Jahr vor Ort, um zu sehen, was Investoren und Bürger gemeinsam stemmen können.

1999 wurde die erste Windkraftanlage auf dem Höhenrücken installiert, erinnerte Reiter. Jetzt stehe das zehnte Windkraftwerk an. Wieder hätten sich die lokalen Politiker für einen Investor statt die eigenen Bürger entschieden. Dabei hätten sie gute Erfahrungen mit der Bürgerbeteiligung gemacht.

Die Stadt Königsbrunn hat in der aktuellen Haushaltsatzung einen Betrag von 200 000 Euro mit dem Vermerk „Stammkapital zur Energiebeteiligung“ eingestellt. Sicher scheint, dass Königsbrunn aufgrund seiner relativ windschwachen Lage keinen Windpark bekommen wird. Aber, Erster Bürgermeister Ludwig Fröhlich hatte es bereits vage angedeutet und Oberottmarshausens Erster Bürgermeister Gerhard Mößner wurde deutlicher, denkbar sei ein gemeinsames Windenergiekraftwerk, an dem sich neben Königsbrunn und Oberottmarshausen und Bobingen beteiligen könnte. Dort, auf dem Absatz oberhalb von Straßberg, wäre ein ertragreicher Standort denkbar.

Der Zusammenschluss von Kommunen ist nicht neu. In Obermeitingen trafen sich kürzlich die Gemeinderäte aus acht Dörfern und vier Landkreisen zum Gespräch über die gemeinsame Energiewende.

„Wenn die Abstandsmaße eingehalten werden, dann sehe ich keine wesentliche Beeinträchtigung“, meinte Reiter. Er selbst wohne rund 1200 Meter, sein Cousin etwa 700 Meter von dem Windpark entfernt. Bei tiefstehender Sonne könne es für ein paar Minuten Schlagschatten durch die Drehung der Rotorblätter geben, aber das dauere keine zehn Minuten, beschwichtigte Reiter mit seinen Erfahrungen.

Eduard Belotti, der Augsburger Ortsvorsitzende des Bund Naturschutz, erinnerte, dass die Energiewende kein Lippenbekenntnis sein dürfe. Ein Blick auf die Karte zeige, dass Oberottmarshausen heute bereits 64 Prozent seines Energieverbrauches regenerativ selbst produziere. In Königsbrunn seien es (in 2010, Anm. d. Red.) lediglich fünf Prozent. Der Zahlenvergleich berücksichtigt rein die Stromabnahme, nicht die Aufteilung auf Privat und Gewerbe. Belotti zeigte auf, dass die Flügel der Windkraftanlage nach dem selben Prinzip wie die eines Flugzeuges gebaut seien, also Antriebsläufer seien. Deshalb könnten die Anlagen bereits bei drei Metern Wind pro Sekunde laufen.

Den Bayerischen Windatlas nannte Belotti gut für einen ersten Überblick. Doch wenn sich eine Kommune oder eine Investorengruppe, beispielsweise Bürger, für ein gemeinsames Windkraftanlagenprojekt interessierten, dann kämen sie nicht um eine wenigstens halbjährige kontinuierliche Windmessung herum. Der Trend gehe zu höheren Naben und größeren Rotorblättern. In der Höhe seien die Winde stärker als auf dem Boden. Derzeit gehe der Trend zu Nabenhöhen von 140 Metern über Grund und einer Leistung von 3 MW, die sich bei 2000 Windlaststunden auf einen Ertrag von wenigstens 6 MW summierten. Diese werden über das Energieeinspeisungsgesetz gefördert. Eine Anlage könne sich, je nach eingebrachtem Eigenkapital binnen zehn Jahren amortisieren und dann für die Betreiber Gewinn bringen.

19.02.2012 | 09:31 Uhr - von Lutz Neumann

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