Gersthofen: Bürgermeister Schantin verliert Mehrheit
CSU-Stadtratsfraktion spaltet sich - "Rebellen" treten aus
Mit diesem Schritt beendet das Trio ein monatelanges Hickhack in den eigenen Reihen, das spätestens bei der jüngsten CSU-Jahreshauptverssammlung vor einigen Wochen endgültig an die Öffentlichkeit drang. Doch ausschlaggebend für die jetzige Reaktion waren die aktuellen Begebenheiten. „Die Äußerungen von Bürgermeister Jürgen Schantin in einem Interview des ,Augsburg Journals’ und der Umgang der CSU-Fraktion mit diesen Vorgängen haben uns zu diesem Schritt bewogen“, so Romankiewicz-Döll, Liberta und Kaps gegenüber unserer Zeitung.
Albert Kaps geht dabei ins Detail. „Ich betone ausdrücklich, dass nicht wir die Grundsätze der Partei verlassen haben, sondern ausschließlich Bürgermeister Jürgen Schantin mit seinem Interview.“ Damit habe der Rathauschef das Grundsatzprogramm der Christsozialen und die Grundwerte mit Füßen getreten. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister sei auf „diesem Niveau“ nicht mehr gegeben, so Kaps.
Kein Vertrauen mehr genießt bei den Dreien auch die CSU-Fraktion. Die bloße Distanzierung der Fraktion gegen die Interview-Äußerungen des Bürgermeisters reiche nicht aus, erklärt das Trio. Diese sei letztlich nur „beschönigend“ gewesen.
Enttäuscht zeigen sich die Stadträte auch von der eigenen Partei. „Der CSU-Ortsverband hat auf die Vorwürfe öffentlich bisher noch gar nicht reagiert.“ Das Vertrauen sei komplett weg, resümiert Kaps, dem nach eigener Aussage von der Partei ein Ausschlussverfahren angedroht worden sei.
Achim Liberta verweist beim Austritt noch auf eine andere Ebene. „Bevor noch mehr Personen Schaden nehmen und die Atmosphäre gänzlich vergiftet wird, haben wir die Reißleine gezogen.“
Mit den drei „Bürgerrebellen“ verliert die CSU drei langjährige und engagierte Mitstreiter. Albert Kaps gehörte als Vorstandsmitglied der CSU fast 40 Jahre an und war 27 Jahre lang Fraktionsvorsitzender. Achim Liberta, viele Jahre Vorsitzender der CSU, und Julia Romankiewicz-Döll sitzen jeweils seit 2002 im Stadtrat.
Austritt und Bildung einer neuen Fraktion sei der erste Schritt zum Neubeginn“, bilanziert Albert Kaps. „Wir blicken positiv in die Zukunft.“ Ziel von „Pro Gersthofen“ sei, eine Politik von Bürgern für Bürger zu gestalten. „Pro Gersthofen übt keinen Fraktionszwang aus und steht für mehr Sachlichkeit, Transparenz, Klarheit und Wahrheit in der politischen Auseinandersetzung“.
Mit dem Austritt verlieren CSU-Fraktion und Bürgermeister Jürgen Schantin die Mehrheit im Gersthofer Stadtparlament. Nach ersten Berechungen steht der neuen Fraktion auch jeweils ein Sitz in den Ausschüssen zu. Diese Mandate gehen von der CSU auf Pro Gersthofen über. Fraktionsvorsitzender ist Albert Kaps, seine Stellvertreterin Julia Romankiewicz-Döll.
Anzeige



















