Filmprofis im Augsburger Land
Oscar Lauterbach, der Sohn von Heiner Lauterbach, dreht in Fischach und Dinkelscherben einen Kurzfilm
Als Regisseur ist es seine Aufgabe, das Drehbuch zusammen mit Kamerafrau und Schauspielern in bewegte Bilder umzusetzen. Es ist nicht Lauterbachs erstes Filmprojekt, der als Sohn von Heiner Lauterbach und Katja Flint von Kindesbeinen an Film-Luft schnuppern konnte. In Dinkelscherben war er allerdings zum ersten Mal zu Gast, genauso wie der Großteil der Crew.
„Im Drehbuch ist eine verlassene Waldhütte vorgesehen, ein etwas verwunschener Ort. So etwas gibt es nicht in der Stadt“, erinnert sich Oscar Lauterbach. Eine solche Spielstätte findet also nur jemand, der sich auskennt in seiner Heimat – wie in diesem Fall Produktionsleiter Michael Kalb, der schon seit vielen Jahren im Augsburger Land Filme produziert. Dieses Engagement wurde jüngst vom bayerischen Rundfunk mit einem Sonderpreis zum Thema „Heimat“ bei einem bayernweiten Jugendfilmwettbewerb honoriert.
Für die Wünsche des Regisseurs hatte er die ideale Location parat: eine urige Holzhütte, etwas abseits am Waldrand gelegen. Auf dem Grundstück hält normalerweise ein befreundeter Imker seine Bienen, Kalb kennt die Hütte seit Kindesalter. Die verwitterte Holzhütte, an der sich wilder Wein emporrankt, ist geradezu ideal. „Viel musste ich nicht verändern“, berichtet Szenenbildner Uwe Szielasko, „lediglich im Inneren haben wir einige Möbel aufgestellt.“
Doch für die Dreharbeiten muss nicht nur das Set stimmen, die 14-köpfige Crew soll ja schließlich auch untergebracht werden. Wegen seiner hervorragenden Lage in unmittelbarer Nähe wurde dafür das Selbstversorgerhaus neben dem Dr.-Wiesenthal-Jugendheim auf dem Kaiserberg gemietet.
Neben einem prominenten Regisseur befanden sich im Team noch zwei weitere bekannte Gesichter: Schauspielerin Anne Werner (29 Jahre) war schon bei verschiedenen Serien wie „Soko Leipzig“ oder „Küstenwache“, und im deutschen „Tatort“ zu sehen. Für die männliche Hauptrolle konnte Lauterbach Schauspieler Max Tidof gewinnen. Bekannt durch verschiedene Rollen bei „Kommissar Rex“, „Mord in bester Gesellschaft“ oder „Ein Fall für zwei“, wurde der 52-Jährige als Ari Leschnikow im Film „Comedian Harmonists“ beim Bayerischen Filmpreis mit einem Sonderpreis ausgezeichnet.
In Dinkelscherben hat er sich die drei Tage recht wohl gefühlt. „Vor allem der Ausblick hier oben ist toll. Und das Bier von hier schmeckt hervorragend“, findet Tidof. Im Film spielt er den Superhelden Jon, dessen Tage als gefeierter Volksheld bereits vorüber sind. „Super Jon“ hat nämlich seine Spezialkräfte verloren und lebt nun von der Gesellschaft zurückgezogen. Nur zum Einkaufen wagt sich der gealterte Superheld noch unter Menschen. Dabei begegnet er eines Tages der jungen Weltenbummlerin Marie, gespielt von Anne Werner, die auf der Suche nach einer Unterkunft ist.
Weil alle Pensionen ausgebucht sind, quartiert sich die junge Frau kurzerhand selbst beim kauzigen Jon ein. Dessen Zuhause, die abgelegene Waldhütte, ist zwar spartanisch, aber umgeben von idyllischer Natur, in der sich Jon und Marie langsam anfreunden.
Was im fertigen Film malerisch wirken soll, kann in der Realität der Dreharbeiten ziemlich anstrengend sein. Strom ist in abgelegenen Wäldern bekanntlich ein rares Gut, weshalb für die Dreharbeiten ein extra Aggregat notwendig ist. Um die Schauspieler ins rechte Licht zu rücken, werden allerhand Scheinwerfer aufgebaut – sehr zur Freude von Mücke, Nachtfalter und Co.
Für amüsante Abwechslung sorgte dagegen die Dinkelscherber Feuerwehr. Am Mittwochabend stattete Josef Wenisch der Filmcrew einen Besuch ab, der mit seinem Löschfahrzeug für authentisches Regenwetter sorgen soll. Dabei durften sich auch die Teammitglieder am Feuerwehrschlauch versuchen, als Bäume, Hütte und Umgebung in detailgenauer Handarbeit nass gespritzt wurden.
Am Donnerstagabend war schließlich die Zeit für den Abschied gekommen – allerdings nur im Film. Dafür machte sich das gesamte Team mit der kompletten Ausrüstung auf den Weg in die Stauden, an den ehemaligen Bahnhof in Fischach. Hubert Teichmann von der Staudenbahn GmbH hatte schon häufiger Filmteams an seinem historisch anmutenden Bahnhof zu Gast.
Große Bahnhöfe lassen aufwändige Dreharbeiten logistisch oft nicht zu. „Bei der Staudenbahn dagegen machen wir solche Ausnahmen gerne. Und die ländliche Umgebung hat bekanntlich besonderen Charme“, berichtet Teichmann. Auch Schauspielerin Anne Werner gerät ins Schwärmen: „Dieser alte Personenwaggon hat mich richtig an meine Kindheit erinnert.“
Der wirkliche Abschied kam für sie und das Team am nächsten Tag. Doch mit der Heimreise nach München ist der Film noch längst nicht fertig. Eine Szene muss noch am Ammersee gedreht werden, bevor es dann zur Nachbearbeitung in den Schneideraum geht. Im Oktober wird der Film schließlich an der Filmhochschule zum ersten Mal gezeigt.
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