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Neusäß

"Haus der Musik": ein Rubin für Neusäß


Ein gelungener Auftakt für die Gestaltung der neuen Stadtmitte Neusäß: Der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs erfüllt fast alle Wünsche der Stadt und der künftigen Nutzer.

Welcher Architekt hatte die beste Idee? Das Preisgericht für den Architektenwettbewerb für das neue Haus der Musik in Neusäß hat getagt und die Würfel sind gefallen. Insgesamt waren 200 Bewerbungen bei der Stadt eingegangen – eine davon sogar aus dem fernen Indien.

  • Ein Rubin für Neusäß Ein Rubin für Neusäß
    Der Siegerentwurf: ein Gebäude mit roter Glaswand. Das relativ große Gefälle des Geländes macht sich das Fürther Architektenbüro Düringer in seinem Siegerentwurf zunutze. Jeweils auf verschiedenen Stockwerken sind das Jugendkulturhaus Stereoton sowie die Musikschule mit Stadtkapelle und Narrneusia untergebracht.
    Foto: Architektenbüro Düringer
  • "Haus der Musik": ein Rubin für Neusäß "Haus der Musik": ein Rubin für Neusäß
    Der Querschnitt zeigt im Untergeschoss das Jugendkulturhaus, im 2. Obergeschoss den großen Probenraum. Dazwischen liegen die Räume der Musikschule und der anderen Nutzer.
    Foto: Architektenbüro Düringer
Bild von

Die beiden Sachpreisrichter waren der 1. Bürgermeister Hansjörg Durz und der 2. Bürgermeister Richard Greiner. Als sachverständige Berater ohne Stimmrecht eingebunden waren zudem als Vertreter ihrer Fraktion die Stadträte Uwe Hübner (CSU), Wolfgang Weiland (Freie Wähler), Ulrich Englander (SPD) und Michael Frey (GRÜNE). Betreut wird das Projekt von Hochbauamtsleiter Herbert Zimmermann.

„Wir waren sehr überrascht über die Ideenvielfalt und die inhaltliche Qualität der einzelnen Pläne“, erklärt Krenz. Die Entwürfe des Büros Simon aus Stuttgart und des Architekturbüros Dürschinger aus Fürth kamen in die engere Wahl, aus der das Fürther Büro schließlich als Sieger hervor ging.

Zwar störten die Fachjury nur wenige Punkte am Entwurf des Zweitplatzierten, der die Räume für die Kultur- und Musikschaffenden sowie für die Jugendlichen in zwei getrennten Gebäuden untergebracht und die erforderlichen Räume jeweils übereinander gestapelt hatte. Kritisiert wurde aber die mit 17 Metern enorme Höhe des Komplexes. „Damit wäre es weitaus das höchste Gebäude in der Umgebung und würde auch das nahe gelegene Rathaus um einige Meter überragen. Aus städtebaulicher Sicht hätte das Gebäude damit eine Dominanz, die ihm von der Gewichtung her nicht zusteht“, konnte sich Durz nicht recht mit dieser Idee anfreunden. Beim Entwurf von Architekt Dürschinger kristallisierte sich dagegen deutlich heraus, dass er in seinem Planvorschlag weitgehend genau das widerspiegelt, was von der Stadt gewünscht war. Der Entwurfsverfasser schlägt einen modernen Baukörper, einen Monolith mit Schrägdach und überraschender Gußglasfassade in der markanten Farbe Rot vor, hinter der sich erst die Fenster befinden.

Ob die Benutzer des Hauses künftig die Welt und ihre Stadt in Rot sehen wollen und werden wenn sie aus dem Fenster schauen, steht aber noch nicht fest. Denn nicht allein die auffällige Farbe ist zu diskutieren, sondern auch das Thema Brandschutz ist dabei noch nicht ganz geklärt. „Das kann zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht erwartet werden“, erklärt der Stadtbaumeister. Solcherlei Detailfragen werden erst später erörtert, bis dahin wünscht Bürgermeister Durz Alternativvorschläge vom Architekten.

Eine Glaswand mit großen Fenstern kann sich die Kommune aber sehr gut vorstellen, denn es ist ihr wichtig, dass von außen gesehen werden kann, was in dem Gebäude passiert. „Wenn man abends vorbei geht und sieht, dass im Haus musiziert oder getanzt wird, dann hat das Charme“, wünscht sich Durz, auf diese Weise eine gute Beziehung zu schaffen zwischen vorübergehenden Bürgern und den Abläufen in den beiden Neusäßer Institutionen.

Das Gebäude selbst fügt sich nach der Meinung der Experten städtebaulich bestens in die Umgebung; besonders anerkannt wurden die, von der Stadt ausdrücklich gewünschten, großzügigen Verbindungen zwischen Haupt- und Daimlerstraße. Das große natürliche Gefälle, das das Gelände aufweist, wurde vom Architektenbüro Dürschinger zur Trennung der verschiedenen Nutzungen des Gebäudes zum einen als Haus der Musik und zum anderen als Jugendkulturhaus geschickt ausgenützt. Vor allem die durch eine Mulde entstehende Arena mit breiter Freitreppe begeisterte.


Die Fachjury unter dem Vorsitz des Architekten Professor Ulrich Holzscheiter (München) bestand aus Rainer Löhle (Augsburg), der als Sieger aus dem Wettbewerbsverfahren für die Beruflichen Schulen Neusäß hervorgegangen war, Thomas Pfeiffer (München) und Stadtbaumeister Dietmar Krenz. Das Gremium hatte 14 Entwürfe bewertet.

Mit den Räumen für das Jugendkulturhaus im Untergeschoß mit der mögliche Öffnung des Veranstaltungsraums nach draußen und dem großzügigen Cafe wurde einer wesentlichen Forderung Rechnung getragen. Die Musikschule mit Eingangsbereich, Foyer und Wartebereich ist auf der Ebene 1 untergebracht, Stadtkapelle und Narrneusia sollen ihre neue Heimat im Obergeschoß finden.

Die Musikschule, Stadtkapelle und die Faschingsgesellschaft Narrneusia finden ihre Funktionsräume wie Notenarchiv oder Lagerräume dicht bei den entsprechenden Probenräumen, womit kurze Wege garantiert sind und den Nutzern sehr entgegenkommt. „Deren Büros, Proben- und Nebenräume sowie Umkleidekabinen sind sehr klar strukturiert und gut proportioniert“, erklärt Krenz.

Als nächstes will die Stadt den Entwurf mit den künftigen Nutzern besprechen. Darauf folgen wie vorgeschrieben Verhandlungsgespräche mit den beiden Erstplatzierten. Im Stadtrat beraten werden soll darüber bereits im Juni, die Auftragvergabe ist für Juli angedacht. „Der Baubeginn ist für Frühjahr 2013 geplant“, hofft Bürgermeister Durz, dass alles glatt geht.

Der Architekturwettbewerb inklusive Vorplanungen, Boden- und Schallgutachten sowie Vermessungskosten wird sich auf 80 000 Euro belaufen. Dabei machen die Preisgelder 28 000 Euro aus. Der Sieger erhält 14 000 Euro, der Zweitplatzierte 10 000 Euro. Falls der Auftrag erteilt wird, wird das Preisgeld auf das Honorar angerechnet.

Insgesamt soll der Bau des Hauses der Musik vier Millionen Euro kosten. Finanziert werden soll nach den Vorstellungen des Bürgermeisters das Haus der Musik aus den Rücklagen der Stadt. Somit also aus dem Spartopf. „Für solche Maßnahmen sparen wir ja“, erklärte Durz.

24.06.2012 | 08:00 Uhr - von Jutta Kaiser-Wiatrek


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