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Unterthürheim

Ein einsamer Kampf


Das Nachspiel um die rechtsradikalen Vorfälle in Unterthürheim geht weiter

Eine Gruppe Jugendlicher bedrohte eine dunkelhäutige Mutter in dem Ort Unterthürheim mit rechtsradikalen Sprüchen und Steinwürfen aufs Haus. Nun scheint einer aus der Gruppe auch an Gewalt- und Vandalismustaten beiteiligt gewesen zu sein. Doch noch immer klammern sich einige Unterthürheimer an die Vorstellung: Alles nicht so schlimm.

  • Ein einsamer Kampf Ein einsamer Kampf
    Bürgermeister Norbert Beutmiller ist sich sicher, richtig gehandelt zu haben, als er die dunkelhäutige Frau, die ihn um Hilfe bat, an die Polizei verwies.
    Foto: Rathaus Buttenwiesen
  • Gute Nachbarschaft statt Rassismus: Für einige junge und auch ältere Menschen in Unterthürheim ist das offenbar ein fremdartiger Gedanke.
    Dieter Schütz / pixelio.de
Bild von

"Je intensiver man quasi täglich versucht, jemandem zu vermitteln, dass etwas gar nicht so schlimm ist, desto mehr kann beim Gegenüber der Eindruck entstehen, dass etwas schlimm ist“, schreibt Jürgen Mayershofer auf seiner Facebookseite.  Er wolle andere zum Nachdenken anregen, sagt er.

Das, was manche lieber verharmlosen würden, sind jene massiven Bedrohungen durch eine Gruppe von Jugendlichen, die eine dunkelhäutige Mutter und ihre beiden Töchter zur Flucht aus dem Ort Unterthürheim getrieben haben. Das Haus war mit Eiern und Steinen beworfen worden, mit rechtsextremen Äußerungen wie "Rassenschande" wurde die Frau zu tiefst beleidigt.

Der 39-jährige Mayershofer war einer der ersten, der nach Bekanntwerden der Vorfälle klar Stellung bezogen hat. Für ihn handelt es sich nicht um „dumme Jugendstreiche“, wie manche dieses  Verhalten interpretiert hatten. Er sieht klar eine rechtsradikale Handlung und fordert die Verwaltung  Buttenwiesens und die Wertinger Polizei auf, schnell und effektiv zu handeln. Nachdem Mayershofer vor mehr als einer Woche zudem durch Sachbeschädigung an seinem Haus, wie viele andere Unterthürheimer auch, persönlich geschädigt wurde, hat Mayershofer nunmehr Strafantrag wegen Vandalismus und des Verdachts auf rechtsradikale Gewalt gestellt.

Mayershofer hat auch Angst um seine chinesische Freundin. „Kann der Gemeinderat mir die Sicherheit für sie garantieren?“,  fragt er. Innerhalb der Gemeinde wird die Sache inzwischen unterschiedlich betrachtet. Während sich Buttenwiesens Bürgermeister Norbert Beutmüller keines Fehlverhaltens bewusst ist, sehen einige Bürger die Sache anders. Die Tatsache, dass es in Unterhürheim zu derartigen Übergriffen kommen konnte, empfindet ein Bürger, der nicht namentlich genannte werden will (Name liegt der Redaktion vor),  als „extrem schlimm und beängstigend.“ Er hätte sich gewünscht, dass Bürgermeister Beutmiller die Eltern der betroffenen Jugendlichen einbestellt hätte, um ihnen „ordentlich den Kopf zu waschen“.

Eine Idee, die Beutmüller als unrealistisch bezeichnet. Er habe bereits am 19. Mai 2011 den Vorfall an die Polizei übergeben, die daraufhin aktiv geworden sei. Diese habe die vermeintlich schuldigen Jugendlichen damals eindringlich belehrt. Inzwischen wurden laut aktuellen Presseinformationen insgesamt drei Täter ermittelt, die im Zusammenhang mit den Sachbeschädigungen im Unteren Zusamtal stehen. Darunter befindet sich laut Auskunft auch der 17-jährige Täter, der mutmaßlich an dem Vorgehen  gegen die 33-jährige Mutter aus Unterthürheim beteiligt gewesen sein soll.

Zudem wird gegen ihn wegen Verstößen nach Paragraf 86 a, sprich Zeigen des „Hitlergrußes“,  und körperlicher Gewalttaten in Bliensbach ermittelt. Nach Auskunft der Polizei Wertingen gegenüber unserer Zeitung soll zum Abschluss der Ermittlungen in einer Pressemitteilung über Details informiert werden. Während den laufenden Ermittlungen sei jedoch eine klare Aussage nicht möglich.

Auch Mayershofer hat, trotz Zusage der Polizei in Wertingen, bislang keine Aussage über den bekannten Täter bekommen, der seine Glasscheibe eingeschlagen hat. Zwar habe man ihm versprochen, die Daten zur Führung einer Zivilklage bereits Ende vergangener Woche zu überlassen, passiert sei bis dato jedoch nichts. „Ich werde wohl das Schreiben der Staatsanwaltschaft abwarten müssen, um dann als Nebenkläger aufzutreten“, erklärt Mayershofer. Er selbst erfahre in vielen persönlichen Gesprächen Zustimmung zu seinem aktiven Einsatz in der Sache. Jedoch erreichen ihn auch immer wieder „hintenrum“ Mitteilungen von Nachbarn und Ortsansässigen, die sein Vorgehen für „übertrieben“ halten. Ein Anrufer am vergangenen Freitagabend habe  ihm am Telefon erklärt, „er solle sich nicht so wichtig machen wegen einer zerbrochenen Fensterscheibe.“ Mayershofer lässt sich davon nicht beirren.

Am Donnerstag, 16. Februar, 20.15 Uhr, zeigt die Sendung "quer"  im Bayerischen Fernsehen einen Beitrag zu diesem Thema.

15.02.2012 | 11:55 Uhr - von Florian Winkler-Ohm

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